Dienstag, 5. Februar 2019

Wie alles begann… Monkey Business

Teil 22 - Wenn Ordnung das halbe Leben ist, was ist dann die andere Hälfte?
Ich bin wahrlich kein 9 to 5-Typ und hasse nichts mehr als den Alltag. Dennoch komme ich ohne äußere Struktur nicht klar. Vieles ist sicher meiner familiären Entwicklung geschuldet. Beide Elternteile haben und hatten Phasen, in denen sie sich auf etwas Bestimmtes stürzten und das dann das Non-plus-Ultra ist oder war, bis es durch das nächste abgelöst wird und man vielleicht nie wieder einen Blick darauf wirft. Meine Mutter hörte Vinyl-Single Schallplatten tage- und wochenlang in Dauerschleife, mein Vater interessierte sich plötzlich für den Bau von Stereo-Boxen und stellte sein Arbeitszimmer mit Lautsprechern, Kabeln und was sonst noch dazugehört, voll. Das sind nur zwei Beispiele von vielen.

Zudem ist mein Dad ein Theoretiker. Wenn ihn ein Thema interessiert, liest er alles, was er dazu in die Finger bekommen kann und wird zum Experten, der jede Frage beantworten kann. Schwieriger wird es in der Praxis. Einen Nagel gerade in die Wand schlagen ist nicht so sein Ding. Um nicht zu sagen, er hat zwei linke Hände. Meine Eltern teilen sich eine Gemeinsamkeit, sie sind Papier-Messies. Über Dads Stapel von Ehapas "Hobby"-Magazin regte sich meine Mom schon in den 1970er Jahren auf. Auch über seine Zack-Hefte, aber die lassen wir mal außen vor.

Es wurde mir also vorgelebt, Sachen anzufangen und nicht zum Ende zu kommen. Meine mittlere Schwester kann das auch gut. Der Apfel fällt eben nicht weit. Dazu die Sache mit dem Papier. Im Café meiner Mutter stapeln sich täglich Zeitungen, Briefe und anderes Zeug direkt hinter der Theke, für jeden Gast gut einsehbar. Mein Vater hält sich nicht an die Regelung, dass man alles Schriftliche zehn Jahre aufbewahren muss. Bei ihm sind es eher 30-50 Jahre.

Kennt Ihr das, wenn man selbst Eigenschaften hat, die man bei anderen Leuten nicht ertragen kann? Opa wollte kürzlich sein Auto in den Ruhestand versetzen. Er hat einen Schrank voller gesammelter Unterlagen. Ich bin mir sicher, da sind noch welche von vor dem 2. Weltkrieg dabei. Natürlich hat er den Fahrzeugbrief in dem Wust nicht gefunden. Darüber kann sich mein Dad herrlich aufregen.

Ich kriege die Krise, wenn ich als Gast ins Café meiner Mutter komme und fange erstmal an aufzuräumen und zu spülen. Meine Frau wünscht sich, dass das zuhause auch so wäre. Lange Rede, kurzer Sinn. Worauf ich hinauswill, sind angefangene Projekte, die ich nie fertiggestellt habe. Das liegt oft an der Zeitintensität, manchmal auch an einer Limitierung aus Mangel an leistungsstarkem Equipment.


Die Daten meiner alten Rechner seit 1999 habe ich zum Großteil auf drei Festplatten gesichert. Manches ist leider unwiederbringlich durch zwei Festplattencrashs verloren gegangen. Beim Durchforsten entdecke ich immer Sachen, die ich machen wollte, aber unvollendet blieben. Mit der Erstellung einzelner Artikel oder Kapitel komme ich hingegen bestens klar. Schon in der Schule war ich einer der Besten auf der Kurzstrecke mit 50-100m. Bei großen Projekten hingegen habe ich Probleme durchzuhalten.

Hinzu kommt der innere Papier-Messie, der anscheinend gentechnisch von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wie oft habe ich einzelne Hefte aus der Sammlung gezogen, um Seiten zu digitalisieren und anschließend nicht wieder zurückgelegt? Das kann man nicht zählen. Artikel super, Fehlnummern in der Sammlung, aber dafür einen bunten Stapel, der entweder irgendwann korrekt verräumt wird oder in einer separaten Kiste landet. Letzteres war meist der Fall, was nicht wirklich gut ist.


Zwei Projekte scheiterten am Arbeitsspeicher meines damaligen Rechners. Anno 2006 musste ich meinen Versuch, das fehlende Horror Nr. 7 zu produzieren, abbrechen, weil der Computer bedingt durch die Datenmenge der Farbseiten, in die Grätsche ging. Für die erste Story hat es noch gereicht, danach war Schluss. Dasselbe passierte mir mit "Asterix erobert Rom". Ich hatte den handgeletterten Text aus dem s/w-Abdruck der Comixene in die holländische Farbversion gesetzt und kam ungefähr bis Seite 20, ehe nichts mehr ging. Beides haben andere Comic-Fans viele Jahre später für sich selbst umgesetzt. Vielleicht war ich einfach zu pingelig, was die Optik betraf.


Auch wollte ich Fantastic Four #49 aus der farbigen Hit Comics-Phase entfärben und an die korrekte Stelle zwischen Hit Comics Nr. 8 und 10 setzen. Erschienen war es als Hit Comics - Die Fantastischen Vier Nr. 229. Die qualitativ minderwertige Wiedergabe in den Marvel Essentials machte mir allerdings einen Strich durch die Rechnung. Die Eröffnungsseite ist top, alle nachfolgenden Panelränder sind krakelig. Das passiert, wenn mit zu geringer Auflösung digitalisiert und anschließend gedreht wird. Ähnlich ist es auch im Panini-Nachdruck von Hit Comics Nr. 1. Nur ist es bei den Essentials oft wesentlich schlimmer. Selbst teure US-Nachdrucke wie die gesammelten, neukolorierten Tales Of Asgard haben Defizite in der Darstellung schwarzer Linien und beim handgeletterten Text. Da fehlen Tuschestriche oder Buchstaben sind ausgefranst.


Eigentlich könnte ich ein Kapitel mit dem Titel "Unvollendetes" eröffnen…

Teil 23
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