Sonntag, 10. Februar 2019

Wie alles begann… Ab in den Keller

Teil 28 - zusammen und getrennt
Da die Wohnung meiner damaligen Freundin und jetzigen Ehefrau näher an meiner Arbeitsstätte lag, verbrachte ich die meiste Zeit, auch die langen Mittagspausen, bei ihr. Irgendwann fiel dann der Entschluss, zusammenzuziehen. Meine zweite, eigene Bude war eine kleine Maisonette-Wohnung mit Wohnbereich unten und Schlafbereich oben gewesen. Im Gegensatz zur vorherigen Dreizimmer-Dachgeschoßwohnung war die Aufteilung schwieriger. Mir fehlte das Arbeitszimmer. Mehr als eine Nische mit Schreibtisch und PC neben dem Bett war nicht drin.

Deshalb verteilten sich die Comics über beide Stockwerke und hauptsächlich auf zwei Regalwände, aber auch in Stapeln auf dem Boden. Mir war bewusst, dass ich keinesfalls alles in die neue, gemeinsame Unterkunft mitnehmen können würde. Meine bessere Hälfte verzichtete auf ihre Schuhsammlung, ich auf einen Teil meiner Comics. Unsere beiden Schallplattensammlungen legten wir zusammen. Durch den ähnlich gelagerten Musikgeschmack hatten wir sehr vieles doppelt. Das alles hatte nun keinen Platz mehr.

Ein paar Wochen lang versuchte ich zumindest die Vinyl-Sachen über Ebay loszuwerden. Einiges ging für gutes Geld, das wir in die Wohnungsausstattung steckten, an Käufer aus Russland und Brasilien. Mir war nicht bewusst, was wir teilweise für begehrtes Zeug unter den Platten, Originalkassetten und CDs hatten. Von einer australischen Thrash Metal-Kapelle z.B. besaß ich die zweite Scheibe als LP und CD. Seit 1989 nie wieder nachgepresst, ging das Teil bei Ebay durch die Decke. Keine Riesensumme, aber immerhin knapp dreistellig. Das hatte ich nicht erwartet. Zumal Vinyl zu diesem Zeitpunkt völlig "out" war, der Hype kam erst Jahre später auf.

Einzeln einstellen, verkaufen, verpacken und versenden nahm zu viel Zeit in Anspruch. Auf einem großen Stadtflohmarkt fragten wir deshalb einen Schallplattenhändler, ob er nicht Interesse an einer riesigen Sammlung hätte. Wenn er alles nähme, würden wir Stückpreis 1 EUR machen. Am Abend kam er tatsächlich und wir wurden uns handelseinig. Seine Tageseinnahmen inklusive Wechselgeld in bar blieb bei uns, dafür war sein VW-Bulli aber wieder schön voll.

Wir waren froh, denn einiges hätten wir im Internet ohnehin nicht anbieten können. Zu viele Bootlegs, sprich nichtautorisierte Live-Aufnahmen. Anderes waren seltene und limitierte Sammlereditionen mit Schnickschnack wie Kettchen und ähnlichem. Aber auch eine große Kiste mit Vinyl-Singles aus den 1980er Jahren, viel Neue Deutsche Welle und so. Da der Händler auf Schallplattenbörsen von Deutschland bis runter nach Italien unterwegs war, hatte er für die nächsten Monate, wenn nicht Jahre, ausgesorgt.

Von den Comics behielt ich den Hauptteil der Sammlung und schickte ein paar große Pakete mit Marvel Material bestehend aus Hardcover-Omnibus-Editionen, ausländischen Marvel Heften, haufenweise US-Sekundärliteratur und Fanzines an Gerald "maxithecat" Berse. Bei ihm war es nicht nur besser aufgehoben, ich konnte mir auch vorstellen, dass er es in seiner Behausung unterbringt. Interessant ist, wie viel er von dem internationalen Marvel-Material in seine Datenbank einpflegte. Gerald vertickte die Sachen nach und nach über comicmarktplatz.de.

Manches landete auch im Altpapier, aber nicht so viel wie später beim Umzug in Richtung Norden. Einerseits tut es gut, sich von Dingen zu trennen, andererseits kommen irgendwann die Nachwehen. Aber soweit waren wir noch nicht. Zu unserer neuen Wohnung gehörten eine Garage und ein separater trockener Kellerraum mit Brandschutztür. Letzteren hatte der Vormieter mit Teppichboden ausgelegt, zudem gab es ein Fenster und eine Stromversorgung. Das war das neue Comic-Zimmer und gleichzeitig zweiter Arbeitsplatz mit einem alten, ausgemusterten PC. In der Wohnung selbst reichten ein Laptop, Scanner und Drucker.

Ironischerweise pries unser Vermieter später eine Dreieinhalbzimmer-Wohnung in den örtlichen Kleinanzeigen an. Der Gauner hatte den Kellerraum einfach dazugerechnet. Wir hatten uns noch gefragt, wo denn bitte das halbe Zimmer sein sollte. Einer der Vorteile der neuen Bleibe war auch der riesige, überdachte Balkon über die komplette Breite des Wohnzimmers. Diesen nutzten wir ausgiebig als eine Art zusätzliches Esszimmer, sofern die Außentemperatur es zuließ.

Jahrelang hatte ich mich geweigert, mir die teuren Comic-Short-Boxen zur Aufbewahrung zuzulegen. Mittlerweile kam ich nicht mehr drumherum. Im Nuff-Keller baute ich eine Regalwand, die genau darauf abgestimmt war. Diese bestand aus mehreren Regal-Bausätzen, die ich so miteinander verschraubte, dass sie in sich stabil blieben und schwere Papierlasten aufnehmen konnten, ohne durchzuhängen. Das war nicht im Sinne des Erfinders, aber funktionierte bestens. Die einzelnen Regalböden setzte ich um 90 Grad gedreht ein und benötigte nur zwei Drittel der mitgelieferten Schrauben. Nichts für den Normalgebrauch, aber perfekt für meine Zwecke.

So waren die Comics ausgelagert und ich hatte gleichzeitig einen Rückzugsort, wo ich mich ausschließlich mit dem Machen des Fanzines beschäftigen konnte.

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