Mittwoch, 30. Januar 2019

Wie alles begann… Boom oder Hype?

Teil 14 - Die Rückkehr der Klassiker
Als Vereinskassenwart und einziger Versandmitarbeiter hatte ich zwar immer noch keinen Job, aber tägliche Aufgaben. Die Post AG akzeptierte den Verein als Geschäftskunden, so dass kein Bargeld mehr floss, sondern das Porto direkt vom Vereinskonto eingezogen wurde. Einmal Karte durchgerutscht und fertig. Meinen privaten Ebay Im- und Export hatte ich einstellen müssen. Zur Marvel-Forschung und Erstellung weiterer Artikel für "Das sagte Nuff!" waren Rezensionsexemplare von Marvel Deutschland bzw. Panini, Original US-Hefte, Marvel Masterworks und Hefte aus dem europäischen Druckverbund jedoch unerlässlich.

Die Kontobewegungen dafür wären zu heftig gewesen. Der Verein brauchte einen Ebay-Account, nur so konnte es weitergehen. Und tatsächlich, es funktionierte. Dank Paypal hielten sich Einnahmen und Ausgaben übersichtlich die Waage. Die Abos koppelte ich an die Mitgliedschaft im Verein und an die Mitgliedsbeiträge. Das ist auch der Grund warum die Erstausgabe keinen Preisaufdruck hat. Und eigentlich wollte ich es so belassen. Doch es machte den freien Verkauf schwer, insbesondere für die Comic-Händler.

Während die Nr. 2 in den Startlöchern stand, nahm der Bestand an Nr. 1-Heften gewaltig ab. Irgendwann war klar, dass die 500 Exemplare der Erstauflage nicht mehr lange reichen würden. Gerhard Schlegel hatte das Cover der Nr. 2 mit den Fantastischen Vier bereits koloriert und der Inhalt war dank des einst geplanten FV-Artikels für Martin Jurgeit weitestgehend fertig. Das ist auch der Grund, warum das Kapitel FV ausführlicher ausfällt als die Einführungsartikel von anderen Marvel-Superhelden im Magazin.

Was nicht funktionierte war Lastschrifteinzug. Der Vorgang wäre einfach zu aufwändig und kompliziert gewesen. Zudem wollte ich keine Abos, die automatisch fortlaufen. Der Jahresbeitrag von 2005 war deshalb für die ersten beiden Hefte vorgesehen und musste für die kommenden vier zum Jahreswechsel erneuert werden. So hätte ich aus der Nummer halbwegs schadenfrei aussteigen können, falls es doch in die Hose geht.

Die Einnahmen von Das sagte Nuff! Nr. 1 reichten zur Finanzierung des Drucks der Nr. 2. Auch davon ließ ich zunächst 500 Exemplare produzieren. Dank Panini/Dino hatte ich das neue deutsche MAD im Presseabo. Als Daniel Gramsch für einen Freund zum Geburtstag Nuff #1 bestellte, fragte ich ihn direkt, ob er nicht Lust hätte, ein Nuff-Titelbild zu kolorieren. Immerhin kannte ich seine Arbeiten aus dem MAD-Magazin und wusste, was er draufhatte. Gesagt getan, Daniel färbte das Sub-Mariner Bild von Gene Colan und Bill Everett nach meinen Wünschen ein.

Ich wollte das Monster in Grün wie in den farbigen Hit Comics und Lady Dormas Höschen wie bei Williams in den Zweitstories aus Die Spinne. Wow, sah das fertige Cover geil aus! Absichtlich falsch koloriert wirkte es noch beeindruckender als das US-Original. Von einem 1:1-Nachdruck des ersten Magazins hätte ich maximal noch hundert weitere Exemplare unters Volk bringen können. Mit dem Sub-Mariner Titelbild und der zugehörigen Werbepostkarte waren es einige mehr.

Als ich die Erstauflage vergriffen meldete, explodierten die Preise förmlich. Die eine oder andere Auktion bei Ebay hatte ich unter Beobachtung, selbst jedoch keine Exemplare eingestellt. Da boten sich die Interessenten auf über 60 EUR hoch, obwohl das Teil bei einigen Händlern noch für 7-10 EUR in den Listen stand und dort auch nachweislich vorrätig war. Verrückte Welt!

Irgendwie war Das sagte Nuff! auch ein Rezensionsbeleg. Also blieb es nicht aus, dass ich Steffen Volkmer von Panini ein Belegexemplar der Nr. 1 zuschickte. Der bat mich dann zu einem Termin in die, wie er schrieb "heiligen Hallen" der Verlagszentrale in Stuttgart. Mir schwante Übles…

Teil 15
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Wie alles begann… Die Bombe platzt!

Teil 13 - Nuff ist da!
Die Gründung eines Vereins war kein Problem, denn sieben Gleichgesinnte fanden sich schnell. Ich übernahm die Rolle des Kassenwarts. Das Impressum der Erstausgabe wurde entsprechend angepasst. Mit Releasedate August 2005 hatte ich genügend Vorlauf, um die tatsächlichen Hefte rechtzeitig in Händen zu halten.

Die Geschichte mit der Druckereiauswahl habe ich an anderer Stelle schon mehrfach erzählt. Die ortsansässige Druckerei war nach ewiger Warterei meinerseits auf den Kostenvoranschlag und einem Preis, für den ich hätte das Ganze auch von Mönchen mit Tinte und Feder vervielfältigen lassen können, keine Option mehr. Allerdings kostete mich das zwei Wochen, ehe ich weitere Angebote einholte. Eine katholische Gemeindebriefdruckerei machte ein sehr günstiges Angebot. Letztlich entschied ich mich aber für einen Betrieb im Rheinland.

Was Preis und Qualität anbelangte, war ich sehr zufrieden. Auch wenn das Sonderformat in Williams-Heftgröße Umstände und zusätzliche Kosten bereitete. Es war eben kein Standard Din A4 mit 40 Seiten. Der Druckerei blieb ich über die gesamten fünf Jahre treu. Nur bei der Nr. 8 ging einmalig etwas schief, ließ sich aber durch Auflagenhöhe und Entgegenkommen seitens des Verursachers bewältigen.

Als Zeitfresser offenbarten sich die Proofs im Din A3-Format. Da brauchte die Post ewig für die Zustellung. Aber immerhin konnte ich die Freigabe per Fax rauslassen. Email-Signaturen waren noch nicht gültig. Die späteren Proofs waren digitale PDFs, was eindeutig besser und schneller funktionierte. Die aus heutiger Sicht lächerliche Datenmenge der Druckdateien musste per CD verschickt werden, ISDN und DSL hatten noch nicht die Kapazitäten dafür.

Welch ein Erlebnis war es, als der Paketdienst die Palette anlieferte. Das erste eigene Heft zu fühlen, zu riechen und zu halten. Das war großartig. Mein Vermieter fand es allerdings nicht so toll, dass sich die Kartons an der Seite des Treppenaufgangs auf jeder Stufe stapelten. Aber er musste sich gedulden. Ebenso wie die Vorab-Besteller, die ich auf meiner Liste hatte. Im Netz hatte ich das Magazin bereits angekündigt. Es dauerte aber noch Tage und Wochen ehe die Sparkasse die Unterlagen geprüft hatte und das Vereinskonto freischaltete.

Wichtig waren jetzt Werbemaßnahmen. Ich telefonierte mit Norbert Hethke und nach gewissem Zögern bekam ich eine Seite im nächsten Comic-Preiskatalog zugesprochen. Der Deal war, dass er für die Sprechblase einen fertig layouteten Artikel über die verschollene Horror Nr. 7 bekam. Ich glaube, Hethke gefiel, dass ich Mut bewies, denn der große Verleger gewährte die Anzeige auf mein Nachhaken hin vollfarbig. Zu Werbezwecken verschickte ich bundesweit an die namhaften Comic-Händler einzelne mit "Probeexemplar" gestempelte Hefte. Viele orderten kleine Mengen und akzeptierten Vorkasse. Mahnungen wollte ich keinesfalls verschicken. Der selige Kurt Werth war der einzige, dessen Hefte mangels Zahlung nie rausgingen und eine gefühlte Ewigkeit versandfertig dalagen, ehe ich sie irgendwann wieder auspackte.

Eine bezahlte Anzeige schaltete ich in "Comics & mehr". Rüdiger Schuster und Andreas Küpper erklärten sich bereit, die Hefte auf Comic-Börsen mitzunehmen. Die beiden behaupteten später, sie hätten an manchen Tagen mehr Exemplare von "Das sagte Nuff!" verkauft als von ihren anderen feilgebotenen Comics.

Nicht ganz so einfach ließ sich Frieder Maier von der Sammlerecke überzeugen. Mit einem weiteren Prototyp, diesmal in Farbe, wurde ich frühzeitig vor Drucklegung bei ihm vorstellig und nagelte ihn auf seine Großspurigkeit in einem Interview fest. Ich glaube, es war in der Sprechblase abgedruckt, dass er von jedem in Deutschland erschienenen Comic mindestens ein Exemplar in seinem Laden verfügbar haben wollte. Eher missmutig meinte er "Jaja, dann bringsch halt mal zehn Stück!". Es dauerte nicht lange und er orderte hundert von jeder Folgenummer.


Nuff #1 verkaufte sich wie geschnitten Brot. Es war das Magazin, das ich selbst immer lesen wollte, aber kein Mensch sich die Mühe machte, es zu veröffentlichen. Gut, dass das Vereinskonto getrennt von meinem privaten war. Denn die Jobbörse hätte den Umsatz garantiert gepfändet. Bei einer Lieferung, die ich in Esslingen vorbeibrachte, fragte ein Sammlerecke-Mitarbeiter, ob denn mein Rolls Royce schon draußen stünde. Das Magazin schlug ein wie eine Bombe.

Teil 14
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Dienstag, 29. Januar 2019

Wie alles begann… Recht oder Unrecht?

Teil 12 - Der Rückschlag
Aus der Erinnerung heraus ist es schwierig, die Zeitleiste genau einzuhalten. In den bisherigen Teilen von " Wie alles begann…" sind einige Sprünge drin. Das lässt sich kaum vermeiden, wenn man frei aus dem Bauch heraus schreibt. Ich hätte auch nicht gedacht, dass in so kurzer Zeit solch eine Menge an Text zusammenkommt. Die Hauptsache ist, dass die wichtigen Stationen und Ereignisse drin sind.

Peter Hartz und die möglichen Beobachtungen meiner Kontobewegungen durch das Amt schränkten meine kleinen Geschäfte immens ein. So kam ich beispielsweise auf die Bezeichnung "Bargeld Comic" statt "Marvel Comic" im Signet von "Das sagte Nuff!". In Anlehnung an Jack Kirbys Geburtsnamen war ich im Internet als "jakubkurtzberg" unterwegs, inklusive absichtlich falscher Schreibweise und das seit einigen Jahren.

Auch hatte ich während meiner Zeit an der Schule für Mediengestalter ein Sparbuch aufgelöst. Die Summe bekam meine Mutter zur Eröffnung eines Cafés als Kredit, den sie nach und nach zurückzahlte. Den knapp vierstelligen Betrag hatte ich für den Druck, Versand und kleinere Werbemaßnahmen für die Erstausgabe vorgesehen. Anders wäre das nicht möglich gewesen. Ansonsten hätte ich im Lotto gewinnen müssen oder einen sehr gut bezahlten Job ergattern.

Ich nutzte meine Händlerkontakte und telefonierte u.a. mit Bernd Maier, dem einerseits mein Projekt gefiel, er es aber aufgrund der Urheberrechtsverletzung und eventueller Unterlassungsklagen seitens Marvel USA nicht in sein Verkaufsprogramm aufnehmen wollte. Er schien da bereits Erfahrungen mit den Nutzungsrechten der Schlümpfe gemacht zu haben oder zumindest von solchen Vorgängen zu wissen. So etwas kann einem Kleinunternehmer durchaus das Genick brechen, denn die Anwälte haben nicht nur die besseren Argumente, sondern forden auch ihre großen Rechnungen ein.

Das war ein Rückschlag und eine riesige graue Wolke, die über mir schwebte. Denn ich selbst war wegen der Weitergabe von fünf Folgen der TV-Serie "Akte X" in den 1990er Jahren von einem Polizeikommando besucht worden, das offenbar einen Raubkopierer-Ring ausheben wollte. Alter, ich hatte lediglich eine Tauschanzeige in der Zeitschrift "Moviestar" geschaltet. Leider meldete sich ein sogenannter "Scheinkäufer", der das Material und meine persönlichen Daten weitergab. Der Typ hatte den Binärcode aus einer "Star Trek - The Next Generation"-Folge als Postfachnummer und hatte mich per Brief förmlich dazu gedrängt, ihm etwas zu kopieren. Da dafür Geld floss, ich glaube es war ein Betrag von 50 DM als Pauschale inkl. VHS-Tape und Versand, den er in bar schickte, war ich strafrechtlich verfolgbar.

Das Verfahren wurde selbstverständlich eingestellt. Damals wohnte ich im Erdgeschoß bei meinen Großeltern, die die Polizei ungehindert eintreten ließen. Der Streifenwagen und der schwarze Van sorgten verständlicherweise für Aufsehen bei den Nachbarn, die dachten, ich hätte mit Drogen zu tun. 20th Century Fox und deren Anwälte reichten Zivilklage ein und brummten mir die Verfahrenskosten auf. Eine Unterlassungserklärung und ein beträchtliches Minus auf dem Konto waren die Folge.

Da waren sie nun, fünf Jahre Arbeit für Nichts. Die Rettung kam bei einem Telefonat mit Attila Hercsuth. Mit der Gründung eines Vereins könne man das Copyright quasi "aushebeln", was man z.B. anhand der INCOS-Publicationen gut nachvollziehen kann. Das war die Lösung! Leider hatte ich mit Attila nie wieder Kontakt, aber der Tipp war Gold wert. Ein helles Licht am Horizont, das eine Menge weiterer Möglichkeiten bot. Allerdings bedurfte es dadurch einer intensiven zusätzlichen Phase der Vorbereitung.

Attila hatte sich übrigens in jungen Jahren bei Marvel USA als Zeichner beworben und ist, wenn ich es noch richtig im Kopf habe, auch nach New York zu einem Vorstellungsgespräch beim Verlag geflogen. Munter plauderte er aus dem Nähkästchen und aus den Zeiten seines "X-Fan"-Magazins. Später machte er in Sachen Bodybuilding und wurde zum Event-Veranstalter.

Teil 13
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Wie alles begann… In Farbe und bunt

Teil 11 - Der Prototyp
Das Single-Dasein insbesondere mit eigener Wohnung hat durchaus seine Vorzüge. Muss ich erwähnen, dass ich etwas mit der zehn Jahre jüngeren Bademeisterin hatte? Neben den Comics gab es schließlich auch noch ein reales Leben. Allerdings haben die meisten Frauen wenig Verständnis für ein solches Hobby. Zumal es bei mir vielleicht ein bisschen größer ist als bei anderen Lesern und Sammlern. Nach einer mehrjährigen festen Beziehung und im Anschluss einigen Monaten Abstand zum weiblichen Volk, ging es richtig los. Da waren die WG-Mitbewohnerin eines guten Freundes, die Freundin einer ehemaligen Arbeitskollegin, ein-zwei flüchtige Bekanntschaften aus Internetforen und eine gute Freundin, mit der ich mich gelegentlich traf. Wir hatten Spaß, ich kochte und wir schauten "Ren & Stimpy".

Leider, wie ich heute sagen muss, verliebte ich mich in die Ex eines Kumpels. Trotz einer schönen gemeinsamen Zeit hatte sie keinerlei Verständnis für mein Buch-Projekt. Auch mit der Aussicht auf Arbeitslosigkeit konnte sie nicht um. Sie machte Schluss und brach mir vorübergehend das Herz. Auch deshalb stürzte ich mich noch tiefer in die Comic-Welt. Ohne die ganzen äußeren Umstände wäre vieles bestimmt nicht so passiert, wie es letztlich geschah.

Das Splashcomics-Forum hatte einige Mitglieder vergrault und wegen eventueller Copyright-Verletzungen bei Abbildungen und bei Streitdiskussionen heftigst zensiert. Beiträge waren plötzlich verschwunden, gelöscht oder unkenntlich gemacht. So machte das keinen Spaß. Eine Abspaltung war im Gange. Wie viele andere zog es auch mich zum Comicguide-Forum, was mindestens zwei Begegnungen zur Folge hatte, die das weitere Schicksal von "Das sagte Nuff!" bestimmen sollten.

Wie gesagt, der schwarzweiße Prototyp der Nr. 1 war fertig. Texte und Bildmaterial lagen ja bereits vor. Nur wurden aus Kapiteln wieder einzelne Artikel. Im Forum hatte ich mehrfach Marlies Gerson positiv erwähnt, die Mitte bis Ende der 1970er Jahre für den Williams Verlag die Texte in die Sprechblasen letterte, Titelbilder stimmig "eingedeutschte" und viele der Monatsvorschauseiten zeichnete. Auch Poster und die Cover der Marvel Superbände stammten von ihr.


Wie es der Zufall wollte, stieß Marlies auf meine Beiträge und nahm Kontakt zu mir auf. Wie geil war das denn? In Absprache letterte sie sämtliche Überschriften für mein Magazin neu. Schade, dass ich eine Standardschriftart in kleiner Größe genommen hatte. So war nicht wirklich viel Platz, aber es reichte für einen Austausch. Damit kam noch mehr Williams-Flair ins Heft. Was ich nun noch brauchte, war Farbe fürs Cover. Ich fragte deshalb auf der Künstlerseite des Forums nach und mit Michael Betz und Gerhard Schlegel meldeten sich gleich zwei Kandidaten, die den Hulk kolorieren wollten.

Zum damaligen Zeitpunkt interessierte ich mich wenig für die deutsche Szene und kannte die bisherigen Arbeiten von Gerhard Schlegel nicht. Deshalb wusste ich auch nicht, was für einen Profi ich mir da geangelt hatte. Michael Betz und sein Bruder hatten eine eigene Internetseite, auf der sie ihre Arbeiten präsentierten. Ziemlich cooles, wildes Zeugs. Darunter auch Superhelden, Wolfswesen und anderes. Das tendierte alles ein bisschen in Richtung Fantasy.


Michaels Arbeit war solide und passte hervorragend. Doch Gerhard Schlegel toppte alles. Er hatte nicht nur die Figur, sondern auch den ganzen Hintergrund eingefärbt. Da ich beides nicht auf die Vorderseite bringen konnte, beschloss ich, Gerhards Arbeit für das Backcover zu verwenden. Geplant hatte ich auf diesem Platz ursprünglich eine Vorschau nach dem Vorbild der italienischen Marvel Comics von Editoriale Corno. Jetzt sah die Nr. 1 von "Das sagte Nuff!" perfekt aus. Doch es stand eine Hürde im Weg, die das Projekt fast zum Scheitern gebracht hätte.

Teil 12
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Montag, 28. Januar 2019

Wie alles begann… Die Vision

Teil 10 - Es kommt in Form
Wohl oder übel ging ich stempeln. Natürlich war die 3-Zimmer Mietwohnung zu teuer. Aber die Reform von Peter Hartz ließ mir sechs Monate Zeit, mir eine eventuelle neue Bleibe zu suchen. Ich musste meine Finanzen offenlegen. Gut, dass ich außer einer Lebensversicherung nichts Weiteres hatte. Leider wurde die damals zur Vermögensfeststellung angerechnet, wie auch mein alter VW Golf. Eigentlich pervers, man darf kein Auto haben, soll aber gleichzeitig mobil und flexibel für Vorstellungsgespräche und mögliche Arbeitsplätze sein. Heute ist das etwas anders, aber zum damaligen Zeitpunkt war das so.

Ich löste die Lebensversicherung auf und auf die Frage: "Haben sie eine Sammlung? Gemälde, Kunst?" antwortete ich fast wahrheitsgemäß. Nicht, dass die mir jetzt noch meine schöne Spinne Nr. 1 von Williams wegnehmen. Der Hauptteil der Sammlung war ja nur bunt bedrucktes Altpapier. Das Amt zahlte also die Miete, die Heizkosten und ein Taschengeld, das gerade so zum Überleben reicht. Immerhin war ich GEZ-befreit. Und mit der Arbeitslosenbescheinigung konnte ich vergünstigt ins Schwimmbad, was ich ausgiebig nutzte. Da der Sprit teuer war, wünschte ich mir von meinem Dad eine Generalüberholung meines alten Mountainbikes zum Geburtstag. Ich glaube, so sportlich wie in diesem Jahr war ich nie wieder unterwegs. Denn der Jahrhundertsommer stand vor der Tür.


Jetzt hatte ich so gut wie gar kein Geld mehr. Gut, dass ich nicht rauchte, aber das riss es auch nicht raus. Thilo Sarrazins theoretische Ausgabenrechnung haut bei einem Single nicht hin. Wenn ich Wurst im Kilopack kaufe, verdirbt sie. Ich kann mir die Scheiben nicht auf vier Wochen einteilen. Hatte ich früher beim Einkauf nicht auf die Preise geachtet, so war der Lidl-Prospekt jetzt mein bester Freund. Döner, Fritten oder sonstigen Fast-Food-Kram sah der Hartz 4-Satz nicht vor. Ich begann, selbst zu kochen und Reste portionsweise einzufrieren. Die alte Liebherr-Kühl-/Gefrierkombination hatte ich von meinem Vormieter ausgelöst und die drei Gefrierfächer waren Gold wert.

Was ich nun hatte, war Zeit. Zeit zum Nachdenken, Zeit für sportliche Aktivitäten und Zeit zum Schreiben. Aber auch Zeit für fixe Ideen. Während mich die Sorge um meine Zukunft nachts nicht schlafen ließ, ging mir die Vorstellung der geplanten "Marvel-Bibel" in Heftform durch den Kopf. Die Williams-Redaktions- und Vorschauseiten hatte ich durch die Zerlegung der Sammelbände ebenfalls separat gesammelt. Marlies Gersons Version von "Ne Menge Marvels nächsten Monat, meint Hulk!" ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Insbesondere der Hochglanzabdruck auf der Rückseite von Planet der Affen.

Das musste das Cover werden. Mit rosa Williams-Signet und den Williams-Erstausgaben in den Händen des Hulk. Ich durchsuchte meine Marvel Essentials nach der Splashpage von Gil Kane und wurde fündig. Jetzt brauchte ich noch einen Titel, der hängenblieb und eine Figur fürs Signet. Spider-Man oder andere bekannte Marvel-Helden wären das, was andere genommen hätten. Ich wollte etwas Besonderes. Da fiel mir der Looter ein. Steve Ditko hatte ihn in einem Abschlusspanel vorgestellt und ähnlich gezeichnet wie John Romita sr. den Spider-Man im Kasten der farbigen Hit Comics. Dazu hatte der bsv Stan Lees "Nuff said!", etwa: Genug geplaudert! vollkommen falsch  übersetzt. "Das sagte Nuff!", das war es.


Während meines morgendlichen Schwimmens und Radfahrens feilte ich gedanklich am Inhalt und Aussehen des ersten Nuff-Hefts. Ein erster schwarzweißer Prototyp war relativ schnell fertig. Entgegen aller Meinungen hatte ich mich für die Heftform statt einem Buch entschieden. Und das in Zeiten rückläufiger Auflagenzahlen im Printbereich. Journalisten verloren ihre Jobs, manche Tageszeitungen fusionierten oder wurden ganz eingestellt. Vor allem die Verfügbarkeit aktueller News im Internet stellte die Branche auf den Kopf.

Egal, ich hatte Zeit und außer Bewerbungen schreiben nichts anderes zu tun. Skeptiker wie Jörg, der inzwischen zu einem guten Freund geworden war, auch wenn wir uns nicht wirklich sahen, sondern per Telefon und Email kommunizierten, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen.

Teil 11
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Wie alles begann… Marvels seitenweise

Teil 9 - Keine Solidarität unter Sammlern?
Durch die kopierten Hit Comics und zerlegten Marvel Superbände stellte ich fest, dass es viel einfacher war, die Einzelseiten für benötigte Abbildungen zu scannen. Auch ergab es für mich Sinn, nach den Originalserien zu sammeln. Verrückt wie ich war, stellte ich mir die für mich passende, stets greifbare Sammlung zusammen. Beispiel gefällig? Fantastic Four #1 aus dem Marvel Essential-Band herausgetrennt und mit Bleistift am Rand gekennzeichnet bzw. nummeriert. Die Eröffnungsseite vorne und das Cover nach hinten. Danach ein Backingboard zur Stabilisierung und gegenläufig von der anderen Seite die Comicseiten aus Die Fantastischen Vier Nr. 1 und 2 von Williams. Das gleiche Spiel bei Daredevil bzw. Der Dämon. Und jeweils in einer Comic-Schutzhülle in Short-Boxen aufbewahrt.

Da die FV und DD sich oft die Übergangsseiten teilten, wenn die erste Story auf Heftseite 2 statt 3 begann, brauchte ich natürlich jedes Heft zweimal zum korrekten Zerlegen. Auf die Idee dazu kam ich durch meinen kompletten Silberstürmer. Die anfangs 40seitigen Abenteuer von Norrin Radd teilte Williams meist in drei Fortsetzungen auf. Umständlich, wenn man dazu drei-vier Thor-Hefte vorblättern muss. Die Einzelseiten konnte ich prima zusammenlegen und in einem Rutsch durchlesen. Auch verschlechterte sich dadurch der Zustand nicht, wie es bei der Spinne-Sammlung der Fall gewesen wäre.


Und die Klammern in den Heften hinterließen manchmal winzige Kratzspuren an der Glasoberfläche des Flachbettscanners. Auch ragte nicht immer ein Teil des Hefts heraus und es war möglich zu scannen, ohne dass jede zweite Seite bei der Digitalisierung durch die Drehung auf dem Kopf stand. Zudem kam ich nicht in Versuchung, die Sachen wieder zu verkaufen, denn so waren sie für Otto Normalsammler wertlos. Meinen alten HP-Scanner hatte ich mittlerweile durch einen wesentlich besseren von Epson getauscht, bei dem die Voreinstellungen richtig gut waren. Keine Vorschau mit 150dpi, die ewig dauert und der tatsächliche Scan in gleicher Auflösung dann nochmal so lange braucht.

Der Epson-Twain Treiber ermöglichte eine Unterdrückung des Moiré-Effekts und bei s/w-Scans eine tatsächlich ein- bzw. zweifarbige Darstellung mit wesentlich höherer Auflösung. Deshalb bin ich immer noch Fan davon und verfluche Windows 10, das den alten Treiber nicht anerkennt und ich mir demnächst ein neues Gerät kaufen muss, wenn ich etwas Farbiges einscannen möchte. Nein, ich habe Scanner Nr. 2 schon lange nicht mehr, aber eher aus Platzgründen nach Jahren des Einsatzes ausgetauscht. Natürlich gegen einen anderen von Epson. Ich will keine Werbung machen, aber das ist wie bei Autos. Meinen Audi A3 würde ich auch nicht gegen meinen alten VW Polo oder Ford Fiesta tauschen wollen.

Wie auch immer, mein Bedarf an Marvel Superbänden wuchs. Der Superhelden-Hype der Jahrtausendwende hatte alles teuer gemacht. Viele Sammler waren aber inzwischen auch komplett und tauschten lediglich Hefte in schlechtem Zustand gegen Bessere aus. Oder sie suchten sich neue Sammelgebiete wie Sammelbände und deren Inhaltsvarianten. Da gibt es kein Ende - und was will der Sammler mehr?


So entstand bei Ebay ein Grüppchen von Individuen, die immer wieder auf ähnliche Auktionen boten. Ich erlaube mir mal trotz des Datenschutzgesetzes ein paar Namen anzudeuten: Stefan S., Holger V., Roland K., Robert H., Markus Z. und noch zwei-drei andere. Die vollständigen Namen sind aber ohnehin in der Szene bekannt und entweder im Netz oder in der einschlägigen Sekundärliteratur zu finden.

Wenn man sich ständig gegenseitig hochbietet, muss zwangsweise ein Kontakt und eine andere Strategie oder Absprache stattfinden. Und schwupps, hat man den einen oder anderen Tauschpartner gefunden. Leider läuft es nicht bei allen so glatt und der Wettbewerb schreitet voran. Nichtsdestotrotz erweiterte sich meine Loseblattsammlung ständig und das Ziel "Williams komplett aus Sammelbänden" schien greifbarer als das Buchprojekt. Die Z0-1 Spinne-Hefte wurden jedenfalls nicht mehr angefasst, außer im Notfall. Eine Nr. 1 ohne Umschlag hatte ich von meinem Filmfreund bekommen. Abgesehen vom fehlenden Cover war das Ding toll erhalten. Auch hier hatte ich ein 50 EUR-Gebot abgelehnt. Stattdessen trennte ich die elf Seiten Spidey von den Tales Of Asgard und dem Sub-Mariner und tütete jeden Teil separat mit den dazu passenden Marvel Essential-Seiten ein.

Etwa zur selben Zeit schickte ich nach einem Telefonat mit Panini-Übersetzer Reinhard Schweitzer zehn von mir übersetzte Probeseiten aus einem damals aktuellen Avengers-Heft an seine Adresse. Ich weiß noch, dass er sie gut fand. Auch deshalb, weil ich den Text direkt in die Sprechblasen gesetzt und ausgedruckt hatte. Vermutlich war der Zeitpunkt schlecht, da von der Redaktion keine weitere Rückmeldung kam. Reinhard Schweitzer bestätigte aber, dass er sie an die zuständige Obrigkeit weitergegeben hatte.

Ich fühlte mich langsam wie "Theo gegen den Rest der Welt" und meine Gedanken kreisten weiter…

Teil 10
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Wie alles begann… Kontraste

Teil 8 - Warum eigentlich schwarzweiß?
Hier muss ich zugeben, dass ich nie vorhatte, farbige Abbildungen zu bringen. Inspiriert von den schwarzweißen Thor-Motiven in "Das Große Buch der Comics" von Wolfgang J. Fuchs und Reinhold Reitberger, malte ich mir bildlich im Kopf den Inhalt meiner künftigen "Marvel-Bibel" aus. Die Zeichnungen von Jack Kirby, Gene Colan, John Buscema, John Romita sr., Steve Ditko usw. wirken einfach am besten pur ohne Farbe. Das kommt schon nahe an Originalzeichnungen ran. Deshalb beeindrucken mich die frühen Hit Comics nach wie vor.

Die Marvel Essentials boten oftmals keine wirkliche Alternative. Denn viele Seiten waren nicht optimal eingescannt und wiedergegeben oder stammten von US-Nachdrucken, bei denen Graustufen statt richtigem Schwarzweiß eingesetzt wurden. Auch manche Originaldruckfilmfolien liefen nach unten hin schief. Da hatte wohl der Zahn der Zeit ziemlich genagt. Fasziniert von den niederländischen Hip Comics streckte ich meine Fühler in andere Länder aus. Da gab es z.B. das Marvel Annual von Fleetway aus dem Jahr 1973 und andere, sogar noch frühere UK-Hardcover, in denen die ersten Comics von Hulk, Spider-Man und Konsorten gestochen scharf abgedruckt wurden. Da konnten die Amis mit ihrem minderwertigen Papier und Druck nicht mithalten.


Power Comics, Alan Class, das sah richtig gut aus. Wobei die einen durchscheinendes Papier und die anderen, nennen wir es eine Art schmutzigen "Vintage-Druck" hatten. Beides nicht optimal, aber dennoch ziemlich beeindruckend. Teilweise wurde auch der Text angepasst, wenn die Personen wie z.B. Rick Jones zu sehr dem US-Slang verfielen. Die Briten korrigierten die Schreibweise nach strengem Oxford-Standard. Newton in Australien präsentierte seine Marvel Comics ebenfalls grenzwertig. Richtig gut, aber sauschwer zu bekommen waren die dänischen Marvels von Interpresse. Dort erschienen u.a. das vom bsv ausgelassene Daredevil #58 und das erste Daredevil Annual in wunderschönem Schwarzweiß. Zweiteres leider verteilt über vier Ausgaben als Fortsetzungsgeschichte plus Marvel-Pin Up in der Folgenummer.

Für meine geplanten Buchabbildungen brauchte ich genau solches Material. Ein reines Lesewerk wie "Tales To Astonish - Jack Kirby, Stan Lee And The Revolution Of Comics" von Ronin Ro kam keinesfalls in Frage. Das Buch kann ich zwar Jedem wärmstens empfehlen, aber es enthält leider keinerlei Abbildungen, welche die Story veranschaulichen würden. Ich sammelte und scannte jeden schwarzweißen Marvel-Schnipsel, den ich auftreiben konnte. Besonders mochte ich es, wenn die Figuren bereits freigestellt ohne Hintergrund abgedruckt worden waren, wie in vielen Fanzines.


Während meine Schulzeit sich dem Ende neigte, machte sich ein wenig Frust breit. Einerseits war ein Ende des Buchprojekts nicht abzusehen, andererseits konnte ich jobmäßig nirgends Fuß fassen. Zwar erklomm ich stets erste Hürden und wurde zu Vorstellungsgesprächen und Probearbeitstagen eingeladen, hatte aber das Nachsehen, wenn es um die geforderte Berufserfahrung im Grafik-Bereich ging. Der Verleger eines Motorrad-Magazins zog statt mir eine Dame mit zehn Jahren Grafik-Erfahrung vor, ein Apotheken-Schaufenster Deko-Betrieb nahm lieber jemand überqualifizierten, der in Berlin Design studiert hatte und eine Agentur, die Kataloge für die Rollladen-Branche erstellte, fand offenbar auch einen besser passenden Mitbewerber.

Wie oft kam ich unter die letzten zwei-drei Bewerber und wurde jedes Mal ausgestochen. Das Heavy-Magazin nahm mich als Nr. 2 von drei in der Endrunde als freien Mitarbeiter, während die ausgeschriebene Festanstellung anderweitig vergeben wurde. Und dank zeitlicher Verfügbarkeit durfte ich kurzfristig bei einer Agentur einen Brillenkatalog setzen, weil eine Grafikerin aus gesundheitlichen Gründen ausfiel.

Zehn Jahre lang hatte man Mediengestalter ausgebildet, weil überall Grafiker fehlten. Ausgerechnet als ich mit der Ausbildung fertig war, stürzte die Branche in ein Tief. Werbeetats wurden gekürzt und unsere Nachfolgeklasse bestand nur noch aus sechs Leuten. Schöne Aussichten! Eine freie Tätigkeit kam für mich nicht in Frage. Auch meine Klassenkameraden setzten nicht unbedingt den eingeschlagenen Weg fort. Der Eine machte in Musik, eine Andere arbeitete anschließend im Reisebüro und einer übernahm den Copy-Shop seiner Mutter. Bei den anderen weiß ich es nicht mehr. Aber nur ganz wenige blieben im grafischen Bereich. Zwei gründeten eine Firma und verlagerten sich auf das Erstellen und Programmieren von Internetseiten und meine Nebensitzerin gestaltete in Selbstständigkeit Webseiten und Flyer für kleinere, lokale Unternehmen. Alles nicht das Gelbe vom Ei.

Mit dem Abschlusszeugnis in der Tasche begann ich zu sinnieren…

Teil 9
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