Montag, 28. Januar 2019

Wie alles begann… Die Vision

Teil 10 - Es kommt in Form
Wohl oder übel ging ich stempeln. Natürlich war die 3-Zimmer Mietwohnung zu teuer. Aber die Reform von Peter Hartz ließ mir sechs Monate Zeit, mir eine eventuelle neue Bleibe zu suchen. Ich musste meine Finanzen offenlegen. Gut, dass ich außer einer Lebensversicherung nichts Weiteres hatte. Leider wurde die damals zur Vermögensfeststellung angerechnet, wie auch mein alter VW Golf. Eigentlich pervers, man darf kein Auto haben, soll aber gleichzeitig mobil und flexibel für Vorstellungsgespräche und mögliche Arbeitsplätze sein. Heute ist das etwas anders, aber zum damaligen Zeitpunkt war das so.

Ich löste die Lebensversicherung auf und auf die Frage: "Haben sie eine Sammlung? Gemälde, Kunst?" antwortete ich fast wahrheitsgemäß. Nicht, dass die mir jetzt noch meine schöne Spinne Nr. 1 von Williams wegnehmen. Der Hauptteil der Sammlung war ja nur bunt bedrucktes Altpapier. Das Amt zahlte also die Miete, die Heizkosten und ein Taschengeld, das gerade so zum Überleben reicht. Immerhin war ich GEZ-befreit. Und mit der Arbeitslosenbescheinigung konnte ich vergünstigt ins Schwimmbad, was ich ausgiebig nutzte. Da der Sprit teuer war, wünschte ich mir von meinem Dad eine Generalüberholung meines alten Mountainbikes zum Geburtstag. Ich glaube, so sportlich wie in diesem Jahr war ich nie wieder unterwegs. Denn der Jahrhundertsommer stand vor der Tür.


Jetzt hatte ich so gut wie gar kein Geld mehr. Gut, dass ich nicht rauchte, aber das riss es auch nicht raus. Thilo Sarrazins theoretische Ausgabenrechnung haut bei einem Single nicht hin. Wenn ich Wurst im Kilopack kaufe, verdirbt sie. Ich kann mir die Scheiben nicht auf vier Wochen einteilen. Hatte ich früher beim Einkauf nicht auf die Preise geachtet, so war der Lidl-Prospekt jetzt mein bester Freund. Döner, Fritten oder sonstigen Fast-Food-Kram sah der Hartz 4-Satz nicht vor. Ich begann, selbst zu kochen und Reste portionsweise einzufrieren. Die alte Liebherr-Kühl-/Gefrierkombination hatte ich von meinem Vormieter ausgelöst und die drei Gefrierfächer waren Gold wert.

Was ich nun hatte, war Zeit. Zeit zum Nachdenken, Zeit für sportliche Aktivitäten und Zeit zum Schreiben. Aber auch Zeit für fixe Ideen. Während mich die Sorge um meine Zukunft nachts nicht schlafen ließ, ging mir die Vorstellung der geplanten "Marvel-Bibel" in Heftform durch den Kopf. Die Williams-Redaktions- und Vorschauseiten hatte ich durch die Zerlegung der Sammelbände ebenfalls separat gesammelt. Marlies Gersons Version von "Ne Menge Marvels nächsten Monat, meint Hulk!" ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Insbesondere der Hochglanzabdruck auf der Rückseite von Planet der Affen.

Das musste das Cover werden. Mit rosa Williams-Signet und den Williams-Erstausgaben in den Händen des Hulk. Ich durchsuchte meine Marvel Essentials nach der Splashpage von Gil Kane und wurde fündig. Jetzt brauchte ich noch einen Titel, der hängenblieb und eine Figur fürs Signet. Spider-Man oder andere bekannte Marvel-Helden wären das, was andere genommen hätten. Ich wollte etwas Besonderes. Da fiel mir der Looter ein. Steve Ditko hatte ihn in einem Abschlusspanel vorgestellt und ähnlich gezeichnet wie John Romita sr. den Spider-Man im Kasten der farbigen Hit Comics. Dazu hatte der bsv Stan Lees "Nuff said!", etwa: Genug geplaudert! vollkommen falsch  übersetzt. "Das sagte Nuff!", das war es.


Während meines morgendlichen Schwimmens und Radfahrens feilte ich gedanklich am Inhalt und Aussehen des ersten Nuff-Hefts. Ein erster schwarzweißer Prototyp war relativ schnell fertig. Entgegen aller Meinungen hatte ich mich für die Heftform statt einem Buch entschieden. Und das in Zeiten rückläufiger Auflagenzahlen im Printbereich. Journalisten verloren ihre Jobs, manche Tageszeitungen fusionierten oder wurden ganz eingestellt. Vor allem die Verfügbarkeit aktueller News im Internet stellte die Branche auf den Kopf.

Egal, ich hatte Zeit und außer Bewerbungen schreiben nichts anderes zu tun. Skeptiker wie Jörg, der inzwischen zu einem guten Freund geworden war, auch wenn wir uns nicht wirklich sahen, sondern per Telefon und Email kommunizierten, schlugen die Hände über dem Kopf zusammen.

Teil 11
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Wie alles begann… Marvels seitenweise

Teil 9 - Keine Solidarität unter Sammlern?
Durch die kopierten Hit Comics und zerlegten Marvel Superbände stellte ich fest, dass es viel einfacher war, die Einzelseiten für benötigte Abbildungen zu scannen. Auch ergab es für mich Sinn, nach den Originalserien zu sammeln. Verrückt wie ich war, stellte ich mir die für mich passende, stets greifbare Sammlung zusammen. Beispiel gefällig? Fantastic Four #1 aus dem Marvel Essential-Band herausgetrennt und mit Bleistift am Rand gekennzeichnet bzw. nummeriert. Die Eröffnungsseite vorne und das Cover nach hinten. Danach ein Backingboard zur Stabilisierung und gegenläufig von der anderen Seite die Comicseiten aus Die Fantastischen Vier Nr. 1 und 2 von Williams. Das gleiche Spiel bei Daredevil bzw. Der Dämon. Und jeweils in einer Comic-Schutzhülle in Short-Boxen aufbewahrt.

Da die FV und DD sich oft die Übergangsseiten teilten, wenn die erste Story auf Heftseite 2 statt 3 begann, brauchte ich natürlich jedes Heft zweimal zum korrekten Zerlegen. Auf die Idee dazu kam ich durch meinen kompletten Silberstürmer. Die anfangs 40seitigen Abenteuer von Norrin Radd teilte Williams meist in drei Fortsetzungen auf. Umständlich, wenn man dazu drei-vier Thor-Hefte vorblättern muss. Die Einzelseiten konnte ich prima zusammenlegen und in einem Rutsch durchlesen. Auch verschlechterte sich dadurch der Zustand nicht, wie es bei der Spinne-Sammlung der Fall gewesen wäre.


Und die Klammern in den Heften hinterließen manchmal winzige Kratzspuren an der Glasoberfläche des Flachbettscanners. Auch ragte nicht immer ein Teil des Hefts heraus und es war möglich zu scannen, ohne dass jede zweite Seite bei der Digitalisierung durch die Drehung auf dem Kopf stand. Zudem kam ich nicht in Versuchung, die Sachen wieder zu verkaufen, denn so waren sie für Otto Normalsammler wertlos. Meinen alten HP-Scanner hatte ich mittlerweile durch einen wesentlich besseren von Epson getauscht, bei dem die Voreinstellungen richtig gut waren. Keine Vorschau mit 150dpi, die ewig dauert und der tatsächliche Scan in gleicher Auflösung dann nochmal so lange braucht.

Der Epson-Twain Treiber ermöglichte eine Unterdrückung des Moiré-Effekts und bei s/w-Scans eine tatsächlich ein- bzw. zweifarbige Darstellung mit wesentlich höherer Auflösung. Deshalb bin ich immer noch Fan davon und verfluche Windows 10, das den alten Treiber nicht anerkennt und ich mir demnächst ein neues Gerät kaufen muss, wenn ich etwas Farbiges einscannen möchte. Nein, ich habe Scanner Nr. 2 schon lange nicht mehr, aber eher aus Platzgründen nach Jahren des Einsatzes ausgetauscht. Natürlich gegen einen anderen von Epson. Ich will keine Werbung machen, aber das ist wie bei Autos. Meinen Audi A3 würde ich auch nicht gegen meinen alten VW Polo oder Ford Fiesta tauschen wollen.

Wie auch immer, mein Bedarf an Marvel Superbänden wuchs. Der Superhelden-Hype der Jahrtausendwende hatte alles teuer gemacht. Viele Sammler waren aber inzwischen auch komplett und tauschten lediglich Hefte in schlechtem Zustand gegen Bessere aus. Oder sie suchten sich neue Sammelgebiete wie Sammelbände und deren Inhaltsvarianten. Da gibt es kein Ende - und was will der Sammler mehr?


So entstand bei Ebay ein Grüppchen von Individuen, die immer wieder auf ähnliche Auktionen boten. Ich erlaube mir mal trotz des Datenschutzgesetzes ein paar Namen anzudeuten: Stefan S., Holger V., Roland K., Robert H., Markus Z. und noch zwei-drei andere. Die vollständigen Namen sind aber ohnehin in der Szene bekannt und entweder im Netz oder in der einschlägigen Sekundärliteratur zu finden.

Wenn man sich ständig gegenseitig hochbietet, muss zwangsweise ein Kontakt und eine andere Strategie oder Absprache stattfinden. Und schwupps, hat man den einen oder anderen Tauschpartner gefunden. Leider läuft es nicht bei allen so glatt und der Wettbewerb schreitet voran. Nichtsdestotrotz erweiterte sich meine Loseblattsammlung ständig und das Ziel "Williams komplett aus Sammelbänden" schien greifbarer als das Buchprojekt. Die Z0-1 Spinne-Hefte wurden jedenfalls nicht mehr angefasst, außer im Notfall. Eine Nr. 1 ohne Umschlag hatte ich von meinem Filmfreund bekommen. Abgesehen vom fehlenden Cover war das Ding toll erhalten. Auch hier hatte ich ein 50 EUR-Gebot abgelehnt. Stattdessen trennte ich die elf Seiten Spidey von den Tales Of Asgard und dem Sub-Mariner und tütete jeden Teil separat mit den dazu passenden Marvel Essential-Seiten ein.

Etwa zur selben Zeit schickte ich nach einem Telefonat mit Panini-Übersetzer Reinhard Schweitzer zehn von mir übersetzte Probeseiten aus einem damals aktuellen Avengers-Heft an seine Adresse. Ich weiß noch, dass er sie gut fand. Auch deshalb, weil ich den Text direkt in die Sprechblasen gesetzt und ausgedruckt hatte. Vermutlich war der Zeitpunkt schlecht, da von der Redaktion keine weitere Rückmeldung kam. Reinhard Schweitzer bestätigte aber, dass er sie an die zuständige Obrigkeit weitergegeben hatte.

Ich fühlte mich langsam wie "Theo gegen den Rest der Welt" und meine Gedanken kreisten weiter…

Teil 10
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Wie alles begann… Kontraste

Teil 8 - Warum eigentlich schwarzweiß?
Hier muss ich zugeben, dass ich nie vorhatte, farbige Abbildungen zu bringen. Inspiriert von den schwarzweißen Thor-Motiven in "Das Große Buch der Comics" von Wolfgang J. Fuchs und Reinhold Reitberger, malte ich mir bildlich im Kopf den Inhalt meiner künftigen "Marvel-Bibel" aus. Die Zeichnungen von Jack Kirby, Gene Colan, John Buscema, John Romita sr., Steve Ditko usw. wirken einfach am besten pur ohne Farbe. Das kommt schon nahe an Originalzeichnungen ran. Deshalb beeindrucken mich die frühen Hit Comics nach wie vor.

Die Marvel Essentials boten oftmals keine wirkliche Alternative. Denn viele Seiten waren nicht optimal eingescannt und wiedergegeben oder stammten von US-Nachdrucken, bei denen Graustufen statt richtigem Schwarzweiß eingesetzt wurden. Auch manche Originaldruckfilmfolien liefen nach unten hin schief. Da hatte wohl der Zahn der Zeit ziemlich genagt. Fasziniert von den niederländischen Hip Comics streckte ich meine Fühler in andere Länder aus. Da gab es z.B. das Marvel Annual von Fleetway aus dem Jahr 1973 und andere, sogar noch frühere UK-Hardcover, in denen die ersten Comics von Hulk, Spider-Man und Konsorten gestochen scharf abgedruckt wurden. Da konnten die Amis mit ihrem minderwertigen Papier und Druck nicht mithalten.


Power Comics, Alan Class, das sah richtig gut aus. Wobei die einen durchscheinendes Papier und die anderen, nennen wir es eine Art schmutzigen "Vintage-Druck" hatten. Beides nicht optimal, aber dennoch ziemlich beeindruckend. Teilweise wurde auch der Text angepasst, wenn die Personen wie z.B. Rick Jones zu sehr dem US-Slang verfielen. Die Briten korrigierten die Schreibweise nach strengem Oxford-Standard. Newton in Australien präsentierte seine Marvel Comics ebenfalls grenzwertig. Richtig gut, aber sauschwer zu bekommen waren die dänischen Marvels von Interpresse. Dort erschienen u.a. das vom bsv ausgelassene Daredevil #58 und das erste Daredevil Annual in wunderschönem Schwarzweiß. Zweiteres leider verteilt über vier Ausgaben als Fortsetzungsgeschichte plus Marvel-Pin Up in der Folgenummer.

Für meine geplanten Buchabbildungen brauchte ich genau solches Material. Ein reines Lesewerk wie "Tales To Astonish - Jack Kirby, Stan Lee And The Revolution Of Comics" von Ronin Ro kam keinesfalls in Frage. Das Buch kann ich zwar Jedem wärmstens empfehlen, aber es enthält leider keinerlei Abbildungen, welche die Story veranschaulichen würden. Ich sammelte und scannte jeden schwarzweißen Marvel-Schnipsel, den ich auftreiben konnte. Besonders mochte ich es, wenn die Figuren bereits freigestellt ohne Hintergrund abgedruckt worden waren, wie in vielen Fanzines.


Während meine Schulzeit sich dem Ende neigte, machte sich ein wenig Frust breit. Einerseits war ein Ende des Buchprojekts nicht abzusehen, andererseits konnte ich jobmäßig nirgends Fuß fassen. Zwar erklomm ich stets erste Hürden und wurde zu Vorstellungsgesprächen und Probearbeitstagen eingeladen, hatte aber das Nachsehen, wenn es um die geforderte Berufserfahrung im Grafik-Bereich ging. Der Verleger eines Motorrad-Magazins zog statt mir eine Dame mit zehn Jahren Grafik-Erfahrung vor, ein Apotheken-Schaufenster Deko-Betrieb nahm lieber jemand überqualifizierten, der in Berlin Design studiert hatte und eine Agentur, die Kataloge für die Rollladen-Branche erstellte, fand offenbar auch einen besser passenden Mitbewerber.

Wie oft kam ich unter die letzten zwei-drei Bewerber und wurde jedes Mal ausgestochen. Das Heavy-Magazin nahm mich als Nr. 2 von drei in der Endrunde als freien Mitarbeiter, während die ausgeschriebene Festanstellung anderweitig vergeben wurde. Und dank zeitlicher Verfügbarkeit durfte ich kurzfristig bei einer Agentur einen Brillenkatalog setzen, weil eine Grafikerin aus gesundheitlichen Gründen ausfiel.

Zehn Jahre lang hatte man Mediengestalter ausgebildet, weil überall Grafiker fehlten. Ausgerechnet als ich mit der Ausbildung fertig war, stürzte die Branche in ein Tief. Werbeetats wurden gekürzt und unsere Nachfolgeklasse bestand nur noch aus sechs Leuten. Schöne Aussichten! Eine freie Tätigkeit kam für mich nicht in Frage. Auch meine Klassenkameraden setzten nicht unbedingt den eingeschlagenen Weg fort. Der Eine machte in Musik, eine Andere arbeitete anschließend im Reisebüro und einer übernahm den Copy-Shop seiner Mutter. Bei den anderen weiß ich es nicht mehr. Aber nur ganz wenige blieben im grafischen Bereich. Zwei gründeten eine Firma und verlagerten sich auf das Erstellen und Programmieren von Internetseiten und meine Nebensitzerin gestaltete in Selbstständigkeit Webseiten und Flyer für kleinere, lokale Unternehmen. Alles nicht das Gelbe vom Ei.

Mit dem Abschlusszeugnis in der Tasche begann ich zu sinnieren…

Teil 9
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Sonntag, 27. Januar 2019

Wie alles begann… Sparmaßnahmen

Teil 7 - Auf- und Ausbau der Sammlung
Trotz meiner kleinen Geschäfte mit An- und Verkauf, dem Schreiben für die Fachmagazine und der nicht gern gesehenen Weitergabe der gebrauchten Rezensionsexemplare, reichte das Budget nicht für eine vollständige Hit Comics-Sammlung. Die frühen Exemplare waren einfach zu kostenintensiv und auch nicht überall verfügbar. Ebay? Da tauchten zwar viele farbige bsv-Superhelden auf, doch bei den Heften mit schwarzweißem Inhalt sah es mau aus. Blieben nur die Händler. Sammlerecke Esslingen, Comic-Mafia Bremen, das waren die Hauptanlaufstellen.

Während es in Holland untere Hit bzw. Hip Comics-Nummern schon ab 20-25 EUR gab - das sind die Hit Comics, die zeitgleich im Druckverbund erschienen und bis auf den Landestext mit den deutschen Ausgaben identisch aussehen - lagen die Preise für manche deutschen Ausgaben im zwei- bis vierstelligen Bereich. Das sprengte meine geringfügigen Einnahmen und lag außerhalb des Machbaren.

Ich hatte mich durch die Klonsaga bei Panini gelesen, mit all ihren Spider-Man Sonderbänden, Scarlet Spider, Ben Reilly und natürlich den ganzen regulären Serien. Diese Hefte gab es zuhauf und auf Börsen oder beim Händler teilweise ab 1 EUR. Das war bezahlbar. Die Condor-Sammlung hatte ich durch Ankäufe in Nürtingen um Alben und Taschenbücher erweitert. Obwohl es da immer wieder zu Diskussionen kam, ob der "halbe Preis" nach dem aufgedruckten oder dem aus der Sammlerecke-Versandliste berechnet würde. Je nach Mitarbeiter und Sympathie gegenüber dem Kunden, also mir, sowie Menge an Material, das eh kaum einer wollte, fiel der Verkaufspreis gegenüber den Angaben im Hit Comics-Magazin meist günstig aus.

Recherche-Material zu Blueberry, Storm und Co. zog ich dort ebenfalls aus den Kisten. Phantastic-Comics, Edelwestern oder Comics Unlimited hatten meist diese gelben Verlagspreisüberkleber, aber waren erschwinglich. Sogar ein paar Koralle-Alben von Blueberry, Luc Orient und Rick Master gab es zum kleinen Preis. Auch die Carlsen-Pockets und die Pocket Comics von Ehapa lagen wie Blei. Für die Gaston-, Spirou- und Blueberry-Bibliografien jedoch unverzichtbar. Jeremiah, Andy Morgan und selbst die querformatigen Flash Gordon-Luxusausgaben von Carlsen liefen durch meine Hände. Klasse, Masse und bezahlbar. So machte das Comic-Sammeln, Lesen und Auswerten Spaß.

Aber ich hatte immer noch das Problem mit den teuren oder nicht verfügbaren Hit Comics des bsv. Mein Dad musste ran. Er hatte geschäftlichen Zugang zu einem Kopierer. In zwei Nacht- und Nebelaktionen gab er den ihm bekannten Zugangscode seines Chefs ein, der wie mein Vater sagte, eh am meisten von Allen kopierte, und der Inhalt von Hit Comics Nr. 1-59 war gesichert. Mit einer immensen Feinstaubbelastung unserer beider Lungen, mehrfachem Tonerwechsel und einem Stapel von 1652 Din A4-Blättern zogen wir von dannen. Was für ein Aufwand, aber so konnte ich die teuren Hefte wieder verscherbeln. Denn die bunten Cover liefen zuhause durch den Scanner.

Leider fehlte auch das Budget für mein technisches Equipment und die Titelbilder brauchten nicht nur eine gefühlte Ewigkeit bis sie digital vorlagen, sondern hatten auch nur 150dpi Auflösung und wiesen teils heftige Moiré-Effekte, also Musterüberlagerungen, auf. Erst Jahre später konnte ich den Großteil der digitalen Bilder austauschen.

In der "halber Preis"-Ecke lagen auch viele Condor-Sammelbände. Inhaltlich eher uninteressant, aber mit vielen Originalcover-Motiven der US-Ausgaben, die bei den regulären Reihen von Spinne, Fantastischen Vier und Co. nicht zum Einsatz kamen.

Jedenfalls hatte ich nun die Belege für die geklammerten Hit Comics mit schwarzweißem Inhalt komplett in Einzelblättern und konnte die Originale wieder verkaufen. Die Hefte ab Nr. 60 haben einen geleimten Rücken und lassen sich deshalb nicht unbeschädigt kopieren oder scannen. Am schönsten finde ich übrigens immer noch meine einstige gelochte und vom Tesastreifen gezeichnete Nr. 1. Das Heft wurde oft gelesen und hat wahrlich "gelebt". Und im Vergleich und trotz aller begrüßenswerter Mühe war der Panini-Nachdruck aus dem Spider-Man komplett Schuber nicht wirklich gut gemacht.

Teil 8
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Wie alles begann… Knapper Haushalt

Teil 6 - Nebengeschäft
Als Schüler hat man irgendwie mehr Zeit, zumindest gefühlt. Leider stand ich nach der erfolgreichen Mediengestalter-Abschlussprüfung zunächst ohne Job da. Von ein paar Artikeln und Interviews lässt es sich nicht leben. Während der Schulzeit hatte ich mich in einen Rechner eingeklinkt, den ein Mitschüler zum Proxi-Server umfunktionierte. Offiziell gab es kein Internet im Klassenraum. Der Hausmeister steckte uns aber, dass der Dozenten-PC und einer der Rechner immer online waren. Unser Klassen-Crack angelte sich die IP und verschaffte uns Zugang zur Außenwelt.

Alle Seiten mit ssl-Verschlüsselung standen uns nun frei zur Verfügung. Emails liefen deshalb über web.de und noch wichtiger, Ebay war freigeschaltet. Mindestens eine Stunde am Tag betrieb ich einen kleinen "Im- und Export", um das Taschengeld aufzubessern. Denn wie gesagt, ein Budget für Comics war im Haushaltsetat nicht vorgesehen. So kaufte ich beispielsweise eine fast komplette Sammlung der Micky Maus-Bildfolgen, die es bei Ehapa gegen Einsendung der MM-Schnipps und DD-Gutscheine in den 1970er und 80er Jahren gab. Zuhause erstellte ich eine Liste mit Nummer, Auflage und Zustand und hatte binnen zwei Tagen etwa 50 EUR dazuverdient.


Mein Filmfreund rief mich irgendwann zu einer nachtschlafenden Zeit aufgeregt an und wollte unbedingt, dass ich ihm "Monster des Monats" vom Williams Verlag besorge. Ich hatte keinen Schimmer, was das sein sollte, fand über Umwege jedoch zwei komplette Sätze des seltenen Film-Postermagazins. Einen davon verkaufte ich an Buchautor und Sammler John Ballentine in die USA. Eine Aktion mit riesigem Aufwand. Knicksicherer Überformatversand in die Staaten, Bezahlung über Western Union, die an dem Deal vermutlich am meisten verdienten. Letztlich blieben um die 250 EUR Gewinn für mich übrig, weil die in England nicht erschienene Nr. 2 in Topzustand dabei war. Diese hatte die Jahre wohlbehütet zwischen der Nr. 1 mit leichter UV-Bleichung im unteren Bereich des Covers und den Nummern 3-4 überstanden. Die Mutter des ursprünglichen, zum Kaufdatum jugendlichen Käufers hatte ihm verboten, die blutrünstigen Poster mit Motiven aus den Hammer-Filmen in seinem Zimmer aufzuhängen.

Das Geld kam sehr gelegen und finanzierte eine notwendige Autoreparatur, die ich ansonsten nicht hätte durchführen lassen können. Auch die einschlägigen Internetforen waren zugänglich. Manche Sammler veröffentlichten ihre Suchlisten. Darunter teilweise wirklich seltenes, fast schon obskures Material mit Comic-Bezug vom Fanzine bis zum Schulbuch. Als "Stammgast" des Sammlerecke-Kellers fand ich die hintere Ecke mit den Sachen aus Ankäufen, die für die Mitarbeiter nicht zuzuordnen waren deshalb sehr, sehr interessant. Und was kam da für wenig Geld, weil in keinem Katalog gelistet, zum Vorschein: "Hergés Universum" als Reddition Sonderband und Privatbindung, "Bibliographie zur Comic-Sekundärliteratur" von Renate Neumann, "Die kleine geile Reihe", "Action" Nr. 1-2 aus Österreich, weitere frühe Comic-Fanzines, Sammelbände von Williams und dem bsv, die ersten drei Hefte der Comixene, Comics Maker und vieles, vieles mehr. Unter anderen auch ein weiterer Komplettsatz "Monster des Monats". Danke, Jens, der an der Theke immer faire Preise machte, die für beide Seiten passten.


Alles Zeugs, das nicht zum regulären Verkaufsprogramm der Sammlerecke gehörte. Ich hingegen wusste aus den Foren genau, wer was sammelte und hatte dadurch über den Monat ca. 150-200 EUR mehr in der Tasche. Diese gingen dann für meine eigenen, inzwischen globalen, Marvel-Ankäufe drauf. Ein in sich geschlossenes System, das wunderbar funktionierte, ohne dass ich weitere Finanzmittel hinzuschießen musste.

Irgendwann bemerkte ich, dass ich an Texten für das Marvel-Buch seit fünf Jahren arbeitete und bislang keine einzige Seite in Druckform veröffentlicht hatte. Es war kein Land in Sicht, da ich den weiteren Aufwand auf nochmal fünf Jahren einschätzte. Hinzu kam die drohende Arbeitslosigkeit und die Aussicht auf Hartz 4 im Anschluss an die Ausbildung.

Teil 7
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Wie alles begann… Ein Buch?

Teil 5 - es läuft…
Die Kontakte mehrten sich. Gerhard Förster gab mir die Telefonnummer von Jörg Winner, welcher einen Spider-Man Artikel für den nicht erschienenen zweiten Krägermann Comic-Preiskatalog verfasst hatte. Und einige meiner Ergüsse, insbesondere die zu Spider-Man/Die Spinne über die Condor-Anfänge und Vergleichsartikel z.B. zum Mehrteiler mit dem "Schemer" (Amazing Spider-Man #83-85), auf Deutsch auch "Tüftler" oder "Intrigo" genannt, vermittelte ich an den ebenfalls sehr (inter-)aktiven Björn Steckmeier. Dieser zeigte sich begeistert und stellte die Sachen online auf seine Marvel-Fanpage.

Dem anfänglich eher skeptischen Jörg schickte ich ebenfalls Material und Texte, die ich nach gründlicher Recherche erstellt hatte. Anders als manch anderer Fan mit verklärtem Blick, wies ich auch auf Fehler und Unstimmigkeiten bei den Williams-Veröffentlichungen hin. Ich traute mich, den "heiligen Gral" anzugreifen und seinen Schattenseiten offenzulegen. Das gefiel ihm. Denn bis dato galt Williams als das Non-plus-ultra.


Nicht, dass ich den Williams Verlag und seine Produkte schlecht machen wollte, im Gegenteil. Nur war einiges doch nicht ganz das Gelbe vom Ei, wie Alle annahmen. Ein weiterer Knackpunkt, der dafür sorgte, dass die Marvel Comics in Deutschland nie genau unter die Lupe genommen worden waren, lag am immensen Ausstoß an Material. Bei acht monatlichen und mehr Titeln in den USA, die teilweise ineinandergriffen oder anderweitig verknüpft waren, blieb es meist bei einer oberflächlichen Betrachtung. Allein die regulären Marvel-Heftserien des Williams Verlags zählten über 500 Ausgaben, und das ohne Sonderbände, Hefte im Großformat (z.B. "Krieg der Sterne" und "Planet der Affen") und Taschenbücher.

Bei einem weiteren Telefonat erwähnte Norbert Hethke, dass Wolfgang J. Fuchs früher mal für den Williams Verlag gearbeitet habe. "Echt jetzt?" schoss es mir durch den Kopf. "Der" Comic-Experte soll in Marvel gemacht haben? Auch hier kam ein Kontakt zustande und ich schickte ihm in etwa denselben Fragenkatalog, den auch Jani Büsing erhalten hatte.

Neben meinen Marvel-Recherchen hatte ich ein anderes, interessantes Projekt am Laufen. In Großbritannien stieß ich auf eine Asterix-Version, die der Kauka-Fassung unter dem Namen "Siggi & Babarras" nicht unähnlich war. Weniger politisch, aber völlig auf das Erscheinungsland umgetextet. Als Einseiter lief "Beric The Briton" in den Jahren 1965-67 in insgesamt 84 fast zeitungsformatigen Heften von "Ranger" und "Look & Learn". Darin enthalten auch "Trigan", gezeichnet von Don Lawrence.


Der Tod dieses Ausnahmekünstlers bot mir die Gelegenheit zu einem zweiseitigen Nachruf in Hethkes Sprechblase-Magazin. Nur wollte ich das Layout und die Bildauswahl selbst gestalten. Es sollte ja gut aussehen und die Grafik der Sprechblase war oft genug suboptimal. Einen mehrseitigen Trigan-Artikel mit dem Aufhänger "30 Jahre Trigan in Deutschland" lieferte ich gleich mit. Leider dauerte es im Gegensatz zum Don Lawrence-Nachruf drei Jahre, bis dieser abgedruckt wurde, so dass der von mir gewählte Titel zum Veröffentlichungszeitpunkt nicht mehr stimmte.


Hethke zahlte gut und prompt. Und wie ich später erfuhr, das doppelte, was er anderen Sprechblase-Autoren bot. Da hatte sich die zeitliche Investition ins Layout gelohnt. Also machte ich zwei weitere Artikel fertig. Einen über "Beric The Briton" und einen über die "Marvel Superband Superhelden". Beides bezahlt, jedoch in der Schublade verschwunden. Bei Asterix wollte Hethke sich absichern und bei der zuständigen Agentur Fuchs nachfragen, ob man das verwendete Bildmaterial veröffentlichen konnte, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Eine Rückmeldung erhielt ich bis zu seinem Tod nicht.


Das Hit Comics-Magazin erschien nicht mehr. So kam es, dass ich einen Artikel über Marvels Dracula zum Start bei Panini in Martin Jurgeits anderem Projekt, der Comixene, unterbringen konnte. Zusammen mit meinem Film-Kumpel erhielt ich kurze Zeit später einen Interview-Slot mit Comic-Künstler Enki Bilal, der mit "Immortal" seinen Alexander Nikopol verfilmt hatte. Ich schrieb jetzt also für zwei der größten deutschen Comic-Sekundärmagazine und war im Geschäft angekommen.


Mein Marvel-Projekt lief ebenfalls weiter. Jörg Winner drängte mich, über eine Buchveröffentlichung nachzudenken. Deshalb erstellte ich einen Plan, was in so eine allumfassende "Marvel-Bibel" alles reingehörte. Dadurch hatte ich quasi ein Inhaltsverzeichnis und arbeitete die einzelnen Stationen nach und nach, jedoch nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge, ab. Vieles bestand bereits und musste nur noch aktualisiert und angepasst werden. Anderes war nur lückenhaft oder gar nicht vorhanden. Es entstand ein fetter Leitz-Ordner, prall gefüllt mit Artikeln, die nun zu Kapiteln wurden. Immer begleitet von anschaulichem Bildmaterial, möglichst in Schwarzweiß.

Teil 6
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Samstag, 26. Januar 2019

Wie alles begann… Vom Fan zum Semi-Profi

Teil 4 - erste Aufträge
So mutierte ich vom Comic-Fan zum Sekundärliteratur-Autor. Zwar hatte ich in der Vergangenheit bereits Beiträge für unsere Schülerzeitung an der Realschule verfasst und mich auch redaktionell, zumindest inoffiziell, beteiligt, aber einen richtigen Artikel hatte ich noch nie geschrieben. Veröffentlichungen gab es trotzdem, da ich zusammen mit einem Freund eine Leidenschaft für deutsche Synchronstimmen, sowie ein Faible für Sci-Fi-Filme und -Serien teilte. So hatten wir u.a. Thomas Danneberg (die dt. Stimme von Stallone, Schwarzenegger, John Clease und Terence Hill), Santiago Ziesmer (Steve Urkel/Jaleel White, Spongebob Schwammkopf), Norbert Gastell (Homer Simpson), Arnold Vosloo ("Die Mumie"), Kevin Sorbo ("Hercules") und Christopher Lee vor dem Mikro.

Eine Art kurzer Freundschaft entwickelte sich nach einem Interview zu Herbert Weicker, der deutschen Stimme von "Mr. Spock" vom Raumschiff Enterprise. Im Jahr seines Todes sprach er noch extra ein Intro für die Demo-CD meiner damaligen Hard Rock-Band ein. Aber auch mit den Enterprise-Captains G.G. Hoffmann (dt. Stimme von William Shatner, Lex Barker und Sean Connery) und Rolf Schult (dt. Patrick Stewart und Robert Redford) führten wir Gespräche. Einige unserer Gemeinschaftsarbeiten erschienen in einschlägigen Zeitschriften wie "TV Highlights", "Moviestar" und "Splatting Image".

Die Mitarbeit beim "Lexikon der Comics" im Corian-Verlag verschaffte mir einen völlig neuen Status, der es mir ermöglichte, meine Comic-Sammlung zu erweitern. Ich aktualisierte u.a. die bisher veröffentlichten Beiträge zu Gaston, Lucky Luke, Leutnant Blueberry und einigen anderen. Wobei nicht alles veröffentlicht wurde. Insbesondere die vollständige Auflistung der Gaston-Einseiter in sämtlichen deutschen Heften, Alben und Taschenbüchern seit Rolf Kaukas "Lupo" und "Fix und Foxi" nach einem bereits bestehenden (Corian-)Nummernsystem dauerte Monate. Irgendwie gelang es mir, diese Herausforderung zu meistern und den Abgabetermin einzuhalten.

Da ich nicht alle aktuellen Gaston-Alben besaß, schrieb ich den Carlsen Verlag an, der mir zur Rezension die Lücken in der Sammlung schloss. Belege und eine Mitarbeiter-Bestätigung einzureichen war jetzt ja kein Problem mehr. Als ich merkte, dass ich den lieferbaren Carlsen- und Ehapa-Backkatalog "plündern" konnte, schrieb und listete ich immer mehr. Die gelesenen Exemplare konnte ich natürlich nicht zurückschicken, schließlich waren sie nach dem Gebrauch nicht mehr druckfrisch.

Auch wollte ich es nicht übertreiben und bestellte immer nur die verfügbaren Alben, die mir zur Vollständigkeit fehlten. Dennoch kamen dadurch Komplettsätze von Storm, Blueberry, Spirou, Hergé Werkausgabe und Asterix zusammen. Nach getaner Arbeit brauchte ich das Zeugs aber nicht mehr und begann damit, es gegen Marvel-Sachen auszutauschen. So finanzierte die eine Tätigkeit die andere. Bei Panini waren die Rezensionsexemplare auf maximal 3 Titel limitiert.

Munter kaufte ich Sekundärliteratur, Marvel Essentials und ein paar wenige Marvel Masterworks in den USA ein. "Frankobelgier raus, Marvel rein!" lautete in etwa die Devise. War eine Serie abgehakt, kam die nächste an die Reihe.

Mittlerweile war auch mein Artikel zu den Fantastischen Vier fertig. Doch Martin Jurgeit zeigte nicht mehr viel Interesse daran. Im Copy-Shop fertigte ich deshalb ein Din A5-Heftchen mit der kompletten deutschsprachigen Veröffentlichungsgeschichte von Fantastic Four #1-128 an und schickte es an den Norbert Hethke Verlag mit dem Vorschlag eines Abdrucks innerhalb der "Sprechblase", seinem Comic-Fachmagazin.

Völlig unerwartet rief Norbert Hethke persönlich auf der von mir angegebenen Telefonnummer zurück. Er zeigte sich gewillt, tatsächlich etwas abzudrucken, verlangte aber eine redaktionelle Betreuung durch Gerhard Förster, da ich als Autor ja noch nie in Erscheinung getreten und somit in der Szene unbekannt war.

Leider hatte Gerhard völlig andere Vorstellungen als ich. Während ich mich auf die Comics als solches konzentrierte, forderte der "Oberförster", wie man ihn mit einem freundlichen Augenzwinkern auch nennt, Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern der Williams-Redaktion. Das Comic-Material sei nebensächlich, meinte er.

Alter Schwede, da hatte er mir aber eine harte Nuss mit auf den Weg gegeben. Ich recherchierte in Telefonbüchern und Verzeichnissen und konnte tatsächlich Clemens Raschke, Jani Büsing, Reinhard Mordek und Kirsten Isele ausfindig machen. Leider hatte Fr. Vogel, wie Kirsten Isele mittlerweile hieß, keinerlei Interesse. Reinhard "Remo" Mordek erwischte ich auf seinem Handy an der Bushaltestelle und Clemens Raschke schwelgte in Selbstbeweihräucherung. Einzig Jani Büsing zeigte sich gewillt und gerne bereit, sich meinen Fragen zu stellen.

Kurt Rebischke und Hartmut Huff schienen verschollen. Die Entstehung eines wunderbaren, freundschaftlichen Kontakts zu Marlies Gerson, die für Williams die Titelbilder überarbeitete, letterte und die Zeichnungen für meine heißgeliebten Marvel Superbände gefertigt hatte, sollte allerdings noch etwas dauern.

Teil 5
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