Samstag, 13. Juni 2026

DER TEUFEL IN BLAU

Im Juni 1969 erschien eine Sonderausgabe (Vanredna Sveska) der Comic-Reihe "Biblioteka Lale" des in Serbien ansässigen Verlags Dečje novine (Zeitung für Kinder). Die Nummer 213/II präsentierte erstmals ein Abenteuer von Daredevil alias Neustrašivi, der Furchtlose. Allerdings stand auf dem Cover nur Ka-Zar und der Titel "Sam protiv šestorice", was so viel bedeutet wie "Allein gegen sechs".

Daredevils Kostüm war im Gegensatz zu den USA nicht rot, sondern lila und blau eingefärbt. Nur das Brust-Emblem mit DD erschien in Rot. Und auch die restlichen Farben wichen deutlich vom Original ab. Es sei nur der gelbe Hintergrund mit roten Blitzen erwähnt.


Drei Monate später kehrte DD als Nebojša (Keine Angst) innerhalb der regulären Nummerierung mit Ausgabe 226 zurück. Der Kampf gegen Stilt-Man setzte um eine US-Ausgabe versetzt etwa dort an, wo das Abenteuer mit DD und Ka-Zar aufgehört hatte. Im Innern des Hefts sah man den blinden Helden mit wenigen Ausnahmen in einem hellblauen bzw. blauen Kostüm. Die fehlende Nummer mit dem Leap-Frog war bereits von Januar bis März 1968 in der Reihe "Panorama" vom Verlag Forum, ansässig im serbischen Novi Sad, in den Ausgaben 116-125 mit je zwei farbigen Seiten gelaufen. Bereits hier erschien Blau als Hauptfarbe von DDs Dress.

Das Hellblau setzte sich in den folgenden Ausgaben von "Lale Strip", wie der Serientitel nun lautete, fort. Manchmal gab es dazu grüne Handschuhe und Stiefel, mal ein rotes oder grünes, jedoch meistens ein gelbes Brust-Emblem und nur selten farbliche Totalausfälle wie etwa in der zweiten Hälfte von Lale Strip 253.


Dečje novine präsentierte insgesamt vierzehn Daredevil-Hefte in dieser eigenen oder vielmehr eigenwilligen Kolorierung. Interessant hierbei ist, dass die Hauptfarbe des Kostüms im August 1977 in der Reihe "EKS Almanah" desselben Verlags wieder aufgegriffen wurden. Dort erschien Daredevil #36 in EKS Almanah 79.

US-Daredevil #26-35 liefen chronologisch in "Lale Strip" zwischen 226 und 259. Mit großem Abstand erschienen DD #38 als Lale Strip 347 (August 1971), DD #40 als Lale Strip 349 und schließlich das 1968 ausgelassene DD #25 als Lale Strip 439.

Eventuell hatte Dečje novine vorher nicht die Lizenzrechte für DD #25, welches zuvor in Panorama vom Verlag Forum veröffentlicht worden war, oder es fehlten die Druckvorlagen. Zeitlich vor allen bisher genannten Comic-Serien gab es noch "Zenit", ebenfalls verlegt von Dečje novine. Dort liefen DD #18 bis 23 (und DD #9) in schwarzweißen Fortsetzungen mit farbigen Titelbildern. DD trug ein eher violett-rot gehaltenes Kostüm mit farblich abweichender Maske, Stiefel und Handschuhen. Daredevils Name lautete auch hier "Nebojša". 


Anno 1973 erschien ein Album, das Daredevil #16-17 auf 26 Seiten zusammenfasste unter dem Titel Dečje Novine Vanredni broj 1 "Maskirani Osvetnik" (Der Maskierte Rächer). Dadurch konnte der geneigte Leser und Sammler DD #16-36 am Stück, jedoch quer durch alle Formate und Serien lesen. Spider-Mans Kostüm färbte Dečje novine bei beiden seiner Auftritte (DD Album und in Lale Strip 228) hauptsächlich orange ein.

Daredevil-Chronologie

(nur aufeinanderfolgende Nummern nach US-Format)

DD #16-17 Dečje Novine Vanredni broj 1 (DD Album Sonderausgabe)

DD #18-23 Zenit 77-87, 123-128, 135-136, 138-139, 142-143

DD #24 Lale Vanredna Sveska 213/II

DD #25 Panorama 116-125, Lale Strip 439

DD #26-35 Lale Strip 226, 228, 231, 235, 238, 241, 244, 249, 253, 259

DD #26 EKS Almanah specijal HIT stripovi 75/I (Nachdruck von Lale Strip 226 in s/w)

DD #36 EKS Almanah 79


Unbestätigt ist, dass DD #16-17 zuvor in Panorama (Nummernbereich 172-184) gelaufen sein sollen.

US-DD #1-3 waren in EKS Almanah 371, 377 und 375 enthalten, alle anderen Abenteuer des blinden Superhelden in dieser Anthologie-Reihe stammten aus einem deutlich höheren Nummernbereich. Die Cover von EKS Almanah stimmten oftmals nicht mit dem Inhalt überein. Für das Titelbild von EKS Almanah specijal HIT stripovi 75/I wurde die Eröffnungsseite von Daredevil #26 verwendet. Im Inhalt befinden sich zwei Nummern der Avengers und ein Nachdruck von DD #26 aus Lale Strip 226. Der betreffende Eintrag bei comics.org ist falsch.


Die Geschichte der Marvel Comics in Ex-Jugoslawien ist eine ganz besondere, verbunden mit Papierknappheit, gesetzlichen Bestimmungen und Krieg. Manche Hefte tauchen kaum oder so gut wie nie auf. Und internationale Sammler treiben Preise einzelner Comics wie z.B. EKS Almanah 260 mit dem ersten Auftritt des Punisher (Amazing Spider-Man #129) gewaltig in die Höhe.


Mir persönlich hat es der babyblaue Daredevil angetan und mich zum Fan gemacht. Die Farbgebung, insbesondere von Captain America in den jugoslawischen Rächer-Comics, könnte auch ein erhobener Mittelfinger gegenüber der Weltmacht USA gewesen sein, munkelt man. Jedenfalls ist und bleibt das Sammelgebiet spannend.

Auch wenn die Hefte in ihrer Heimat oft günstig sind, Versand, Zoll und Überweisungen oder Geldsendungen (beispielsweise über Western Union) von und nach Serbien als Nicht-EU-Land mit eigener Währung und Sprachbarrieren bilden erhebliche Hürden, die es zu überwinden gilt. Angebote auf ebay machen es einfacher, aber meist auch deutlich teurer. Kroatien bildet eine EU-Alternative mit Euro als Währung, doch tauchen dort Lale Strip, Zenit und Panorama nur sehr selten auf. Zustandssammlern würde ich von alten Comics aus Ex-Jugoslawien eher abraten. Einigen sieht man den Kosovo-Krieg immer noch an.


Mittwoch, 20. Mai 2026

Marvel Origins Bd. 74 - DAREDEVIL 7


Endlich: Daredevil Annual #1 als deutsche Erstveröffentlichung in Hachettes Marvel Origins Bd. 74. Die DD-Story fehlte bei Williams zwischen FV Nr. 87 und 88 bzw. beim bsv zwischen Hit Comics Nr. 42 und 50. Es dauerte 49 Jahre bis diese Lücke jetzt endlich geschlossen wurde.



Nach "Die Offizielle Marvel-Comic-Sammlung" und "Die Superhelden-Sammlung" (inklusive der Sonderbände "Die Superschurken-Sammlung") ist Hachettes dritte Marvel-Serie "Marvel Origins" das Non-Plus-Ultra für den Fan klassischer Marvel Comics. Endlich kommen wir in Teilbereiche, die es bislang noch nicht auf Deutsch gab.

Bekanntlich gab es die Marvel-Jahresausgaben, in den USA "Annuals" genannt, nicht in den Superhelden-Reihen des Williams-Verlags. Und auch Condor brachte die Annuals nur sporadisch, so dass letztlich immer noch Lücken in der Chronologie blieben.

Mit dem ersten Daredevil-Annual schließt Hachette eine weitere dieser Lücken. Erstmals als Komplettveröffentlichung, bestehend aus der extralangen Hauptstory, einem kurzen nächtlichen Treffen von Stan Lee und Gene Colan und diversen PinUps der aus den DD-Comics bekannten Akteure.

Drumherum kann man Kobra und Mr. Hyde wieder erleben, Mike Murdock und den Superschurken Beetle bzw. Käfer. Und natürlich den bislang in Deutschland unveröffentlichten Kampf Daredevils gegen die Emissaries Of Evil. Geniale Zeichnungen von Gene Colan, getuscht von John Tartaglione und garniert mit Dialogen von Altmeister Stan Lee.

Was will man mehr?


Marvel Origins Bd. 74 enthält: Daredevil #31-33 und Daredevil Annual #1

Marvel Origins Bd. 73 - FANTASTIC FOUR 15


Endlich: Fantastic Four Annual #5 als deutsche Erstveröffentlichung in Hachettes Marvel Origins Bd. 73. Die FV-Story fehlte bei Williams zwischen FV Nr. 63 und 64 bzw. beim bsv zwischen Hit Comics Nr. 61 und 65. Es dauerte knapp 50 Jahre bis diese Lücke jetzt endlich geschlossen wurde.



Nach "Die Offizielle Marvel-Comic-Sammlung" und "Die Superhelden-Sammlung" (inklusive der Sonderbände "Die Superschurken-Sammlung") ist Hachettes dritte Marvel-Serie "Marvel Origins" das Non-Plus-Ultra für den Fan klassischer Marvel Comics. Und endlich kommen wir in Teilbereiche, die es bislang noch nicht auf Deutsch gab.

Bekanntlich gab es die Marvel-Jahresausgaben, in den USA "Annuals" genannt, nicht in den Superhelden-Reihen des Williams-Verlags. Und auch Condor brachte die Annuals nur sporadisch, so dass letztlich immer noch Lücken in der Chronologie blieben.

Mit dem fünften Annual der Fantastischen Vier schließt Hachette eine dieser Lücken. Erstmals als Komplettveröffentlichung, bestehend aus Hauptstory, einer kurzen satirischen Episode aus der damaligen US-Redaktion, diversen PinUps und der Zusatzstory mit dem Silver Surfer (bereits von Panini u.a. in Marvel Klassik veröffentlicht).

Drumherum kann man die Geburt von "Him" alias Adam Warlock wieder erleben, Ronan den Ankläger vom Volk der Kree treffen und natürlich die FV und Alicia Masters. Alles perfekt in Szene gesetzt von Jack Kirby und Joe Sinnott.

Was will man mehr?


Marvel Origins Bd. 73 enthält: Fantastic Four #65-67 und Fantastic Four Annual #5

Samstag, 5. Juli 2025

Marvel Origins - Thor 1-3

 Journey Into Mystery #83 bis 105

Zugegeben, Thors Abenteuer sind nicht die leichteste Kost für lesefreudige Jugendliche. Auch bei mir dauerte es eine ganze Zeit, bis ich mich reif genug fühlte, dem Gott des Donners regelmäßig zu folgen. Meine erste Begegnung war "Je stärker ich bin, desto schneller sterbe ich!" in Williams Thor Nr. 32 (Journey Into Mystery #114). Crusher Creel, der Absorber hatte mich damals schwer beeindruckt. Ich glaube, das Heft war Teil eines Marvel-Superband Superhelden-Sammelbands. Dennoch zählte Thor lange nicht zu meinen Lieblings-Marvelcharakteren.

Das hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Vor allem die etwas späteren Stories auf den hinteren Seiten von Williams Die Spinne hatten es mir als junger Erwachsener angetan. Zwar liegen mittlerweile bereits acht Thor-Bände von Hachettes Marvel Origin-Serie vor, mit dem Lesen hänge ich aber hinterher und habe mir jüngst die ersten drei Bände vorgenommen.

Thor 1 startet mit dem Erstauftritt des Donnergotts aus Journey Into Mystery #83. Dessen deutsche Erstveröffentlichung erschien übrigens nicht bei Williams, sondern bei Condor im ersten Die Rächer-Taschenbuch. Williams Thor Nr. 1 entspricht Thor #158, in dessen Haupthandlung die 13 Seiten aus JiM #83 eingebaut wurden.

Mit dem Abzug von Jack Kirby und Stan Lee, die sich ab Journey Into Mystery #90 um andere Marvel-Titel kümmern, fällt das Niveau sowohl zeichnerisch als auch storytechnisch extrem ab. Larry Lieber, Al Hartley, Joe Sinnott, Robert Bernstein und Don Heck gelingt es nicht wirklich, die Spannung aufrecht zu erhalten. Selbst die Einführung von Kobra und Mr. Hyde reißen nicht vom Hocker. Zwar beginnen mit JiM #97 die fünfseitigen Tales Of Asgard als Zusatzgeschichten, doch Hachette übernimmt die Kolorierung der Marvel Masterworks Erstauflage für den kompletten Marvel Origins Bd. Thor 2. Diese kennen wir bereits aus der Marvel Klassik-Serie von Panini. Teilweise ist diese so unpassend und für die Zeit der Veröffentlichung modern, dass Sachen wie ein schlumpfblauer Silver Surfer und etliche andere Farbverbrechen mit vielen Verläufen in Marvel Klassik vorkommen.

Dadurch sehen nicht nur die Seiten der Tales Of Asgard sehr poppig aus. Aber immerhin melden sich Lee und Kirby zurück. Und wer sich, wie ich durch Thor Bd. 2 gequält und Stories wie JiM #85 mit den Demon Duplicators ertragen hat, wird in Bd. 3 mit der Rückkehr von Zarrko, dem Mann von Morgen, belohnt. Zwar dauert es noch 2-3 US-Ausgaben, bis Lee, Kirby und Inker Chic Stone zu voller Blüte auflaufen. Doch spätestens mit JiM #104 ist das Aussehen von Loki, Balder, Heimdall und Odin definiert. Und auch Kobra und Mr. Hyde sehen in Kirby-Manier bestens aus. Vielleicht sogar noch böser und hässlicher.

Fazit: Thor beginnt stark, lässt nach etwa sechs US-Heften stark nach und fängt sich mit dem 19. Heft durch die Rückkehr von Stan Lee und Jack Kirby sowie Handlungssträngen über mehrere Ausgaben plus die Tales Of Asgard. Schon wenige Abenteuer später hat die Serie ein hohes Niveau erreicht, das Lust auf mehr macht. D.h. Marvel Origins Thor 2 ist zwar schwächer als die beiden anderen Hardcover, bleibt aber dennoch essentiell. Thor 1-3 sind als Marvel Origins Bd. 3, 8 und 14 erschienen.


Donnerstag, 26. Juni 2025

Der weiße Schwarze Panther


Immer wieder kommt es vor, dass Comics oder deren Titelbilder falsch koloriert werden. Ein besonderes Kuriosum dieser Art ist "der weiße Schwarze Panther" aus Mexiko. Für das Cover von Los Cuatro Fantasticos No. 50 aus dem Jahr 1981 wurde eine frühere Version als die im Juli 1966 in den USA verwendete benutzt. Diese zeigt die Maske des Panthers offen, wie bei Captain America oder Daredevil.

Black Panther hatte seinen Erstauftritt in Fantastic Four #52. Das Covermotiv wurde vor Erscheinen zweimal geändert. Vermutlich, um es spannender zu machen, änderten die Verantwortlichen die offene Maske des Panthers in eine geschlossene. Dadurch war nicht erkenntlich, dass der Mensch im Panther-Kostüm eine dunkle Hautfarbe hat. Immer wieder schickte Marvel USA für die Ausgaben im Ausland ältere Coverversionen an die Lizenzverlage. Darunter auch die für den deutschen Williams Verlag.


Die Fantastischen Vier Nr. 48 zeigt die Fassung mit der offenen Maske. Beim Bildschriftenverlag in Hit Comics Nr. 14 von 1967 war es noch die US-Variante. Wie auch bei den Landesversionen in Holland, Schweden und Dänemark, die zusammen mit der deutschen Erstveröffentlichung im Verbund gedruckt wurden. Kurioserweise erschien nahezu parallel die mexikanische Variante des Verlags La Prensa bereits mit der offenen Maske.


Wie dem auch sei, jedenfalls kam das Motiv im Jahr 1981 wieder zum Vorschein. Die Koloristen hatten eventuell keine Vorgabe, oder sich den Inhalt nicht angeschaut. Denn der sichtbare Teil des Gesichts des Black Panthers wurde "bleich" eingefärbt. Dies macht Los Cuatro Fantasticos No. 50 zu einem weltweiten, in der Sammlerszene nicht mehr ganz billigen, Unikat.


Dienstag, 17. Juni 2025

MARVEL ORIGINS - Captain America 1-3


"Cap" ist eine heikle Figur, US-Patriot, Nazi-Verfolger und anti-deutsch. Als Mitglied der Avengers auch hierzulande gerne gesehen, als Kämpfer gegen böse Deutsche wie Baron Zemo oder Red Skull eher nicht. Klar, unsere Bevölkerung hat die Vergangenheit hinter sich gelassen, doch Stan Lee und Jack Kirby ritten noch lange in Tales Of Suspense, wo Captain Americas Abenteuer nach dem Relaunch ab der zweiten Hälfte der 1960er Jahre liefen, darauf herum. Teilweise wurden alte Abenteuer aus dem Zweiten Weltkrieg reflektiert, doch der Hauptteil spielt tatsächlich in der damaligen Gegenwart.

Kein Wunder, dass Verlage wie Williams, der Bildschriftenverlag und selbst Panini/Marvel Deutschland nur selten oder fast schon zufällig einzelne klassische Geschichten sporadisch veröffentlichten. Erst Condor widmete Cap von 1988 bis 1996 eine sechsundzwanzigbändige Taschenbuch-Reihe. Die Stories stammten allerdings aus seinerzeit relativ aktuellen Nummern ab Captain America #305.

Mit Marvel Origins 25, 37 und 48 von Hachette liegen nun erstmals Caps Abenteuer aus Tales To Astonish # 59-88 komplett vor. Bereits mit Bd. 37 (Captain America 2) schloss sich der Kreis zur ersten in Deutschland veröffentlichten Geschichte in Hit Comics 14, 16 und 18 von 1967. Mit Bd. 48 sind erstmals auch Abenteuer nach "Batrocs Blitzkrieg" (ToS #85) aus dem 1976 bei Williams erschienenen Kung Fu Taschenbuch Nr. 3 erhältlich.

Inhaltlich mögen die Frühwerke vielleicht banal sein. Doch sie zeigen die Geschichte Captain Americas in den 1960er Jahren in den US-Marvel Comics und sind damit ein Stück Zeitgeschichte, geprägt vom damaligen Zeitgeist und Verständnis von Stan Lee und Jack Kirby sowie der amerikanischen Bevölkerung. Und damit ein Muss für alle Fans des "Marvel Age of Comics" der 1960er und frühen 1970er Jahre.

Leider kommt auch Hachette bei NS-Symbolen nicht um Retuschen herum. Denn diese dürfen nur im geschichtshistorischen oder satirischen Kontext dargestellt werden. Im Falle von Captain America ist es aber fiktional und trifft auf die beiden anderen Möglichkeiten nicht zu. Deshalb sieht man in Marvel Origins 25 einen Haufen "Fensterchen" und in den beiden anderen Bänden "leere" Armbinden. Das mag zwar schade sein, weil es die Originale verfälscht, der Inhalt bleibt jedoch derselbe.

Ich empfinde ToS #59-88 als kurzweiliges Lesevergnügen und freue mich darüber, dass Caps Abenteuer nach fast sechzig Jahren nach ihrem Start beim Bildschriftenverlag endlich inhaltlich lückenlos in deutscher Sprache vorliegen. Möge Cap seine nationalsozialistisch geprägten Gegner alle besiegen!


Zu den Veröffentlichungen vor Marvel Origins geht es hier:

https://dassagtenuff.blogspot.com/2019/04/die-captain-america-anthologie.html



Samstag, 7. Juni 2025

FANTASTIC FOUR - Marvels Superheldenfamilie

Die Fantastic Four-Anthologie


Ich mag Paninis schwarze Anthologie-Reihe sehr. Denn dort erscheinen immer wieder Highlights, die anderswo nie oder nur selten abgedruckt wurden. Im Fall der Fantastic Four-Anthologie ist mein Favorit ganz klar die klassische Story aus Fantastic Four Annual #6 von 1961, die es auf Deutsch bislang nur im unhandlichen und teuren Schwerstformat in der "Stan Lee Treasury Edition" von 2018 gab. Da der Band beim Verlag zudem ultraschnell vergriffen war, schnellten die Preise in schiere Höhen. Die Ereignisse spielen zwischen Fantastic Four #80 und #81 (bei Williams Die Fantastischen Vier Nr. 76 und 77 oder Hit Comics Nr. 93 und 97 des Bildschriftenverlags).

Für Einsteiger gibt es - zum mindestens siebten Mal - FF# 1 in der dt. Übersetzung aus Marvel Klassik von 1998. Mit bsv, Williams, Condor und Hachette liegt die Origin damit knapp ein Dutzend Mal in deutscher Sprache vor. Es folgt die Herkunft des Dr. Doom aus Fantastic Four Annual #2 und "Die Schlacht der Giganten" aus Fantastic Four #112 mit dem Hulk im Kampf gegen Das Ding, wunderbar in Szene gesetzt von John Buscema. Zum ersten Mal bei Panini in einer Neuübersetzung, zuvor erhältlich als Hit Comics – Die Fantastischen Vier Nr. 237 und bei Williams als Die Fantastischen Vier Nr. 108.

Mit Fantastic Four #200, 232, 245 und 262 taucht die Anthologie in die Phase von Keith Pollard und John Byrne ein, mit der ich nicht allzu viel anfangen kann. Trotz Innovationen ist das einfach nicht meins. Dennoch ist zumindest FF #200 eine dt. Erstveröffentlichung und FF #262 gab es bei Condor nur im Taschenbuchformat. Die beiden anderen Geschichten brachte Panini in der Vergangenheit in den Marvel Exklusiv-Bänden.

Es neuzeitlicher Bonus folgen das erste Heroes Reborn - Fantastic Four von 1992 sowie Fantastic Four #60 von 2002, das Wedding Special von 2006 und zu guter Letzt Fantastic Four #587 aus dem Jahr 2011.

Insgesamt ist die Fantastic Four-Anthologie wieder eine Runde Sache und ihren Preis von 35 EUR allemal wert. Ein bisschen schade ist, dass die Cover nur im Kleinformat abgedruckt werden, aber das ist bei den anderen Panini-Anthologien auch so. Dafür gibt es ein paar Liner Notes zum Einstieg in jedes der abgedruckten Abenteuer. Damit kann ich gut leben und freue mich über den schönen Zeitvertreib mit dem Vierer Team. Kaufempfehlung? Auf alle Fälle!