Sonntag, 14. Juni 2020

Auf der Suche nach dem HULK

Die Hulk-Newspaper Strips sind meiner Meinung nach immer noch eine der am schwersten zugänglichen Marvel-Materialien. Während Spideys Zeitungseinsätze gut dokumentiert und inzwischen auch auf Deutsch zu großen Teilen in adäquater Form vorliegen, ist an den Grünen Riesen nur mit großer Anstrengung ranzukommen.

Insbesondere die Dailies, also die täglichen schwarzweißen Zeitungsstrips bereiten bei der Beschaffung Probleme. In den US-Taschenbüchern sind diese ummontiert, gekürzt, beschnitten und retuschiert. Manche erschienen gar nicht oder wurden zu Teilen ausgelassen, wenn die Verantwortlichen beim Verlag Tempo Books es nicht für storytechnisch relevant hielten. Auch die chronologische Reihenfolge wurde nicht immer eingehalten.


Am besten sortiert sind die Abdrucke, die in Italien gesammelt bei der Max Bunker Press in den hauseigenen Magazinen "Bhang" und "Eureka" erschienen. Zwar wurden immer wieder Sprechblasen vergrößert, um den Redeschwall der Italiener unterzubringen, aber bis auf eine Auslassung erschienen alle Dailies und Sundays von 30. Oktober 1978 bis 14. April 1980 in schwarzweiß. Da fallen die US-Nachdrucke deutlich lückenhafter aus.

Leider schwankt auch die Druckqualität immer wieder, so dass manche Linien ziemlich abgerissen oder kaum noch vorhanden scheinen. Da wiederum zeigen die Taschenbücher meist mehr, sofern die entsprechenden Strips und Panels vorhanden sind.


Bei meinen Recherchen entdeckte ich nun kürzlich die portugiesische Zeitungsbeilage "Quadradinhos". Der dritte Anlauf der Reihe startete mit dem Hulk auf dem Titelbild und brachte die ersten fünf Geschichten des Grünen Goliaths in den ersten 56 Ausgaben. Ganze vier Mal schaffte es der Hulk auf die erste Seite bzw. das Cover (Quadradinhos Nr. 1, 15, 17, und 23) und ein weiteres Mal innerhalb einer Zusammenstellung von Panels auf Heft Nr. 33.



Die Anzahl der Strips ist von Beilage zu Beilage unterschiedlich. Genauso ob ein- oder zweifarbig. Quadradinhos dritte Serie lief offiziell als "Serie II" vom 24. Mai 1980 bis 27. November 1982 mit insgesamt 127 Ausgaben. Neben Hulk liefen darin hauptsächlich klassische und historische Zeitungsstrips wie Ivanhoe, Tom Sawyer, Micky Maus, Dick Tracy, The Katzenjammer Kids, Flash Gordon und Popeye. Aber auch frankobelgisches Material wie Lucky Luke oder Jonathan Cartland.

Interessant ist die Beilagenserie des Zeitungsverlags "A Capital" auf alle Fälle. Nicht nur wegen der Hulk-Strips (ohne Sundays).


US-Chaos


Was war Ende September 1979 bloß los auf den Virgin Islands? War die Tageszeitung "The Virgin Islands Daily News" Anfang des Monats noch um drei Hulk-Dailies hinterher, begann knapp eine Woche später das Chaos… Am 7. September 1979 wurde der Tagesstrip vom 15. November 1978, also des Vorjahres, mitten in der laufenden Story abgedruckt.  Zwar ging es im Anschluss wieder chronologisch weiter, aber der Strip vom 21. September 1979 wurde einmal mit Datum am 27.9.1979 und zweimal ohne Datum, am 29.9. und 2.10.1979 abgedruckt. Und am 1. Oktober mogelte sich wieder ein alter Strip vom 25. November 1978 in die Zeitung. Der 3.10.1979 brachte den Hulk-Strip vom 24. September und ab 5.10.1979 veröffentlichte man tagesaktuell.


Blöd nur, dass dieses Chaos mit fehlenden und vertauschten Strips des Hulk genau in die Phase fällt, als Tempo Books in seinen Taschenbüchern ebenfalls einige Panels weggelassen hat.

Mittwoch, 10. Juni 2020

Der unglaubliche AMEISENMANN

Cover-Fakes sind schon etwas Feines... Zehn ANT-MAN Stories hatte der Williams Verlag in der Reihe des EISERNEN (Nr. 1-12) abgedruckt. Die elfte gab es lange Zeit nur in der Hit Comics-Fassung (Hit Comics Nr. 149) auf Deutsch und ohne Titelbild. Schade, denn das wäre Tales To Astonish #44 mit dem ersten Auftritt der Wespe gewesen.


Williams brachte alle zehn ANT-MAN Cover als Intro für die ganzen Stories oder für die Fortsetzungen. Nur einmal wurde statt der eigentlichen Eröffnungsseite das Original-Titelbildmotiv verwendet und dort die Credits eingesetzt. Einige der Titelbilder hätten es wirklich verdient, eigene Hefte zu zieren. Hier deshalb eine Zusammenstellung der möglichen zehn Williams-Cover plus das elfte im Williams-Stil mit diversen "zusammengeklauten" Elementen aus Rächer-, Die Fantastischen Vier- und Spinne-Heften.











Dienstag, 2. Juni 2020

Die Ursprünge der X-Men

Die Superhelden-Sammlung Bd. 88

Für den Sammler klassischer Marvel Comics in deutscher Sprache war es schon immer nicht einfach, an die 5-Seiter mit den Geschichten aus Thors Jugend oder den Anfängen der Inhumans zu kommen. Denn diese wurden in der Regel von den deutschen Verlagen dort als "Füllmaterial" verwendet, wo gerade Platz war. Auf Chronologie und Vollständigkeit wurde selten wert gelegt. So auch bei den X-Men und ihren Ursprüngen.

Dank Hachette sind mittlerweile sämtlich Inhumans- und Thors "Geschichten aus Asgard"-Kurzgeschichten verfügbar (Die Offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classics X und II). Bei den Mutanten aus Prof. Xaviers Schule hapert es noch ein bisschen. Dennoch sind zumindest drei Neuzugänge zu verzeichnen, die nun endlich als dt. Erstveröffentlichung herauskamen.

Von den insgesamt 20 Kurzgeschichten sind die meisten in den Hit Comics des Bildschriftenverlags erschienen und selten bis gar nicht nachgedruckt worden. In den Hard- und Softcover-Bänden von Panini und Hachette (X-Men Messespecials 2004 und 2006, Hachette Classics XV und Marvel Klassiker X-Men) wurden nur die Hauptstories von Neal Adams, Jim Steranko und Barry Windsor-Smith abgedruckt.

"Die Ursprünge der X-Men" aus X-Men #38-57
#38-39 in Hit Comics Nr. 95
#40 in Hit Comics - X-Menschen Nr. 221 (als Panini-Messespecial 2008)
#41-46 in Hit Comics Nr. 103, 111 und 119
#47-48 in Hit Comics Nr. 130 und Spinne Condor Nr. 35-36
#49-52 - bislang nicht auf Deutsch erschienen -
#53 Spinne Condor Nr. 51
#54-56 Die Superhelden-Sammlung Bd. 88 - Angel
#57 - bislang nicht auf Deutsch erschienen -

Immerhin kann der geneigte Leser und Sammler dadurch zwei Drittel der Stories verfolgen. Fragt sich, ob und wann der Rest kommt…
Ich jedenfalls freue mich, dass mal wieder ein kleines schwarzes Loch in den unendlichen Weiten des deutschsprachigen Marvel-Universums geschlossen werden konnte.

Die Hauptstory des Hachette-Bands aus "Psylocke and Archangel: Crimson Dawn" #1-4 nehme ich als "Bonus" gerne mit. Deshalb auch hier meine Kaufempfehlung, nicht nur für alle klassischen Marvel- und X-Men Fans.

Donnerstag, 28. Mai 2020

INHUMANS in schwarzweiß

Seit meiner frühesten Jugend finde ich die Hit Comics des Bildschriftenverlags mit schwarzweißem Inhalt am beeindruckendsten. Nirgendwo sonst kommen die Zeichnungen der Marvel-Künstler so zur Geltung. Der monumental-bombastische Stil von Jack Kirby, das weich-romantische eines John Romita sr., das Überdimensionale eines John Buscema, die (zeichnerische) Agilität eines Gene Colan oder das in-sich-gekehrte eines Steve Ditko… Einfach fantastisch!

Das bewegt mich immer wieder dazu, Inhalte, die so nicht existieren, umzugestalten. Die Inhumans gibt es mittlerweile gesammelt und restauriert in diversen US-Formaten und dank Panini und Hachette auch auf Deutsch, doch eben "nur" in Farbe. Das haut mich weniger um. Die einzig bekannte s/w-Version sind drei der 5-Seiter mit den Entstehungsgeschichten, die in einer dänischen Heftreihe zum Abdruck kamen. Leider wurden insgesamt nur 14 Seiten veröffentlicht.



Nachfolgend ein Mix aus den dänischen Seiten plus dem maschinengeletterten Text von Condor. Der Übersetzungs-Faux Pas unten auf der dritten Seite der zweiten Story kommt dem Hit Comics-Stil relativ nahe. Wenn da steht, dass man die Seite "drehen" statt umblättern soll. Stan Lee hatte das sicherlich nicht so im Sinn...

Also hinein in den Jack Kirby-Bombast und das Hit Comics-Feeling!














Montag, 18. Mai 2020

Cover als Marvel-Mini-Poster

Und wieder eine Episode aus dem "Was-wäre-wenn...?"-Universum. Beim Williams Verlag erschienen mindestens drei Marvel-Titelbildmotive, zu denen es keine Story gab. Das bekannteste dürfte die Vorschauseite aus der 41. Williams-Marvel-Produktion sein: "Du bist ein Verräter, Namor!"... Das Motiv entspricht dabei dem US-Cover von Sub-Mariner #33 aus dem Jahr 1971. Da Williams Namors Abenteuer mit Sub-Mariner #9 in Spinne Nr. 67 einstellte, kam der deutsche Leser die zugehörige Story nie zu Gesicht.


In Rächer Nr. 74 erschien ein Marvel-Mini-Poster mit dem Titelbildmotiv von Tales Of Suspense #59. Das ist das US-Heft, in dem nach dem vorherigen Zweikampf zwischen Iron Man und Captain America das Double-Feature beginnt. Da Williams nur den Eisernen-Teil in Rächer Nr. 61-62 veröffentlichte, hätte das Titelbild mit den beiden Helden überhaupt nicht zur Geschichte gepasst.


Ein weiteres Marvel-Mini-Poster, wenn auch ohne diesen Titel, da im unteren Teil Werbung für die Sea-Monkeys und die Briefmarken-Sets von Marken-Paul platziert wurde, erschien Die Fantastischen Vier Nr. 58. Es zeigt das Bild des Covers von Fantastic Four #5 mit dem ersten Auftritt von Dr. Doom. Ein US-Heft, das bei Williams seinerzeit leider ausgelassen worden war.


Da der Hulk sich in Deutschland den Heftinhalt mit den X-Men teilte, sah auch das Titelbild von Hulk Nr. 4 anders aus als im Original. Denn der Inhalt wurde auf die Williams-Nummern 4 bis 5 aufgesplittet. Tauscht man das "X-Team" wieder gegen Hulks Feind aus dem All, passt es.

Freitag, 15. Mai 2020

Prinz Namor - Held von Atlantis

Der Sub-Mariner stand und steht in der Fan-Gunst leider weit hinter den "großen" Marvel-Helden wie Spider-Man, X-Men, Avengers und Co. Als Zweitheld lief er immerhin in 67 Williams-Heften der Spinne und hatte seine eigene Unterserie innerhalb der Hit Comics-Reihe des Bildschriftenverlags. Zuvor musste er sich, wie in den USA, den Platz mit dem Hulk teilen. In Deutschland achtete man nicht so sehr auf die monatlich wechselnden Titelbilder und auch Namor lief als Tales To Astonish-Adaption unter dem Banner "HALK Mensch-Dämon-Untier".



Der Williams-Verlag hat für die Einleitungen in die Fortsetzungen, wie bei den anderen Zweithelden, oft Original-Covermotive verwendet. Die Schriftzüge fielen dabei sehr unterschiedlich aus und Anfangs war "Aquarius" dominant. Mir persönlich gefällt die Bezeichnung in Anlehnung an das Musical "Hair" nicht so gut. Auch wirken zwei spätere Schriftzüge, darunter einer von Christa Manner, wesentlich beeindruckender als der erste, etwas unschuldigere von Ursula Mordek.



Nachfolgend deshalb wieder ein paar Entwürfe aus dem Was-wäre-wenn-Universum des Marvel-Fans, der dem Sub-Mariner gerne eine eigene deutsche Heftserie gegönnt hätte.






Sonntag, 10. Mai 2020

Der Teufelskerl, ein Mann ohne Furcht!

Immer, wenn ich die zur Einleitung in die Fortsetzungen umfunktionierten Titelbildmotive der Zweithelden in den Williams-Marvels sehe, frage ich mich, wie es wohl gewesen wäre, wenn auch diese ihre eigenen Heftreihen bekommen hätten… Das Material in Form von Bild und Text ist fast immer vorhanden, man muss es "nur" vereinen. Je nach Vorlage kann das relativ einfach oder auch sehr, sehr aufwändig sein. Hier ein paar Ergebnisse, wie es hätte aussehen können, wenn Daredevil alias DER DÄMON als Serie bei Williams gelaufen wäre.





Interessant ist, dass DD bei Williams von Beginn an ein rotes Kostüm trug. Allerdings wurde das nicht bei allen Story-Fortsetzungen vor Daredevil #7 beachtet. So kam es ab und an zu "Ver-wechsel-ungen" und das "neue" Kostüm war weniger ein Highlight als in den USA.

























Als kleiner Bonus folgt hier noch das von Williams anno 1974 übersprungene Daredevil #5, welches auf Deutsch erstmals 2002 in Marvel Klassik Bd. 12 von Panini erschien. Grundlage für den Fake war ein dänisches Heft von 1967, bei dem ich das DD-Kostüm passend zu den anderen Williams-Veröffentlichungen umgefärbt und die Schrift eingesetzt habe, die Williams in der Anfangszeit verwendet hat.