Dienstag, 9. April 2019

AVENGERS COLLECTION

Das Marvel Cinematic-Universe macht’s möglich. Pünktlich zum neuen Avengers-Blockbuster wirft Panini gleich sechs hochwertige Hardcover zum Wahnsinns-günstigen Einzelpreis von je 14,99 EUR auf den Markt. Ideal für Neueinsteiger und gleichzeitig auch etwas für Fans, die schon länger dabei sind. 

Die Avengers Collection bringt jeweils eine kurze Einleitung, wie die betreffenden Marvel Comics ursprünglich entstanden und im Anschluss ein Kurzporträt des jeweiligen Helden bzw. im Fall von Thanos eher Schurken. Nach den Comic-Geschichten folgen, je nach Platz, ein kurzer Text über die Kinoerfolge, sowie eine Reihe von klassischen und Variantcovern.

(1) Avengers Collection: Spider-Man
- Amazing Spider-Man (1999) 34-35 & 801
- Amazing Spider-Man (2018) 1
(2) Avengers Collection: Captain America
- Captain America 695-697
- Captain America (2018) 1
(3) Avengers Collection: Iron Man
- Iron Man 127- 128 & 232
- Incredible Iron Man 500.1
- Tony Stark: Iron Man 1
(4) Avengers Collection: Thor
- Thor (2007) 1-2
- Thor: God of Thunder 1
- Thor (2018) 1
(5) Avengers Collection: Avengers
- Avengers Assemble 6-8
- Avengers (2018) 1
(6) Avengers Collection: Thanos
- Silver Surfer 44-45
- Thanos Annual 1
- FCBD: Civil War II
- Thanos 13

Keine wirklich klassischen Abenteuer, lediglich der "Dämon in der Flasche" von Iron Man dürfte noch zu Marvel-Klassikern zählen. Alles in allem ein schönes, preiswertes Package mit etwas Hintergrundinfo. Kein Pflichtkauf, aber gutes Entertainment und ein netter Zeitvertreib.


Deutsche Erstveröffentlichung

Manchmal beschleicht einen das Gefühl, das Wolfgang M. Biehler und die Mitarbeiter seines Condor Verlags genau wussten, was Williams an Marvel-Material bereits veröffentlicht hatte. Als im Sommer 1979, zwei Monate nach der Einstellung des Marvel-Programms bei Williams, das erste Rächer Taschenbuch erschien, wartete das Büchlein mit dem Beginn der Avengers auf und brachte die ersten sechs Episoden inklusive der einzigen bei Williams ausgelassenen Story um Baron Zemo, einer Figur mit nationalsozialistischem Hintergrund, und seinen "Masters Of Evil".



Im Anschluss folgte Thors Entstehung aus Journey Into Mystery #83 erstmals im Original-Layout und schließlich noch Hulk #6, welches Williams ebenfalls nicht veröffentlicht hatte. Auch wenn die Präsentation nicht optimal ausfiel, waren das dennoch drei deutsche Erstveröffentlichungen in einem Haufen Klassiker. Auch das Titelbild mit dem Motiv von Avengers #4 war gut gewählt.


Weniger spektakulär offenbarte sich Rächer Taschenbuch Nr. 2 mit den Fortsetzungen der Avengers und Thor aus Taschenbuch Nr. 1. Ganz anders dagegen das dritte Taschenbuch. Mit Avengers #102 schloss Condor direkt an das zuletzt bei Williams erschienene Rächer-Heft an. Da man versuchte, entweder ganze Story-Bögen oder Einzelhefte ohne Bezug zu veröffentlichen, wirkt das Ganze im Anschluss wie ein geordnetes Chaos mit Lücken und chronologischem Hin und Her.



Man muss die Condor-Taschenbücher als Spiegel ihrer Zeit sehen. In den 1980er Jahren gab es keine Alternative, außer man wechselte zu den US-Originalen. Die Ehapa-Taschenbücher boomten, Bastei und Kauka bzw. Pabel zogen nach. Donald Duck, Superman, LTB, Bessy, Lupo usw. Condor lag also voll im Trend.

Noch mehr...

Wenn man einmal anfängt. Die digitale Bastelei macht süchtig. Leider hat meine derzeitige Marvel-Sammlung einige Lücken. Dennoch folgt hier die zweite Runde THOR, wie es ihn nie gab. Zwei der Titelbilder hat Williams nicht abgedruckt. Einmal wegen der Spidey-Giant-Size Geschichte mit Morbius (Die Spinne Nr. 103) und wegen der abgebrochenen Story in Die Spinne Nr. 137. Da die handgeletterten Titelschriftzüge von Williams aber so schön sind, habe ich diese in die Nachdruck-Cover aus "Thor und der lebende Planet" und Marvel Klassiker-Thor eingesetzt.









Freitag, 5. April 2019

What If...

...Williams had continued The Mighty Thor in his own series after Nr. 33 ?

Beim Durchstöbern meines physischen und digitalen Comic-Archivs fielen mir jüngst die Fortsetzungseinleitungen von Williams auf. Insbesondere die letzten Thor-Motive in den Spinne-Heften. Eigene Farbgebung, tolles Lettering, einfach klasse! Schade, dass man die nur im Innenteil der Hefte sieht.

Was wäre, wenn... man statt des Fortsetzungstextes die Titel in die Kästen einfügen würde? Und das Layout im Williams-Stil verfeinerte? Das Unperfekte perfektioniert. Die Schriften handgelettert, die Schlagzahlen für die Nummerierung nicht immer gleich, manchmal gerne etwas schief. Das hat Leben, das hat Flair. Nostalgie pur, die es so nie gab.

Hier deshalb meine Bastel-Version der Titelbilder zu den letzten Thor-Geschichten auf den hinteren Seiten in den Heften unseres allseits beliebten Wandkrabblers, wie es sie nie gab.








Montag, 1. April 2019

DIE CAPTAIN AMERICA-ANTHOLOGIE

Hüter der Freiheit

Das Marvel Cinematic-Universe macht es möglich! Durch die Film- und Serienerfolge insbesondere bei den Avengers, fällt auch die eine oder andere Krume für den klassischen Marvel-Fan ab. Der langjährige Anführer der Marvel-Rächer, Captain America, war für die deutschsprachige Landschaft einfach zu patriotisch, um dessen Einzelabenteuer aus Tales Of Suspense als komplette Serie zu veröffentlichen.

Stattdessen gab es immer wieder Zufallstreffer. Die vorliegende Captain America-Anthologie wartet derzeit mit einem bislang auf Deutsch unveröffentlichten Zehnseiter aus Tales Of Suspense #63 mit der Herkunftsgeschichte des Helden auf. Wenn man den Fokus auf den 1960er Jahre Cap legt, ergibt sich folgendes Muster:

ToS #63 - Die Wurzeln von Captain America!
 - in: Die Captain America-Anthologie (Panini 2019)
ToS #66 - Die fantastische Herkunft des Red Skull
 - in: Captain America: Rot, Weiss und Blau (Panini 2003)
ToS #78 - Jene
 - in: Hit Comics Nr. 14, 16 und 18 (Bildschriftenverlag 1967)
ToS #79 - Red Skull lebt!
 - in: Die Superschurken-Sammlung - Red Skull (Hachette 2017)
ToS #85 - Batrocs Blitzkrieg
 - in: Kung Fu Taschenbuch Nr. 3 (Williams Verlag 1976)
ToS #93 - In den Händen von AIM!
 - in: Die Superschurken-Sammlung - MODOK (Hachette 2018)
ToS #94 - Endlich enthüllt: MODOK!
 - in: Die Superschurken-Sammlung - MODOK (Hachette 2018)

Insgesamt keine besonders große Ausbeute. Dennoch macht es Spaß, die alten Cap-Geschichten aus der Feder von Stan Lee und Jack Kirby nachzulesen. Tales Of Suspense #63 erzählt "Meet Captain America" aus Captain America Comics #1 aus dem Jahr 1941 im 1960er Jahre-Stil nach. Für mich das Highlight dieses schwarzen Wälzers, der sich gut zu den anderen Marvel-Anthologien gesellt. Nach Deadpool, Spider-Man, Avengers, X-Men, Stan Lee, Captain Marvel und Iron Man, erscheint nun auch Captain America in der Aufmachung der überformatigen schwarzen Bände.

Die bunte Zusammenstellung des Inhalts bietet einen Querstreif durch 78 Jahre Comic-Geschichte des amerikanischsten aller Helden im rot-weiß-blauen Kostüm. Neben den obligatorischen Wiederholungstätern (z.B. Avengers #4 oder Captain America #111), nehme ich die neueren Storys gerne als Bonus mit. 324 Seiten Cap präsentieren:

Captain America Comics (1941) 1 (I), 76 (IV), Avengers (1963) 4, Tales of Suspense 63 (II), Captain America (1968) 111, 200, 225, 250, 450, 601 (I), 695 (II), Captain America (2002) 1, Civil War: The Confession (II), Captain America (2005) 25, Secret Empire 0

…wer will sich dieses Angebot entgehen lassen?

DER KREE/SKRULL-KRIEG

Pünktlich zum neuen Avengers-Film "Endgame" bringt Panini zum gefühlt x-ten Mal den Kree/Skrull-Krieg. Obwohl dieses Event aus der Feder von Roy Thomas, Neal Adams und den Buscema-Brüdern Sal und John ein wahres Highlight in der Geschichte von Marvels Rächer-Truppe darstellt, kommt inzwischen ein etwas bitterer Geschmack auf. Denn abgesehen von der tollen Story aus US-Avengers #89-97 ist dies mittlerweile die siebte deutsche Variante aus dem Panini-Stall.

Im letzten Quartal 2002 erschien Marvel Exklusiv Bd. 40 als Edition in Soft- und Hardcover. Inhalt: Der Prolog, der die bisherigen Ereignisse textlich und bebildert zusammenfasst, plus Avengers #93-97. Zur Comic-Action 2008 gab es schließlich die überarbeitete Neuauflage als limitiertes Secret Wars-Hardcover Special mit zusätzlichen vier vorausgehenden Nummern (US-Avengers # 89-92). Das zugehörige Softcover folgte Anfang 2009. Dieses bildet seither die Grundlage für alle weiteren Editionen.

Im Juni 2017 erschien das preislich günstige Hardcover der Offiziellen Marvel-Comic-Sammlung von Hachette für unschlagbare 12,99 EUR. Das alte Messe-Special kostete 39.- und das aktuelle Hardcover vom Frühjahr 2019 gibt es für 32.- oder als Softcover für 23.- EUR. Da ist die Frage, wer das noch zu diesen Preisen kauft bzw. kaufen soll.

Am Inhalt wurde scheinbar nichts verändert. Muss auch nicht, da die Farben weit besser sind als noch in Marvel Exklusiv Bd. 40. Das Lettering ist das, welches Panini seit ca. 1997 als Standard verwendet (RAM). Florian Breitsameter, der Avengers #93-97 seinerzeit für den Marvel Exklusiv-Band übersetzte, wird im Gegensatz zu Michael Strittmatter (Avengers #89-92) nur im Inhaltsverzeichnis, nicht jedoch auf den Comic-Seiten genannt.

Eigentlich ist der Kree/Skrull-Krieg ein Must-Have. Und ich bin erschrocken, wie vergleichsweise teuer die Editionen von 2008 inzwischen gehandelt werden. Hachettes Bd. 107 bzw. Classic XX scheint derzeit nirgends verfügbar. Vielleicht ist die Neuauflage damit gerechtfertigt und mit einem Neupreis von 23.- EUR für die Softcover-Variante sogar ein Schnäppchen. Inhaltlich kann man sowieso nichts falsch machen, da der Williams-Verlag das Giant-Size Heft Avengers #93 leicht kürzen musste und der Bildschriftenverlag nur zwei Hefte des Events herausbrachte.

Sei noch erwähnt, dass im Inhaltsverzeichnis Seitenzahlen angegeben sind, im Comicteil jedoch keine abgedruckt wurden. Etwas unlogisch scheint auch die Wiedereinführung des Prologs aus Marvel Exklusiv 40. Naja, immerhin gibt das sieben Seiten mehr plus die verkleinerten Cover der US-Neuauflage von anno 1983. Von daher, wer noch keine der bisherigen Varianten im Schrank stehen hat: Zugreifen!

Sonntag, 31. März 2019

Immer wieder ein bisschen anders…

Nach jahrelanger Durststrecke besannen sich Panini und Hachette in der jüngsten Vergangenheit der alten Klassiker… und neigen seither leicht zur Übertreibung der Wiederveröffentlichung einzelner Ausgaben innerhalb gebundener Zusammenstellungen in Paperbacks und Hardcover. Meist handelt es sich dabei um die Key Issues, also Schlüssel- oder Erstausgaben, in denen gewisse Marvel-Helden oder Schurken zum ersten Mal das Licht der Comic-Welt erblickten.


Ein gutes Beispiel ist Journey Into Mystery #83 mit dem ersten Abenteuer von Thor alias Dr. Don Blake. Der 13seitige Klassiker wurde anno 1974 in Williams' Thor Nr. 1 nur innerhalb des leicht veränderten US-Reprints aus Thor #158 mit zusätzlicher Rahmenhandlung abgedruckt. Die tatsächliche Erstveröffentlichung erfolgte fünf Jahre später durch den Condor Verlag in Die Rächer Taschenbuch Nr. 1. Im Folgejahr kam dann, ebenfalls von Condor "Die Antwort" auf Thor #158, die Williams schuldig geblieben war. Thor #158 und 159 erschienen Anfang 1980 als Marvel-Comic-Sonderheft Nr. 1.


Im September 1999 erschien JiM #83 erstmals mit dem korrekten Covermotiv. Williams hatte für sein Thor Nr. 1 eine Variante mit deutlich mehr Außerirdischen erwischt und diese erdfarben bzw. hellorange eingefärbt. Panini brachte im Zuge der Marvel-Jubiläums-Packs klassische Einzelheft-Beilagen. Das Cover war auf Deutsch getrimmt und der Inhalt von Reinhard Schweizer übersetzt. Die Farben entsprachen der Kolorierung der frühen Marvel Masterworks, die sich nicht an den Originalheften orientiert. Alle Kapitelüberschriften inklusive Titel wurden ins jeweilige Bild eingepasst. Das Lettering mit dem Namen RAM war damals bei allen Produkten aus dem Hause Marvel Deutschland/Panini einheitlich.


Genau ein Jahr später lieferte Marvel Deutschland die Thorgeschichten aus JiM #83-100 als Marvel Klassik Bd. 10 in Hardcover nach. Diesmal wurden Einzelcover und Titel nicht innerhalb der Panels, sondern als Fußnoten übersetzt. Da die Vorlagen für Marvel Klassik laut Reinhard Schweizer zum Großteil aus Italien stammten, war man offenbar gezwungen, die Sprechblasentexte der Titelbilder neu von Hand zu lettern. Das Ergebnis fiel nicht unbedingt zufriedenstellend aus. JiM #83 jedenfalls, sah mit Ausnahme einiger wieder eingefügten Seitenzahlen und einem Grünstich auf Originalseite 6 nahezu identisch aus, wie die Version von 1999.


Warum sollte man JiM #83 siebzehn Jahre später nicht nachdrucken? Dafür gibt es vermutlich keinerlei Gegenargument. Aber gleich dreimal im selben Jahr in drei unterschiedlichen Editionen? Das ist schon heftig, auch wenn der dritte Thor-Film mit Chris Hemsworth parallel dazu in den Kinos anlief. Zunächst erschien Anfang 2017 der vierte Band von Hachettes Superhelden-Sammlung, auch "Rote Reihe" genannt. Diese Hardcover-Serie schickt als Einstieg meist einen Klassiker voraus, ehe ein modernerer Marvel-Zyklus abgedruckt wird. In der Superhelden-Sammlung Bd. 4 hat man nun Kolorierung und Lettering an Thor (Vol. 2) #80-85 aus dem Jahr 2004 angepasst.

Für klassische Marvel-Fans ist das heftig. Denn wie bei Hachettes "Tales Of Asgard" in der schwarzen Reihe als Classic-Band II erschienen, sind die Zeichnungen von Jack Kirby und Co. aus den frühen 1960er Jahren nicht für eine solche Kolorierung mit Verläufen, Transparenzen und anderen grafischen Effekten gemacht. Die Steinmenschen sind hier entgegen dem Original hellbräunlich steinfarben und das Titelbild wurde nicht übersetzt.


Marvel Klassiker Thor zeigt wieder die 1999 und 2000 eingesetzte Panini-Kolorierung. Die Cover-Texte weichen etwas ab und wurden andersfarbig unterlegt. Ansonsten ist die Kolorierung identisch. Das eingesetzte Maschinenlettering mit der Handschrift von Claudia Sartoretti hat etwas breite Buchstaben und ist deshalb nicht ganz optimal. Verändert wurde auch der Text in Thors Hammer auf der letzten Comic-Seite im letzten Panel, der nun besagt, dass es auf den Folgeseiten mit Thors klassischen Abenteuern weitergeht.

Für die Thor-Anthologie wurde der Text nochmal angepasst. Das Lettering von Walprojekt ist das stimmigste. Dieses wurde bereits bei der Superhelden-Sammlung verwendet. Offenbar hatte man auch bemerkt, dass die Hammer-Inschrift auf Originalseite 5 platzmäßig nicht ganz passte. So fehlt in der roten Edition der Name "Thor". Durch Verkürzung des ursprünglichen Texts konnte man diesen separat wieder einsetzen.

Schade, dass keine der deutschen Versionen nahe am Original ist. Anders ist es bei der US-Marvel Masterworks Softcover-Reihe. Der erste Thor-Band erschien in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 mit einer Kolorierung, die sich an den Originalheften orientiert.


Ich selbst bin mir nicht schlüssig, was ich davon halte. Denn einerseits freue ich mich über jede klassische deutschsprachige Marvel-Veröffentlichung und jede Lücke, die möglicherweise geschlossen wird. Doch der Fokus liegt inzwischen eindeutig in der Mehrfach- und Wiederverwertung. Die sensationellen Zeiten von "Die Spinne - das fehlende Jahr" sind lange vorbei. Panini und Hachette haben die Lücken in der deutschen Marvel-Chronologie zwar kleiner gemacht, eine Vielzahl jedoch nicht geschlossen oder sogar neue hinterlassen. Eine chronologische Aufarbeitung innerhalb einer Spezialedition verkauft sich einfach nicht gut genug. Ansonsten hätte man Projekte wie "Marvel Klassik" oder "Spider-Man komplett" wohl kaum eingestellt.