Freitag, 1. März 2019

Mexican Fever - mucho locos

Mittlerweile ist auch bei mir das "Mexikanische Fieber" angekommen. Und wer möchte nicht die 44 Spider-Man Ausgaben besitzen, die Haupt-Autor Raúl Martinez und Zeichner José Luis Durán in den frühen 1970er Jahren schufen? Selbst wenn einiges "abgepaust" ist, sieht das Gesamtbild doch immer gut aus. Die Originalhefte sind inzwischen kaum noch erschwinglich, so sehr kloppen sich die Spider-Man Fans weltweit darum.

Bei mir hat das Ganze mal wieder etwas "What If…?" ausgelöst. Deshalb habe ich mir mal drei der mexikanischen Cover genommen und sie zu US-Ausgaben (ohne Nummerierung) umgestaltet. Ich denke, es sind drei der wichtigsten Ausgaben aus der "El Sorprendente Hombre Araña"-Reihe. No. 123 mit der ersten in Mexiko produzierten Story, No. 128 mit der Hochzeit von Gwen Stacy und Peter Parker und schließlich die 137 mit der wundervollen Satanica. Man beachte den versteckten Schriftzug in ihren Haaren.


Wer weiß, vielleicht gibt es doch irgendwann noch eine englisch- oder gar deutschsprachige Version. Chris Ryall, Vorstand von IDW Publishing scheint jedenfalls auch angefixt zu sein. Die Hefte sind im Übrigen nicht das erste Spider-Man Material, das La Prensa in Eigenregie erstellen ließ und veröffentlichte. Von 1969 bis 1974 liefen in der gleichnamigen Tageszeitung Spider-Man Strips von Raúl Martinez und José Luis Durán. Damals noch mit reichlich Steve Ditko-Einfluss, aber gut gemacht und allemal sehens- und bestimmt auch lesenswert.


Diese Strips dürften das wirklich am schwersten aufzutreibende Marvel-Material sein. Bis dato hatte ich immer die Hulk-Zeitungsstrips an oberste Stelle gesetzt. Doch die kriegt man garantiert leichter.
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Freitag, 22. Februar 2019

Gwen Stacy hat überlebt!

…und in Mexiko geheiratet.
Ein kürzliches Twitter-Posting brachte die Marvel-Welt ins Wanken. Auf die Frage, welche bislang nicht als "Collected Editions" erhältlichen Comics man sich wünsche, nannte ein Mitglied die 45 Comic-Hefte des mexikanischen Verlags La Prensa, die nur für Mexiko produziert wurden. Das Cover mit der Hochzeit von "Hombre Araña" alias Peter Parker und Gwen Stacy ging daraufhin viral.


Die hauptsächlich von José Luis Durán gezeichneten Comics wurden von Marvel USA genehmigt, da die 1963 begonnene Serie aufgrund der häufigeren Erscheinungsweise wohl irgendwann einen materiellen Engpass hatte. Deshalb wurde in der Anfangsphase auch Material von Ant-Man aus Tales To Astonish und den Avengers im Wechsel mit Spider-Man abgedruckt.

Insgesamt erschienen 44 in Mexiko produzierte Originalstories, deren Zeichnungen einem irgendwie bekannt vorkommen. Die südamerikanischen Hefte sind selten und je nach Anbieter dementsprechend teuer. Mittlerweile werden die spanischsprachigen Originale schon als Zukunftsinvestition unter Sammlern genannt. So schnell kann sich etwas binnen weniger Tage zum Spekulationsobjekt entwickeln.


Nachdem Amazing Spider-Man #102, ein Heft mit doppeltem Seitenumfang, zweigeteilt in Hombre Araña No. 121-122 abgedruckt worden war, begannen die Eigenproduktionen im Wechsel mit regulärem US-Material. Dass man damit den Tod von Gwen Stacy hinauszögern wollte, dürfte reine Spekulation sein. Auffallend ist jedoch, wie oft sie auf den Titelbildern zu sehen war.


Gerade bei den Titelbildern fallen die "Anleihen" anderer Comics auf. Irgendwie scheint alles etwas vermixt. Hauptsächlich John Romita und Gil Kane, oftmals im DC-Style aber auch Batman und Co. mit einem Schuss Neal Adams oder Jim Aparo sind zu finden.



Einen Sammelband aller Hefte aus der mexikanischen Eigenproduktion von La Prensa würde ich als Leser auch begrüßen, da die mexikanische Sammlung kaum erschwinglich wäre. Die Preise dürften zukünftig noch weiter anziehen. Im Netz findet man u.a. ältere Ebay-Auktionsbilder von 2007. Damals war das unbekannte Material sicherlich noch ein Schnäppchen…

Donnerstag, 21. Februar 2019

ZWISCHEN DEN STERNEN

Die Captain Marvel-Anthologie
"Die Ankunft des Captain Marvel" hat sich bei mir etwas verzögert. Dennoch freue ich mich, dass die Geschichte mit der Herkunft des Captains endlich auf Deutsch vorliegt. Sowohl der bsv als auch der Williams Verlag begannen mit US-Captain Marvel #1 in den Hit Comics und auf den hinteren Seiten der Rächer-Hefte. Leider fand der Serienauftakt bereits in Marvel Super-Heroes #12 und 13 statt. Für den klassischen Fan wäre es natürlich optimal gewesen, wenn Panini beide Stories in den dicken Hardcover-Band gepackt hätte.

Nichtsdestotrotz wird wieder eine kleine Lücke, die seit Hit Comics Nr. 121 aus dem Jahr 1969 klafft, zumindest teilweise geschlossen. Für mich ist das das Highlight. Denn das nachfolgende, spätere Abenteuer aus US-Captain Marvel #18 erschien vor nicht allzu langer Zeit bei Hachette innerhalb der Superhelden-Sammlung (Bd. 25). Mancher Rezensent bezeichnet die Auswahl als "desinteressiert". Ich denke eher, dass es Marketing-strategisch ein Querschnitt zum in Kürze anlaufenden Captain Marvel-Kinofilm sein soll. Deshalb legte man den Fokus auf die späteren Abenteuer mit dem inzwischen weiblichen Helden bzw. Heldin.

Da mir persönlich der Marvel-Output der späten 1970er Jahre quantitativ zu hoch und qualitativ zu niedrig ausfiel, muss ich zugeben, dass ich Carol Danvers Karriere als Ms. Marvel kaum verfolgt habe. Von daher ist es für mich eine Gelegenheit, alte Kamellen wie Ms. Marvel #1 nachzulesen. Dazu ein bisschen Avengers Annual, Uncanny X-Men, Giant-Size Ms. Marvel, der Secret Avengers-Dreiteiler, zwei Mal Captain Marvel #1 (2012/2014er Serie) und Civil War klingen nicht so schlecht.

Vielleicht ist das Auslassen von Marvel Super-Heroes #13 mit dem ersten Auftritt von Carol Danvers aber doch ein kleines Sakrileg. Oder war es ein Faux Pas, den sich Panini eventuell aus Unwissenheit bei der Zusammenstellung des Bands leistete? Zwiespältig. Deshalb kann ich diesmal nur eine eingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen. Für mich selbst ist die Captain Marvel-Anthologie auf jeden Fall ein Haben-Muss!

Als Zusatzliteratur empfehle ich Die offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classic XXIV und XXV (u.a. US-Captain Marvel #25-34), Die Superhelden-Sammlung Bd. 25 (US-Captain Marvel #17-23) und Die Superhelden-Sammlung Bd. 18 (Carol Danvers).

Inhalt:
Marvel Super-Heroes 12, Captain Marvel (1968) 18, Ms. Marvel 1, Avengers Annual 10, Uncanny X-Men 269, Giant Size Ms. Marvel 1, Secret Avengers 26-28, Captain Marvel (2012) 1, Captain Marvel (2014) 1+15, FCBD: Civil War II, Captain Marvel 125, Generations: Captain Marvel & Captain Mar-Vell

324 Seiten Hardcover

Dienstag, 19. Februar 2019

Wie alles begann… Das Ding!

Teil 33 - Kurzes Zwischenspiel
Eine Story, die mich ebenfalls schon beim ersten Lesen faszinierte, war die aus Die Fantastischen Vier Nr. 47 von Williams. Ich glaube, das Heft war Teil eines der Marvel Superband Superhelden-Sammelbände, die ich in den frühen 1980er Jahren auf dem Flohmarkt gekauft hatte. Ein Fremder übernimmt die Eigenschaften des Dings und Ben Grimm wird nach langer Zeit wieder zum Menschen. Seine Freunde scheinen ihn nicht zu (er-)kennen und das falsche Ding opfert sich schließlich, um Reed Richards Leben zu retten. Wow!

Stan Lee und Jack Kirby zogen hier alle Register. Sowohl Bild und Text waren beeindruckend und sind es noch immer. Joe Sinnotts Inks sind bereits in der Eröffnungsszene, als das Ding im Regen steht, genial. Dazu ein Titelbild, das sich einfach ins Gedächtnis brennen muss. Aus diesem Grund wollte ich das Cover unbedingt für eine der Nuff-Ausgaben verwenden.




Was mir selbst nicht auffiel, war der Unterschied zur US-Ausgabe. Williams hatte eine Alternativversion erwischt, die später auch bei Condor als Titelbild des zweiten Taschenbuchs der Fantastischen Vier zum Einsatz kam. Nur der Bildschriftenverlag zeigt das Originalmotiv auf Hit Comics Nr. 12. Als mich ein Leser nach Veröffentlichung von Das sagte Nuff! Nr. 12 darauf hinwies, traute ich meinen Augen kaum. Einige Steinchen am Körper des Dings waren schwarz eingefärbt. Selbst Marvel USA verwendete die schwarzen Steinchen für Marvel Masterworks Vol. 6, sowohl als Erstausgabe der Hardcover- als auch der ersten Softcover-Reihe. Von daher ist es schwer zu sagen, was nachträglich bearbeitet wurde.


Ich vermutete, dass es sich um ein typisches Nachdruck-Cover handelte. Doch für die Reihe "Marvel's Greatest Comics" hatte man John Buscema ein komplett anderes, neues Motiv anfertigen lassen. Das Bild mit den "fehlenden" Steinchen erschien zum ersten Mal anno 1971 als 47. Ausgabe der FV in Italien des Herausgebers Editoriale Corno. Parallel zur Condor-Ausgabe erschien es auch als Taschenbuch in Skandinavien, dort allerdings als Nr. 1 des Atlantic Förlags. Ohnehin liefen Hulk und Spinne gleichzeitig in Deutschland, Norwegen, Schweden und Dänemark in der Condor-Version als Taschenbuch-Reihen.


Auf die zugehörige Story mussten sich die Condor-Leser allerdings bis zu Die Fantastischen Vier Taschenbuch Nr. 9 gedulden. Titelbilder und Inhalt müssen ja nicht unbedingt zeitgleich im selben Band veröffentlicht werden, zumindest nicht bei Condor. Dennoch ist es nicht klar, was zuerst da war: Terracotta-farbene oder schwarze Steinchen. Dass Marvel immer wieder an den Bildmotiven herumdokterte, beweisen die drei unterschiedlichen Versionen von Fantastic Four #52. Auch hier erwischte der Williams Verlag eine Alternativ-Version mit offener Maske des Black Panther. Und auch diese erschien in Italien bei Editoriale Corno als Nr. 48 von I Fantastici Quattro. Hatte man in den 1970er Jahren für den Europäischen Markt einfach das an die Verlage geschickt, was im Archiv noch übrig war? Wer weiß…


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Montag, 18. Februar 2019

Wie alles begann… Neu! Deutsche Erstveröffentlichung!

Teil 32 - Condor Teil 1
Jetzt breche ich mal eine Lanze für Wolfgang M. Biehler und seinen Condor Verlag. In den 1980er Jahren war er prägend und omnipräsent in den Comic-Regalen. Man kann viel kritisieren, aber letzten Endes zählen doch die Verkaufszahlen. Und die fielen verdammt hoch aus in der Statistik. Eine der lustigsten und gleichzeitig spannendsten Geschichten der Fantastischen Vier hatte Williams mangels verfügbarem Material auslassen müssen. Condor hingegen konnte ein paar Jahre später auf die Vorlagen der US-Nachdrucke zurückgreifen.


So kam u.a. Fantastic Four #5, wo Dr. Doom die FV mit seiner Zeitmaschine in die Vergangenheit schickt, zum Abdruck. Eine deutsche Erstveröffentlichung, da auch der bsv diese nicht in seinem Hit Comics-Repertoire hatte. Die Präsentation im ersten FV-Taschenbuch mag nicht die beste gewesen sein, aber mir blieb das Piraten-Abenteuer mit dem Ding als Blackbeard stets in Erinnerung. Und ich muss noch immer schmunzeln, wenn ich daran denke.


Ebenso geil und prägend fand ich den Storybogen "Hexenzeit" im siebten Spinne-Taschenbuch aus Marvel Team-Up #41-45. Auch hier ist Dr. Dooms Zeitmaschine beteiligt. Spider-Man findet sich im Jahr 1692, zur Zeit der großen Hexenjagd von Salem, wieder. Waren viele Team-Ups zuvor eher langweilig und dröge, haute dieser Mehrteiler richtig rein. Scarlet Witch, Vision, Dr. Doom, Moondragon plus zeitgenössische Charaktere wie Cotton Matter und John Proctor nebst unserem freundlichen, wandkrabbelnden Nachbarn. Einfach klasse!

Auch der andere Storybogen um Polizeichefin Jean DeWolff und ihrem Bruder Brian auf den vorherigen Seiten desselben Taschenbuchs gefiel mir gut. Dieser spielt originalchronologisch (Marvel Team Up #48-51) nach den Hexenereignissen, aber sei's drum. Sal Buscema hatte nie die zeichnerischen Qualitäten seines Bruders John, produzierte aber solide Werke bei den Rächern, Hulk und den Spider-Man Nebenserien. Von daher finde ich persönlich, dass die Formatverkleinerung auf Taschenbuchgröße seinen Zeichnungen schmeichelt und die eine oder andere Holprigkeit kaschiert.

Ebenfalls toll waren für mich die Geschichten des Hulk aus den jeweils ersten beiden Spinne- und Hulk-Taschenbüchern. Einen Teil davon kannte ich zwar schon aus den Williams- und bsv-Marvel Comics, aber so konnte ich z.B. Tales To Astonish #79-91 am Stück lesen. Das hatte schon was. Hinzu kamen ganz frühe Sachen, die Williams ausgelassen hatte. Die Origin aus der ersten US-Serie des grünen Riesen aus #3, sowie zwei weitere Stories aus Incredible Hulk #5 und 6.

Doch Klassiker waren nicht wirklich das Ding von Wolfgang M. Biehler und seiner Mannschaft. Vermutlich lag der Vergleich mit den schöneren Williams-Ausgaben zu nah und die Naivität der frühen Zeichnungen von Jack Kirby oder Steve Ditko war längst nicht mehr zeitgemäß. Auch die Farbgebung ließ zu wünschen übrig. Ein besonders übles Beispiel ist das erste Album der Fantastischen Vier. Aber auch die ersten Taschenbuchausgaben zeigten sich nicht viel besser.

Condor verabschiedete sich also schnell vom klassischen Marvel-Material und schwenkte auf aktuelleres um. Das konnte man immerhin als "Deutsche Erstveröffentlichung" groß in Signalfarben auf den Titelbildern bewerben. So blieben Lücken, die zum Teil bis heute nicht geschlossen wurden. Biehlers Mannschaft hütete sich auch davor, sich mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften anzulegen.


Ein Antrag auf Indizierung lag z.B. für Die Fantastischen Vier Comic-Album Nr. 3 vor. Das erzählte mir Hajo F. Breuer einmal bei einem Telefonat. Ich dachte sofort an die Zweitstory mit dem Hatemonger, der sich am Ende als Adolf Hitler bzw. eines seiner Doubles entpuppt. Doch weit gefehlt, jemand hatte sich an der Darstellung der vier Reiter der Apokalypse gestört. Die Leute bei Marvel USA konnten das überhaupt nicht nachvollziehen, schließlich wären weder Blut noch irgendwelche Eingeweide zu sehen gewesen. Jedenfalls konnte Hajo durch ein von ihm aufgesetztes Schreiben nachweisen, dass der Comic harmlos war und somit eine Indizierung abwenden.

Dennoch war Condor gewarnt. Zukünftig gab es Cover-Retuschen (z.B. Die Spinne Nr. 9 und 51), überdeckte Panels mit Text im Inhalt (FV Taschenbuch Nr. 5) oder es wurden Teile entfernt oder Bildausschnitte vergrößert. Den Punisher ließ man trotz Werbe-Vorankündigung als Spinne Nr. 12 erstmal ganz weg und schwenkte von Amazing Spider-Man auf dessen Nebenserien Peter Parker The Spectacular Spider-Man und Marvel Team-Up um.

Williams hatte sich mit der Prüfstelle angelegt und erfuhr in mindestens drei Fällen eine Indizierung. Dracula Nr. 5, Frankenstein Nr. 5 und für die zuletzt erschienenen Kung Fu-Taschenbuch Ausgaben mit den Söhnen des Tigers aus Deadly Hands Of Kung Fu. So etwas kann geschäftsschädigend sein, was die Condor-Mannschaft möglichst vermeiden wollte.

Teil 33
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Samstag, 16. Februar 2019

Das Marvel Hochzeitsalbum

Zwischendurch mal eine kleine Rezension. Kurz vor dem Valentinstag veröffentlicht Panini "Das Marvel Hochzeitsalbum". Allein schon der Schutzumschlag erinnert mich an die Einladungskarten zu meiner eigenen Hochzeit. Dickes Büttenpapier mit Goldprägung und das Motiv von Amazing Spider-Man Annual #21 aus der Feder von John Romita sr. Anno 1988 bei Condor als Die Spinne Nr. 155 erschienen, haute das Cover mich schon damals um. Zwar verwendet Panini die Superhelden-Variante statt der mit Peter Parker, aber es sieht einfach geil aus. Vorne mit Herzchenschlitz für das Hochzeitsbild und hinten auf dem Umschlag in Gold geprägt, herrlich.

Inhaltlich ist es eine nette Zusammenstellung von den frühen Klassikern bis zu Deadpools Hochzeit im Jahr 2014. Der für mich interessante Teil wie etwa die Hochzeit von Reed Richards und Sue Storm aus Fantastic Four Annual #3 (zwischen FF # 43 und 44) war früher richtig selten, erscheint mit der vorliegenden Ausgabe nach Hachettes Offizieller Marvel-Comic-Sammlung Classic IV, Paninis Marvel Klassiker Fantastic Four und der Stan Lee Anthologie bereits zum vierten Mal innerhalb relativ kurzer Zeit. Ähnlich ist es bei den Rächern. Hank Pym alias Yellowjacket ehelicht Janet van Dyne in der vorliegenden Fassung, erstveröffentlicht in Die Offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classic XII zum zweiten, bsv Hit Comics und Williams Rächer mitgezählt, zum vierten Mal.

Der gesamte Inhalt umspannt die meisten Marvel-Helden, die in all den Jahren vor den Altar gingen: Fantastic Four Annual #3 (1965), Avengers #59-60 (1968), Giant Size Avengers #4 (1975), Incredible Hulk #319 (1986), Amazing Spider-Man Annual #21 (1987), X-Men #30 (1994), New Avengers Annual #1 (2006), Black Panther #18 (2006), Astonishing X-Men #51 (2012), Deadpool #27 (2014).

Alles in allem ein netter Zeitvertreib mit Unterhaltungswert. 324 Seiten zum Preis von 29.- EUR sind nicht nur angemessen, sondern aufgrund der Aufmachung als Hardcover mit Schutzumschlag und Prägedruck wirklich günstig. Somit kann ich hier eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, nicht nur für Verliebte, aussprechen.

Wie alles begann… Hit Comics über alles

Teil 31 - Objektivismus
Spider-Man Zeichner Steve Ditko war ein Anhänger des Objektivismus, einer Einteilung in Schwarz und Weiß bzw. Gut und Böse usw.  Während ich diese Lebenseinstellung nicht teilen kann, bin ich doch vernarrt in die klassischen Hit Comics des Bildschriftenverlags. Über 151 Ausgaben plus je ein Heft von Captain Marvel, Die Fantastischen Vier, Die Rächer und Die Spinne mit schwarzweißem Inhalt erschienen zwischen 1966 und 1970. Während in den Sprechblasen oft Mumpitz stand, waren die Zeichnungen beeindruckend. Comic-Künstler wie Gene Colan, John Romita sr., John Buscema, Steve Ditko und vor allem Jack Kirby präsentierten ihre Werke in voller Blüte.

Zwar gab es übertriebene Retuschen, wenn z.B. zusammen mit den Sprechblasentexten auch die Brust-4 der Fantastischen Vier entfernt wurde oder die Seitenzahlen und Soundwords, aber es wurden keine Sprechblasen vergrößert, wie es später bei Williams oft der Fall war. Auch die Druckvorlagen hatten meist eine bessere Qualität als Jahre später, wenn die gleichen Geschichten erneut zum Abdruck kamen.


Das verwendete Papier sog die schwarze Druckfarbe so in sich auf, dass die Strichstärke einen wunderbaren Kontrast zum Hintergrund bildete. Wie schwach sind da die restaurierten Sachen, die Marvel USA mit vorhandenen Mitteln reproduziert hat und dies immer noch tut. Vince Collettas Tuschezeichnungen bei Thor oder Sub-Mariner sind da ein gutes, schlechtes Beispiel. Er neigte dazu, dünne Tuschefedern zu verwenden, was häufig zu fehlenden oder abgerissenen Linien in den Nachdrucken führt. Farbe kann das nicht ausgleichen.


War für mich als junger Leser die Entdeckung der Williams-Marvels eine Freude gewesen, so hauten mich die schwarzweißen Hit Comics vollends vom Hocker. Früher war alles besser, sagt man. Meiner Empfindung nach ja. Denn aufgewachsen bin ich nicht im Golden Age oder Silver Age der Comics, sondern im Zeitalter des Condor Verlags, welches manche Marvel-Fans zynisch als "Dark Age" der Comics bezeichnen. Rückblickend war Condor nicht so schlecht, aber verglichen mit seinen Vorgängern qualitativ ein deutlicher Abfall, was Übersetzungsleistung und Präsentation anbelangt.

Im Comic Guide-Forum forderte ein Mitglied einmal einen kompletten Nachdruck aller Hit Comics. Wie geil wäre das? Denn die Originale sind zum Teil nicht nur schweineteuer, sondern auch reichlich vergilbt. Nach über einem halben Jahrhundert ist das säurehaltige Papier meist bräunlich durchfärbt, so dass der ursprüngliche Kontrast gelitten hat. Der Flair der ersten deutschsprachigen Marvel Comics bleibt dennoch unerreicht. Eine Reproduktion der ganzen Serie gleicht einer Lebensaufgabe. Der Gesamtumfang ist einfach zu groß. Zudem würden mich die falsche Chronologie und die Lücken darin stören.


Auch die Leimung  der Hit Comics ab Nr. 60 erschwert eine Reproduktion. Es ist kaum möglich, alle Comicseiten zu digitalisieren ohne dabei die Hefte zu zerstören. Knapp 9000 schwarzweiße Seiten, die der bsv in den ersten fünf Jahren veröffentlichte, sind dann doch eine große Hürde. Ein Komplett-Nachdruck wäre dennoch ein Traum.

Teil 32
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