Montag, 4. Februar 2019

Wie alles begann… Crossing all over

Teil 19 - Der Goldene Rächer
Was ich persönlich besonders hasse, sind Bildkürzungen bei Comics. Wer Bastei oder Kauka sammelt, kann davon ein Lied singen, nämlich das von "Marken Paul". Gottlob blieben die deutschen Marvels von solchen Eingriffen weitestgehend verschont. Allerdings fehlten immer wieder einzelne Bilder für Einleitungstexte oder auch ganze Seiten, wenn zu lange Stories nicht in ein Heft passten. In den ersten Jahren der Williams Marvel-Phase betraf das hauptsächlich die Fantastischen Vier, die Spinne und Prinz Namor. Frankenstein, der Dämon oder die Rächer waren eher die Ausnahme.

Besonders ungeschickt sind solche Kürzungen bei Crossovern. Der Zweiteiler mit dem Kampf zwischen Iron Man und Sub-Mariner beginnt in Tales Of Suspense #79 und endet in Tales To Astonish #82. Die vorherige (Zweit-)Story endet in Spinne Nr. 10 (Mai 1974) und setzt sich in Rächer Nr. 88 (Juni 1978) fort. Das letztgenannte Abenteuer erschien zwar auch in den Hit Comics des bsv, aber auf drei Nummern (29, 33 und 37) verteilt, um zwei Halbseiten für die Einleitungstexte gekürzt und dann noch falsch als 3. Fortsetzung einer anderen, zuvor veröffentlichten Namor-Geschichte bezeichnet. Der Abschluss entfiel, weil der bsv kurzzeitig aus dem Druckverbund ausscherte.

Übrig blieben acht von zwölf Seiten, die der Williams Verlag in Spinne Nr. 11 quetschte. Ein für den Fan nicht hinnehmbarer Zustand! Hinzu kam, dass sich Klaus Recht mit Ewald Baluch und dessen Agentur verkracht hatte und es deshalb zu einer Übergangsphase mit grauenvollem Maschinenlettering kam. Angeblich soll das bei einer Weihnachtsfeier geschehen sein und Baluch weigerte sich, die bereits fertigen Druckvorlagen herauszugeben. Dadurch wechselte der Druckort wohl auch von Intergrafica Italien nach Deutschland.

Die Mehrkosten versuchte man durch eine Seitenreduktion aufzufangen. Der Umschlag wurde einfach weggelassen und alles auf demselben Papier gedruckt, welches qualitativ besser war als das bisherige, vom Umschlag abgesehen.

Wie auch immer, jedenfalls keinesfalls schön. Da lag es nahe, die fehlenden Seiten zu übersetzen und die Sprechblasen mit einer ähnlichen Schrift zu füllen. Der Abdruck erfolgte in Das sagte Nuff! Nr. 7. Für die Premium-Abonnenten gab es das Ganze als komplettes 12-seitiges Einzelheft in schwarzweiß ohne separates Cover. So konnte der geneigte Leser endlich das ganze Spektakel zwischen Tales Of Suspense #79 und #80 erleben und die bislang unvollständige Handlung nachvollziehen.

Irgendwie stand dieses Crossover unter keinem guten Stern, denn Gene Colan gab den Zeichenstift nach Seite 2 an Jack Kirby weiter, da er an einer Grippe erkrankt war, wie Stan Lee im Einleitungstext erwähnt. Stan wiederum ließ Roy Thomas das Abenteuer zu Ende schreiben.












Teil 20
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Sonntag, 3. Februar 2019

Wie alles begann… Die Verpackung macht's

Teil 18 - Familiäre Abendgestaltung
Versand ist ein ganz spezielles Thema. Die Abonnements sollten versandkostenfrei bleiben. Waren es anfangs nur ein paar Hefte, die ich eintüten und postbotensicher verpacken musste, stieg die Zahl rasch an. Es musste effizient, möglichst zeit- und kostensparend, aber gleichzeitig auch möglichst sicher und schnell gehen.

Da ich als Hartzi Stammkunde beim nahegelegen Lidl-Discounter geworden war, entdeckte ich bei einem Einkauf zufällig die Kartons mit den kartonierten Zwischeneinlagen der Margerine-Verpackungen. Format ca. Din A3 und damit perfekt für den Comic-Versand. Gut, aufpassen, dass da keine Fettflecken oder ähnliches drauf waren. Aber fortan legte ich die Dinger stapelweise bei jedem Einkauf mit aufs Band, was die Kassiererinnen eine Zeitlang verwirrte, sich aber schnell ein Gewöhnungseffekt einstellte. Immerhin wurde der Laden so einen Teil seines Papiermülls los.

Zuhause faltete ich die Teile in der Mitte. So waren die Hefte rundum geschützt. Die Nuffs selbst steckte ich in gebrauchte Comic-Schutzhüllen oder Leitz-Hüllen. Zwei Streifen Tesa zum Fixieren des umgeklappten Teils und weitere zum Festkleben in den gefalteten Margarine-Karton. Top, billig, schnell und perfekt. Damals kosteten Büchersendungen noch 70 Cent. Allerdings hatten die bis zu fünf Werktage Laufzeit und wurden stichprobenartig von der Post geöffnet und geprüft.

Um das zu vermeiden, bastelte ich Nuff-Redaktions-Labels, die einen Rückschluss auf den Inhalt boten. Außerdem versuchte ich, wenn möglich nicht zur Postagentur, sondern zur Außenstelle am Bahnhof mit dem Geschäftskundenschalter zu gehen, zu dem Privatkunden keinen Zugang hatten (außer zu den Postfächern). Dort gab es nämlich Kleber mit QR- oder Barcode statt Briefmarken. So waren die meisten Hefte bereits am nächsten Tag bei den Bestellern und Abonnenten.

Umschläge hatte Lidl kurzfristig zum Schulanfang 2005 im Angebot. Bei den Größen B4 und C4 schlug ich zu. Denn im 10er-Pack waren die so günstig, wie sonst nirgends und nie. Da die hiesige Postagentur gleichzeitig ein Schreibwarenladen war, kaufte ich dort die Musterklammern für den Verschluss der Sendungen. So blieben die Kosten überschaubar.

Hier muss ich zeitlich etwas vorgreifen, um die weitere Entwicklung darzustellen. Meine zweite, eigene Mietwohnung lag in der Stadtmitte. Im Erdgeschoß des Gebäudekomplexes gab es neben einer Spielothek ein Fahrschulbüro und die Außenstelle der Barmer Ersatzkasse. Als diese mit der GEK fusionierte, stellten die Angestellten massenweise Kartons mit Umzugs- und Verpackungsmaterial zur Altpapier-Abholung vors Haus. Darunter auch eine Menge kartonierter Umschläge mit Barmer-Aufdruck…

Dass die nicht bei der Müllabfuhr landeten, dürfte jedem Leser dieser Zeilen klar sein. Der sparsame, geschäftstüchtige Schwabe in mir trug die Kartons in den dritten Stock, faltete die Barmer-Versandtaschen von innen nach außen und füllte sie mit schönen Heften für den Versand als Büchersendungen.

Ich weiß nicht mehr, mit welcher Nummer es losging. Aber das Eintüten und die Versandabwicklung dauerten irgendwann zu lange für eine Einzelperson. Meine heutigen Schwiegereltern inklusive (Schwieger-)Onkel und Tante hatten in den 1980er und 1990er Jahren viel Heimarbeit gemacht und waren deshalb Profis, was Arbeitsaufteilung und Koordination anging. Die Runde beim Verpacken von Das sagte Nuff Nr. 7 habe ich noch deutlich in Erinnerung, vielleicht wegen der roten Umschläge. Wie auch immer, da saßen wir nun. Onkel tütete die Hefte ein, Schwiegerpapa klappte die Hüllen um und klebte sie mit Tesa zu, Schwiegermutter fixierte das Ganze auf ein Stück vorgeschnittenen Karton, meine heutige Frau packte es in die Umschläge und Tante und ich sorgten für die Versandlabels und den Verschluss mit Musterklammern. Nach getaner Arbeit erfolgte der Anruf beim italienischen Pizza-Lieferdienst und der Tag oder Abend schloss mit der gemeinsamen Nahrungsaufnahme. So ging das fix und dauerte zwei Tage weniger als zuvor, wenn ich als Einzelkämpfer den Abo-Versand stemmte.

Heute würde ich keine Büchersendungen mehr verschicken, da das Preis-/Leistungsverhältnis in keiner Relation steht. Ich glaube, dass ich zu Nuff-Zeiten mindestens zwei, wenn nicht drei Porto-Erhöhungen mitgemacht habe. Trotzdem ging das. Inzwischen hat man das Gefühl, dass die Post Büchersendungen absichtlich liegen lässt, so dass sie erst nach zehn bis vierzehn Tagen, zum Teil beschädigt, beim Empfänger ankommen. Das führt zwangsweise zu Unmut und Reklamationen. Service sieht anders aus.

Einen ganzen Stapel gebrauchter kartonierter Versandtaschen kaufte ich auf einer Comic-Börse von meinem Tischnachbarn, dem ehemaligen Chef der Seven Island Edition. Dieser hatte sich mit Verlag und Druckerei offenbar übernommen und versuchte irgendwie alles, was er noch hatte zu Geld zu machen. Über Jahre hatte er die Versandkartons in denen der Norbert Hethke Verlag seine Piccolo-Hefte und Sprechblase-Magazine verschickte, aufbewahrt. Kein besonders attraktiver Einkauf, aber wenn es hilft…

Teil 19
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Wie alles begann… Fake-News Marke Wiliams

Teil 17 - Digitale Spielereien
In Das sagte Nuff! Nr. 11 habe ich ausführlich über gewisse Personen geschrieben, mit denen es Probleme gab. Ein Fall nahm kurzzeitig besonders große Ausmaße an, so dass die Idee einer kleinen Retourkutsche, um nicht zu sagen Rache, aufkam. Am Telefon hatten Jörg und ich uns über das Verhalten eines bekannten Sammlers aufgeregt und deshalb beschlossen, etwas zu unternehmen. Wir kannten seine Gewohnheiten. Deshalb schlug ich einen Plan vor, den wir beide klasse fanden. Allerdings war uns das Ausmaß, das die Sache annehmen sollte, zu keiner Sekunde bewusst.

Ich nahm einen 100 Seiten Ös-Sammelband von Williams und setzte das Cover von Spinne Nr. 40 ein. Ein paar Schatten und Abnutzungsspuren noch digital eingefügt und fertig war ein Band Nr. 4, der jedes Sammlerherz höherschlagen lässt. Und weil’s eben so schön ist, gleich noch einen Marvel Superband mit einem Thor/Silver Surfer-Motiv von einem britischen Hardcover Annual dazu. Wow! Wenn’s das tatsächlich gäbe, würde ich es auch haben wollen.

In Band 28 sind laut der Legende Thor Nr. 31-33 von Williams drin und auf dem Innenumschlag Anmerkungen und ein Leserbrief mit Antwortschreiben der österreichischen Redaktion. So, oder so ähnlich… Alles völliger Quatsch. Denn in Wahrheit existieren nur Spinne 100 Seiten Nr. 1-2 und Marvel Superband Superhelden Nr. 1-7, 10-13 und 16-21 als Ös-Varianten.

Wir lancierten zwei Auktionen bei Ebay und boten zur Absicherung selbst mit hohen Beträgen, die kein Sammler zahlen würde, darauf. Dabei zeigte sich auch, wie wenig mancher Kandidat bereit war, auszugeben. Und das für Material, das zuvor nie aufgetaucht ist, also extrem selten sein musste.

Was haben wir uns nach Ablauf der Auktionen ins Fäustchen gelacht. Aber, wer hätte ahnen können, dass die Ebay-Bilder im Archiv der bsv-Fanseite integriert werden. Und, schlimmer noch, dank mangelhafter Recherche in den Comic-Preiskatalog aufgenommen werden sollten. Auweia! Naja, nicht unsere Schuld, wenn die Leute alles glauben, was sie am Bildschirm sehen und es nicht nachprüfen. Ich hätte die Sachen nur gelistet, wenn ich sie auch nachweislich in Händen gehalten hätte.


Teil 18
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Freitag, 1. Februar 2019

Wie alles begann… Williams Style

Teil 16 - Der Beob-achter
Bei meinen Ankäufen der Marvel Comics mit schwarzweißem Inhalt stieß ich auf die Stories von Uatu, dem Beobachter. Eine davon erschien auch in Deutschland. Obwohl ursprünglich eine Zweitgeschichte in den US-Heften des Silver Surfer, packte der Williams Verlag diese in die dritte Ausgabe der Fantastischen Vier. Allerdings war das ein Remake einer Story aus Amazing Adult Fantasy #8.

Da ich den Beobachter ohnehin im Magazin vorstellen wollte, fragte ich Marlies Gerson, ob sie nicht Lust hätte, eine kurze Comicgeschichte zu lettern. Nach ihrer Zusage und da sie offensichtlich Spaß daran hatte, wieder Texte in Sprechblasen zu kalligraphieren, stand der Kooperation nichts mehr im Wege. Ich schnappte mir das UK-Magazin Teriffic No. 30 mit der Entstehungsgeschichte aus Tales Of Suspense #53 und übersetzte das Ganze. Den getippten Text und schwarzweiß-Kopien mit leeren Sprechblasen schickte ich an Marlies.


Das, was da zurückkam, hatte wahrlich Williams-Flair. Das Fan-Herz machte Freudensprünge. Also, das Material digitalisiert, die Größe angepasst und einen irgendwo vergessenen Buchstaben digital ersetzt. Das kann und darf vorkommen. Der UK-Copyright Hinweis musste drinbleiben, da die Briten in der Nähe dieser Stelle den Kasten mit den Credits entfernten, der sich mangels Originalausgabe nicht wieder einfügen ließ. Als farbige Vorlage hatte ich nur einen US-Nachdruck mit diesem großen gelben Pfeil-Kasten im unteren Teil.

Egal, das sah einfach nur geil aus! Und wir hatten eine deutsche Erstveröffentlichung. Die dazu noch schöner war als der Marvel Deutschland-Nachdruck von Tales Of Suspense #52 mit der vorhergehenden Uatu-Geschichte in knalligen Farben und dem üblichen Panini-Maschinenlettering. Marlies setzte den Trennstrich absichtlich an die falsche Stelle, da es optisch einfach besser wirkte. Den Abdruck der Geschichte gab es dann in Das sagte Nuff! Nr. 4 zusammen mit ihrem Interview.






Teil 17
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Wie alles begann… Die Einladung

Teil 15 - Freispruch oder Knast?
Da stand ich nun, vor der Panini-Zentrale in Stuttgart, dem ehemaligen Gebäude des Dino Verlags, den Panini übernommen hatte. Ich dachte, jetzt bin ich dran, von wegen Copyright und so. Immerhin hatte ich zahlreiche Abbildungen als Bildzitate verwendet. Das ist bei Titelbildern von erschienenen Comics kein Problem. Anders sieht es bei freigestellten Figuren aus. Und davon waren jede Menge im ersten Heft. Der Hulk auf dem Cover und auf der Rückseite, Spider-Man, Thor, Namor der Sub-Mariner, die Rächer usw. Mit Dracula als literarischer Figur wäre ich vielleicht noch durchgekommen, aber auch die abgebildeten ganzen Comicseiten aus Williams- und bsv-Heften waren problematisch.

Steffen Volkmer führte mich an Frank Zomberdijk vorbei in einen großen Besprechungsraum, wo unter anderem Toni Verdini und Max Müller platznahmen. Oje, oje, dachte ich. Das war’s mit der Schreiber-Karriere. Handschellen, Knast, Strafzahlungen…

Gottseidank entpuppte sich das Ganze als Vorstellungsgespräch für den Posten als Nachfolger von Steve Kups (der allerdings nicht genannt wurde, aber ich konnte mir zusammenreimen, um wen es ging). Leider kamen wir nicht wirklich zusammen, da das Angebot zwar interessant war. Hey, ich hätte bei Marvel Deutschland gearbeitet! Aber ein immenser Aufwand mit Betreuung des Panini-Forums, der Redaktionsseiten in den Heften und weiteren zeitintensiven Sachen gewesen wäre. Das stand in keinerlei Relation zu den Verdienstaussichten. Denn als "freier Mitarbeiter" wäre ich nicht aus der Hartz 4-Falle rausgekommen. Schweren Herzens musste ich sagen, dass das nicht geht. Vollzeitjob Tag und Nacht, private Krankenversicherung etc. Das hätte ohne staatliche Zusatzleistungen nicht funktioniert.

Panini hatte mich nun zwar unter Beobachtung, ließ mich aber weiterhin gewähren. Denn ein Schaden entstand nicht wirklich. Im Gegenteil, aktuelle klassische Veröffentlichungen wie Dracula (Marvel Horror), Spider-Man komplett oder die Marvel Exklusiv-Bände hätte mancher Leser und Käufer ohne die Hinweise im Nuff-Magazin sicherlich nicht mitbekommen. Und diese Klassiker lagen alle im hochpreisigen Segment.

Vom Nuff Hulk-Cover der Nr. 1 hatte ich auch Postkarten drucken lassen. Das hatte ich bis zum Schreiben dieser Zeilen ganz vergessen. Zumal es davon keine mehr im Archiv gibt. Von der Bestellkarte der Zweitauflage mit dem Sub-Mariner Titelbild sind noch ein paar wenige Exemplare vorhanden. Zehn davon hatte ich an Marvel-Zeichner und Altmeister Gene Colan geschickt, die er unterschrieben zurücksendete. Zusammen mit einem Zweitauflagenheft und einer Nr. 2, auf der er die Rückseite mit der Werbung für Nr. 3 (Daredevil-Cover) signieren sollte.

Das hatte er offenbar nicht richtig verstanden und unterschrieb auf der Vorderseite bei den Fantastischen Vier, gezeichnet von Jack Kirby. Lustig, dass so etwas Ähnliches Jahre später in einer Folge der TV-Serie "Big Bang Theory" übernommen wurde. Dort sollte Stan Lee Hefte von DCs Superhelden Superman und Batman (vielleicht auch Flash oder Green Lantern) unterzeichnen, denn das wären dann wertvolle Unikate, die sonst keiner hat. Gute Idee, Sheldon Cooper!

Gerhard Schlegel kolorierte auch die Nr. 3. Leider war er noch nicht fertig, als die Nr. 2 mit der Ankündigung auf der Rückseite in Druck ging, weshalb das Motiv auf die Schnelle nur cremefarbig unterlegt werden konnte. Das tatsächliche Produkt sah dann aber toll aus. Die Idee mit dem Wendecover, jeweils im bsv- und Williams-Stil, entstand, um die Einheitlichkeit der Cover zu gewährleisten. Ich packte das Vorwort auf die hinterste Innenseite auf den Kopf gestellt und baute einen Querverweis zum Manga-Boom, wo die Comics tatsächlich von hinten nach vorne gelesen werden müssen, ein.

Dass die Entscheidung für die Magazin-Form, trotz aller Vorab-Kritik von außen, die richtige war, zeigte die Interaktion mit den Lesern. Insbesondere der Marvel-Pass von Williams war bis dato ein Mysterium, das keiner meiner Bekannten aus der Sammler- und Händlerszene gesehen, geschweige denn in Händen gehalten hatte. Auf einmal erhielt ich zahlreiche Mails mit Fotos der Pässe und auch den einen oder anderen Brief mit Fotokopien eines Originals mit dem Bild und der Unterschrift des jeweiligen Besitzers.

Das dritte Heft zeigte im Innenteil u.a. die Eröffnungsseite von "Batrocs Blitzkrieg" aus Tales Of Suspense #85. Ich hatte den geletterten Text aus dem betreffenden Kung Fu-Taschenbuch in das schwarzweise Originallayout eingesetzt, inklusive besserer Platzierung und entsprechenden Textumbrüchen, da ich die Präsentation im Taschenbuch mit zwei-drei sich überlappenden Panels im Zweifarbdruck, einfach furchtbar fand. Verständlich, dass ich nicht nur eine, sondern alle zehn Seiten der Captain America-Story in dieser Form bearbeitet hatte. So fehlte auch kein Panel mehr. Leider zeigt das Originalcover Iron Man, der sich in den USA Tales Of Suspense mit dem Cap teilte. Da es sich um einen einzelnen Zufallstreffer handelte, denn der Williams Verlag brachte keine weiteren Abenteuer des US-Patrioten, passte das Titelbild von Tales Of Suspense #75 auch ganz gut.

Din A3-Farbkopien und -Ausdrucke waren schweineteuer. Um mein eigenes Heft zu finanzieren, suchte ich neun Gleichgesinnte, um die Herstellungskosten zu decken. Im nahegelegenen Copy-Shop produzierte ich zwölf Exemplare, wovon eines auf irgendwelchen obskuren und nicht nachvollziehbaren Wegen in den USA gelandet ist und auf einer Website als Bootleg-Edition vorgestellt wurde. Für 2005 konnte sich das Ergebnis durchaus sehen lassen.


Die restlichen Hefte verschwanden in den Sammlungen und sahen nie das Licht der Öffentlichkeit. Außer meinem eigenen Exemplar blieb kein Gewinn. Die Arbeitsstunden, die darin steckten, konnte ich auch nirgendwo abrechnen. Aber ich hatte ein Cap-Heft nach meinen eigenen Wünschen. Ab in die Kiste, damit bloß keiner das handgetackerte, selbstgefalzte und selbstgeschnittene Teil sieht. Alle klassischen Marvels in dieser Form zu haben, oder zumindest die seltenen oder außer der Reihe erschienenen, wäre ein Traum. Das ist allein in einem Leben vermutlich nicht zu schaffen.

Teil 16
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Mittwoch, 30. Januar 2019

Wie alles begann… Boom oder Hype?

Teil 14 - Die Rückkehr der Klassiker
Als Vereinskassenwart und einziger Versandmitarbeiter hatte ich zwar immer noch keinen Job, aber tägliche Aufgaben. Die Post AG akzeptierte den Verein als Geschäftskunden, so dass kein Bargeld mehr floss, sondern das Porto direkt vom Vereinskonto eingezogen wurde. Einmal Karte durchgerutscht und fertig. Meinen privaten Ebay Im- und Export hatte ich einstellen müssen. Zur Marvel-Forschung und Erstellung weiterer Artikel für "Das sagte Nuff!" waren Rezensionsexemplare von Marvel Deutschland bzw. Panini, Original US-Hefte, Marvel Masterworks und Hefte aus dem europäischen Druckverbund jedoch unerlässlich.

Die Kontobewegungen dafür wären zu heftig gewesen. Der Verein brauchte einen Ebay-Account, nur so konnte es weitergehen. Und tatsächlich, es funktionierte. Dank Paypal hielten sich Einnahmen und Ausgaben übersichtlich die Waage. Die Abos koppelte ich an die Mitgliedschaft im Verein und an die Mitgliedsbeiträge. Das ist auch der Grund warum die Erstausgabe keinen Preisaufdruck hat. Und eigentlich wollte ich es so belassen. Doch es machte den freien Verkauf schwer, insbesondere für die Comic-Händler.

Während die Nr. 2 in den Startlöchern stand, nahm der Bestand an Nr. 1-Heften gewaltig ab. Irgendwann war klar, dass die 500 Exemplare der Erstauflage nicht mehr lange reichen würden. Gerhard Schlegel hatte das Cover der Nr. 2 mit den Fantastischen Vier bereits koloriert und der Inhalt war dank des einst geplanten FV-Artikels für Martin Jurgeit weitestgehend fertig. Das ist auch der Grund, warum das Kapitel FV ausführlicher ausfällt als die Einführungsartikel von anderen Marvel-Superhelden im Magazin.

Was nicht funktionierte war Lastschrifteinzug. Der Vorgang wäre einfach zu aufwändig und kompliziert gewesen. Zudem wollte ich keine Abos, die automatisch fortlaufen. Der Jahresbeitrag von 2005 war deshalb für die ersten beiden Hefte vorgesehen und musste für die kommenden vier zum Jahreswechsel erneuert werden. So hätte ich aus der Nummer halbwegs schadenfrei aussteigen können, falls es doch in die Hose geht.

Die Einnahmen von Das sagte Nuff! Nr. 1 reichten zur Finanzierung des Drucks der Nr. 2. Auch davon ließ ich zunächst 500 Exemplare produzieren. Dank Panini/Dino hatte ich das neue deutsche MAD im Presseabo. Als Daniel Gramsch für einen Freund zum Geburtstag Nuff #1 bestellte, fragte ich ihn direkt, ob er nicht Lust hätte, ein Nuff-Titelbild zu kolorieren. Immerhin kannte ich seine Arbeiten aus dem MAD-Magazin und wusste, was er draufhatte. Gesagt getan, Daniel färbte das Sub-Mariner Bild von Gene Colan und Bill Everett nach meinen Wünschen ein.

Ich wollte das Monster in Grün wie in den farbigen Hit Comics und Lady Dormas Höschen wie bei Williams in den Zweitstories aus Die Spinne. Wow, sah das fertige Cover geil aus! Absichtlich falsch koloriert wirkte es noch beeindruckender als das US-Original. Von einem 1:1-Nachdruck des ersten Magazins hätte ich maximal noch hundert weitere Exemplare unters Volk bringen können. Mit dem Sub-Mariner Titelbild und der zugehörigen Werbepostkarte waren es einige mehr.

Als ich die Erstauflage vergriffen meldete, explodierten die Preise förmlich. Die eine oder andere Auktion bei Ebay hatte ich unter Beobachtung, selbst jedoch keine Exemplare eingestellt. Da boten sich die Interessenten auf über 60 EUR hoch, obwohl das Teil bei einigen Händlern noch für 7-10 EUR in den Listen stand und dort auch nachweislich vorrätig war. Verrückte Welt!

Irgendwie war Das sagte Nuff! auch ein Rezensionsbeleg. Also blieb es nicht aus, dass ich Steffen Volkmer von Panini ein Belegexemplar der Nr. 1 zuschickte. Der bat mich dann zu einem Termin in die, wie er schrieb "heiligen Hallen" der Verlagszentrale in Stuttgart. Mir schwante Übles…

Teil 15
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Wie alles begann… Die Bombe platzt!

Teil 13 - Nuff ist da!
Die Gründung eines Vereins war kein Problem, denn sieben Gleichgesinnte fanden sich schnell. Ich übernahm die Rolle des Kassenwarts. Das Impressum der Erstausgabe wurde entsprechend angepasst. Mit Releasedate August 2005 hatte ich genügend Vorlauf, um die tatsächlichen Hefte rechtzeitig in Händen zu halten.

Die Geschichte mit der Druckereiauswahl habe ich an anderer Stelle schon mehrfach erzählt. Die ortsansässige Druckerei war nach ewiger Warterei meinerseits auf den Kostenvoranschlag und einem Preis, für den ich hätte das Ganze auch von Mönchen mit Tinte und Feder vervielfältigen lassen können, keine Option mehr. Allerdings kostete mich das zwei Wochen, ehe ich weitere Angebote einholte. Eine katholische Gemeindebriefdruckerei machte ein sehr günstiges Angebot. Letztlich entschied ich mich aber für einen Betrieb im Rheinland.

Was Preis und Qualität anbelangte, war ich sehr zufrieden. Auch wenn das Sonderformat in Williams-Heftgröße Umstände und zusätzliche Kosten bereitete. Es war eben kein Standard Din A4 mit 40 Seiten. Der Druckerei blieb ich über die gesamten fünf Jahre treu. Nur bei der Nr. 8 ging einmalig etwas schief, ließ sich aber durch Auflagenhöhe und Entgegenkommen seitens des Verursachers bewältigen.

Als Zeitfresser offenbarten sich die Proofs im Din A3-Format. Da brauchte die Post ewig für die Zustellung. Aber immerhin konnte ich die Freigabe per Fax rauslassen. Email-Signaturen waren noch nicht gültig. Die späteren Proofs waren digitale PDFs, was eindeutig besser und schneller funktionierte. Die aus heutiger Sicht lächerliche Datenmenge der Druckdateien musste per CD verschickt werden, ISDN und DSL hatten noch nicht die Kapazitäten dafür.

Welch ein Erlebnis war es, als der Paketdienst die Palette anlieferte. Das erste eigene Heft zu fühlen, zu riechen und zu halten. Das war großartig. Mein Vermieter fand es allerdings nicht so toll, dass sich die Kartons an der Seite des Treppenaufgangs auf jeder Stufe stapelten. Aber er musste sich gedulden. Ebenso wie die Vorab-Besteller, die ich auf meiner Liste hatte. Im Netz hatte ich das Magazin bereits angekündigt. Es dauerte aber noch Tage und Wochen ehe die Sparkasse die Unterlagen geprüft hatte und das Vereinskonto freischaltete.

Wichtig waren jetzt Werbemaßnahmen. Ich telefonierte mit Norbert Hethke und nach gewissem Zögern bekam ich eine Seite im nächsten Comic-Preiskatalog zugesprochen. Der Deal war, dass er für die Sprechblase einen fertig layouteten Artikel über die verschollene Horror Nr. 7 bekam. Ich glaube, Hethke gefiel, dass ich Mut bewies, denn der große Verleger gewährte die Anzeige auf mein Nachhaken hin vollfarbig. Zu Werbezwecken verschickte ich bundesweit an die namhaften Comic-Händler einzelne mit "Probeexemplar" gestempelte Hefte. Viele orderten kleine Mengen und akzeptierten Vorkasse. Mahnungen wollte ich keinesfalls verschicken. Der selige Kurt Werth war der einzige, dessen Hefte mangels Zahlung nie rausgingen und eine gefühlte Ewigkeit versandfertig dalagen, ehe ich sie irgendwann wieder auspackte.

Eine bezahlte Anzeige schaltete ich in "Comics & mehr". Rüdiger Schuster und Andreas Küpper erklärten sich bereit, die Hefte auf Comic-Börsen mitzunehmen. Die beiden behaupteten später, sie hätten an manchen Tagen mehr Exemplare von "Das sagte Nuff!" verkauft als von ihren anderen feilgebotenen Comics.

Nicht ganz so einfach ließ sich Frieder Maier von der Sammlerecke überzeugen. Mit einem weiteren Prototyp, diesmal in Farbe, wurde ich frühzeitig vor Drucklegung bei ihm vorstellig und nagelte ihn auf seine Großspurigkeit in einem Interview fest. Ich glaube, es war in der Sprechblase abgedruckt, dass er von jedem in Deutschland erschienenen Comic mindestens ein Exemplar in seinem Laden verfügbar haben wollte. Eher missmutig meinte er "Jaja, dann bringsch halt mal zehn Stück!". Es dauerte nicht lange und er orderte hundert von jeder Folgenummer.


Nuff #1 verkaufte sich wie geschnitten Brot. Es war das Magazin, das ich selbst immer lesen wollte, aber kein Mensch sich die Mühe machte, es zu veröffentlichen. Gut, dass das Vereinskonto getrennt von meinem privaten war. Denn die Jobbörse hätte den Umsatz garantiert gepfändet. Bei einer Lieferung, die ich in Esslingen vorbeibrachte, fragte ein Sammlerecke-Mitarbeiter, ob denn mein Rolls Royce schon draußen stünde. Das Magazin schlug ein wie eine Bombe.

Teil 14
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