Montag, 18. Februar 2019

Wie alles begann… Neu! Deutsche Erstveröffentlichung!

Teil 32 - Condor Teil 1
Jetzt breche ich mal eine Lanze für Wolfgang M. Biehler und seinen Condor Verlag. In den 1980er Jahren war er prägend und omnipräsent in den Comic-Regalen. Man kann viel kritisieren, aber letzten Endes zählen doch die Verkaufszahlen. Und die fielen verdammt hoch aus in der Statistik. Eine der lustigsten und gleichzeitig spannendsten Geschichten der Fantastischen Vier hatte Williams mangels verfügbarem Material auslassen müssen. Condor hingegen konnte ein paar Jahre später auf die Vorlagen der US-Nachdrucke zurückgreifen.


So kam u.a. Fantastic Four #5, wo Dr. Doom die FV mit seiner Zeitmaschine in die Vergangenheit schickt, zum Abdruck. Eine deutsche Erstveröffentlichung, da auch der bsv diese nicht in seinem Hit Comics-Repertoire hatte. Die Präsentation im ersten FV-Taschenbuch mag nicht die beste gewesen sein, aber mir blieb das Piraten-Abenteuer mit dem Ding als Blackbeard stets in Erinnerung. Und ich muss noch immer schmunzeln, wenn ich daran denke.


Ebenso geil und prägend fand ich den Storybogen "Hexenzeit" im siebten Spinne-Taschenbuch aus Marvel Team-Up #41-45. Auch hier ist Dr. Dooms Zeitmaschine beteiligt. Spider-Man findet sich im Jahr 1692, zur Zeit der großen Hexenjagd von Salem, wieder. Waren viele Team-Ups zuvor eher langweilig und dröge, haute dieser Mehrteiler richtig rein. Scarlet Witch, Vision, Dr. Doom, Moondragon plus zeitgenössische Charaktere wie Cotton Matter und John Proctor nebst unserem freundlichen, wandkrabbelnden Nachbarn. Einfach klasse!

Auch der andere Storybogen um Polizeichefin Jean DeWolff und ihrem Bruder Brian auf den vorherigen Seiten desselben Taschenbuchs gefiel mir gut. Dieser spielt originalchronologisch (Marvel Team Up #48-51) nach den Hexenereignissen, aber sei's drum. Sal Buscema hatte nie die zeichnerischen Qualitäten seines Bruders John, produzierte aber solide Werke bei den Rächern, Hulk und den Spider-Man Nebenserien. Von daher finde ich persönlich, dass die Formatverkleinerung auf Taschenbuchgröße seinen Zeichnungen schmeichelt und die eine oder andere Holprigkeit kaschiert.

Ebenfalls toll waren für mich die Geschichten des Hulk aus den jeweils ersten beiden Spinne- und Hulk-Taschenbüchern. Einen Teil davon kannte ich zwar schon aus den Williams- und bsv-Marvel Comics, aber so konnte ich z.B. Tales To Astonish #79-91 am Stück lesen. Das hatte schon was. Hinzu kamen ganz frühe Sachen, die Williams ausgelassen hatte. Die Origin aus der ersten US-Serie des grünen Riesen aus #3, sowie zwei weitere Stories aus Incredible Hulk #5 und 6.

Doch Klassiker waren nicht wirklich das Ding von Wolfgang M. Biehler und seiner Mannschaft. Vermutlich lag der Vergleich mit den schöneren Williams-Ausgaben zu nah und die Naivität der frühen Zeichnungen von Jack Kirby oder Steve Ditko war längst nicht mehr zeitgemäß. Auch die Farbgebung ließ zu wünschen übrig. Ein besonders übles Beispiel ist das erste Album der Fantastischen Vier. Aber auch die ersten Taschenbuchausgaben zeigten sich nicht viel besser.

Condor verabschiedete sich also schnell vom klassischen Marvel-Material und schwenkte auf aktuelleres um. Das konnte man immerhin als "Deutsche Erstveröffentlichung" groß in Signalfarben auf den Titelbildern bewerben. So blieben Lücken, die zum Teil bis heute nicht geschlossen wurden. Biehlers Mannschaft hütete sich auch davor, sich mit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften anzulegen.


Ein Antrag auf Indizierung lag z.B. für Die Fantastischen Vier Comic-Album Nr. 3 vor. Das erzählte mir Hajo F. Breuer einmal bei einem Telefonat. Ich dachte sofort an die Zweitstory mit dem Hatemonger, der sich am Ende als Adolf Hitler bzw. eines seiner Doubles entpuppt. Doch weit gefehlt, jemand hatte sich an der Darstellung der vier Reiter der Apokalypse gestört. Die Leute bei Marvel USA konnten das überhaupt nicht nachvollziehen, schließlich wären weder Blut noch irgendwelche Eingeweide zu sehen gewesen. Jedenfalls konnte Hajo durch ein von ihm aufgesetztes Schreiben nachweisen, dass der Comic harmlos war und somit eine Indizierung abwenden.

Dennoch war Condor gewarnt. Zukünftig gab es Cover-Retuschen (z.B. Die Spinne Nr. 9 und 51), überdeckte Panels mit Text im Inhalt (FV Taschenbuch Nr. 5) oder es wurden Teile entfernt oder Bildausschnitte vergrößert. Den Punisher ließ man trotz Werbe-Vorankündigung als Spinne Nr. 12 erstmal ganz weg und schwenkte von Amazing Spider-Man auf dessen Nebenserien Peter Parker The Spectacular Spider-Man und Marvel Team-Up um.

Williams hatte sich mit der Prüfstelle angelegt und erfuhr in mindestens drei Fällen eine Indizierung. Dracula Nr. 5, Frankenstein Nr. 5 und für die zuletzt erschienenen Kung Fu-Taschenbuch Ausgaben mit den Söhnen des Tigers aus Deadly Hands Of Kung Fu. So etwas kann geschäftsschädigend sein, was die Condor-Mannschaft möglichst vermeiden wollte.

Teil 33
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Samstag, 16. Februar 2019

Das Marvel Hochzeitsalbum

Zwischendurch mal eine kleine Rezension. Kurz vor dem Valentinstag veröffentlicht Panini "Das Marvel Hochzeitsalbum". Allein schon der Schutzumschlag erinnert mich an die Einladungskarten zu meiner eigenen Hochzeit. Dickes Büttenpapier mit Goldprägung und das Motiv von Amazing Spider-Man Annual #21 aus der Feder von John Romita sr. Anno 1988 bei Condor als Die Spinne Nr. 155 erschienen, haute das Cover mich schon damals um. Zwar verwendet Panini die Superhelden-Variante statt der mit Peter Parker, aber es sieht einfach geil aus. Vorne mit Herzchenschlitz für das Hochzeitsbild und hinten auf dem Umschlag in Gold geprägt, herrlich.

Inhaltlich ist es eine nette Zusammenstellung von den frühen Klassikern bis zu Deadpools Hochzeit im Jahr 2014. Der für mich interessante Teil wie etwa die Hochzeit von Reed Richards und Sue Storm aus Fantastic Four Annual #3 (zwischen FF # 43 und 44) war früher richtig selten, erscheint mit der vorliegenden Ausgabe nach Hachettes Offizieller Marvel-Comic-Sammlung Classic IV, Paninis Marvel Klassiker Fantastic Four und der Stan Lee Anthologie bereits zum vierten Mal innerhalb relativ kurzer Zeit. Ähnlich ist es bei den Rächern. Hank Pym alias Yellowjacket ehelicht Janet van Dyne in der vorliegenden Fassung, erstveröffentlicht in Die Offizielle Marvel-Comic-Sammlung Classic XII zum zweiten, bsv Hit Comics und Williams Rächer mitgezählt, zum vierten Mal.

Der gesamte Inhalt umspannt die meisten Marvel-Helden, die in all den Jahren vor den Altar gingen: Fantastic Four Annual #3 (1965), Avengers #59-60 (1968), Giant Size Avengers #4 (1975), Incredible Hulk #319 (1986), Amazing Spider-Man Annual #21 (1987), X-Men #30 (1994), New Avengers Annual #1 (2006), Black Panther #18 (2006), Astonishing X-Men #51 (2012), Deadpool #27 (2014).

Alles in allem ein netter Zeitvertreib mit Unterhaltungswert. 324 Seiten zum Preis von 29.- EUR sind nicht nur angemessen, sondern aufgrund der Aufmachung als Hardcover mit Schutzumschlag und Prägedruck wirklich günstig. Somit kann ich hier eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, nicht nur für Verliebte, aussprechen.

Wie alles begann… Hit Comics über alles

Teil 31 - Objektivismus
Spider-Man Zeichner Steve Ditko war ein Anhänger des Objektivismus, einer Einteilung in Schwarz und Weiß bzw. Gut und Böse usw.  Während ich diese Lebenseinstellung nicht teilen kann, bin ich doch vernarrt in die klassischen Hit Comics des Bildschriftenverlags. Über 151 Ausgaben plus je ein Heft von Captain Marvel, Die Fantastischen Vier, Die Rächer und Die Spinne mit schwarzweißem Inhalt erschienen zwischen 1966 und 1970. Während in den Sprechblasen oft Mumpitz stand, waren die Zeichnungen beeindruckend. Comic-Künstler wie Gene Colan, John Romita sr., John Buscema, Steve Ditko und vor allem Jack Kirby präsentierten ihre Werke in voller Blüte.

Zwar gab es übertriebene Retuschen, wenn z.B. zusammen mit den Sprechblasentexten auch die Brust-4 der Fantastischen Vier entfernt wurde oder die Seitenzahlen und Soundwords, aber es wurden keine Sprechblasen vergrößert, wie es später bei Williams oft der Fall war. Auch die Druckvorlagen hatten meist eine bessere Qualität als Jahre später, wenn die gleichen Geschichten erneut zum Abdruck kamen.


Das verwendete Papier sog die schwarze Druckfarbe so in sich auf, dass die Strichstärke einen wunderbaren Kontrast zum Hintergrund bildete. Wie schwach sind da die restaurierten Sachen, die Marvel USA mit vorhandenen Mitteln reproduziert hat und dies immer noch tut. Vince Collettas Tuschezeichnungen bei Thor oder Sub-Mariner sind da ein gutes, schlechtes Beispiel. Er neigte dazu, dünne Tuschefedern zu verwenden, was häufig zu fehlenden oder abgerissenen Linien in den Nachdrucken führt. Farbe kann das nicht ausgleichen.


War für mich als junger Leser die Entdeckung der Williams-Marvels eine Freude gewesen, so hauten mich die schwarzweißen Hit Comics vollends vom Hocker. Früher war alles besser, sagt man. Meiner Empfindung nach ja. Denn aufgewachsen bin ich nicht im Golden Age oder Silver Age der Comics, sondern im Zeitalter des Condor Verlags, welches manche Marvel-Fans zynisch als "Dark Age" der Comics bezeichnen. Rückblickend war Condor nicht so schlecht, aber verglichen mit seinen Vorgängern qualitativ ein deutlicher Abfall, was Übersetzungsleistung und Präsentation anbelangt.

Im Comic Guide-Forum forderte ein Mitglied einmal einen kompletten Nachdruck aller Hit Comics. Wie geil wäre das? Denn die Originale sind zum Teil nicht nur schweineteuer, sondern auch reichlich vergilbt. Nach über einem halben Jahrhundert ist das säurehaltige Papier meist bräunlich durchfärbt, so dass der ursprüngliche Kontrast gelitten hat. Der Flair der ersten deutschsprachigen Marvel Comics bleibt dennoch unerreicht. Eine Reproduktion der ganzen Serie gleicht einer Lebensaufgabe. Der Gesamtumfang ist einfach zu groß. Zudem würden mich die falsche Chronologie und die Lücken darin stören.


Auch die Leimung  der Hit Comics ab Nr. 60 erschwert eine Reproduktion. Es ist kaum möglich, alle Comicseiten zu digitalisieren ohne dabei die Hefte zu zerstören. Knapp 9000 schwarzweiße Seiten, die der bsv in den ersten fünf Jahren veröffentlichte, sind dann doch eine große Hürde. Ein Komplett-Nachdruck wäre dennoch ein Traum.

Teil 32
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Mittwoch, 13. Februar 2019

Wie alles begann… Tierhaarintensiver Raucherhaushalt

Teil 30 - Die Vertriebspleite
Die nächste Story kann ich nicht erzählen, ohne Namen zu nennen. Wo fange ich an? Am besten vielleicht am Schluss. Der aufwändige Abo- und Einzelheft-Versand war ein Zeitfresser. Selbst mit Einspannen der Familie dauerte es noch zu lange. Seit Das sagte Nuff! Nr. 1 hatte ich mir auf verschiedenen Comic-Börsen einen Tisch mit Tommi und Danni vom Intercomicshop geteilt. Mehr als einen halben brauchte ich anfangs nicht und finanziell hätte sich das auch nicht gelohnt. Es ging eher darum, Präsenz zu zeigen und neue (Abo-)Kunden zu gewinnen.

Ich weiß nicht mehr genau, wie der Kontakt zustande kam. Tommi war Halb-Kroate, glaube ich und ein Gauner, wie er im Buch steht. Zwei Kinder, keinen Führerschein und keinen richtigen Job. Und eigentlich hieß er Gottfried. Sein Traum war es, einen eigenen Comicladen zu betreiben. Ein Typ, mit dem man viel Spaß haben kann. Als Frau würde ich mit ihm jedoch keine Beziehung eingehen wollen. Anders Danni, sie träumte von Familie und Heirat. Tommi war ihr Traummann.

In ihrer Wohnung betrieben die beiden einen Comic-Versand. Danni hatte einen Bürojob bei einer großen Spedition und Tommi passte tagsüber auf die Kinder auf. Ihre Spezialgebiete in Sachen Comics waren US-Neuware und Zubehör. Dafür hatten sie einen treuen Stamm von regelmäßigen Abo-Kunden. Der Bezug der Ware über einen Großhändler schien gut zu laufen und der Superhelden-Boom war noch nicht abgeebbt.

Danni hatte mindestens drei oder vier Katzen, die es sich unter anderem auf den Shortboxen im höchsten Regal des "Comic-Zimmers", wie sie es nannten, gemütlich machten. Ich besitze heute noch ein paar Boxen mit entsprechenden Krallenspuren auf den Deckeln. Der gemeinsame Stand auf den Börsen war für beide Seiten von Vorteil. Die Kundschaft kaufte Zubehör bei Tommi und Danni während die aufgestellten Das sagte Nuff!-Hefte auf einem umfunktionierten Ikea-Metall-Schuhregal, welches als Ständer diente, einen Blickfang darstellten.

Auch ich orderte zu dieser Zeit Schutzhüllen, Backing Boards und was man als Comic-Sammler noch so braucht, bei den beiden. Marvel Masterworks, Essentials und anderes. Die Geschäfte liefen. So schien es zumindest. Als ich einmal über den zeitintensiven Versand klagte und meinte, dass ich mich gerne mehr dem Heft-Machen statt Heft-Verpacken widmen würde, bot Tommi an, den Abo- und Einzelversand komplett zu übernehmen. Da er sowieso täglich mit der Post zu tun hatte, war das ein Deal.

Was ich nicht ahnte, war dass die beiden vor der Pleite standen. Danni war zum dritten Mal schwanger und verlor durch Tommis krumme Geschäfte ihren Hauptjob bei der Spedition. So kam es, dass von Das sagte Nuff! Nr. 10 nur die Hälfte der Abos und Vorbestellungen rausgingen. Die Reaktionen auf das Chaos kann man in ein paar der abgedruckten Leserbriefe in der Folgenummer nachlesen. Trotz einer exakt ausgearbeiteten Liste, wer was mit welchem Zusatzmaterial bekommen sollte, ging die Aktion voll in die Hose und nach hinten los.

Mir blieb nichts anderes übrig, als das fehlende Material selbst zu versenden und die Kisten mit den Heften bei Tommi und Danni nach einer Weile wieder abzuholen. Auf Emails und Anrufe reagierten die beiden nicht. Gut, dass ich nicht alles ausgelagert hatte. Ansonsten hätte es schlecht ausgesehen und ich hätte selbst gar nichts verschicken können. Ich nahm mir also einen freien Tag und fuhr zur Wohnung meiner Vertriebsassistenten.

Und was musste ich da erleben? Klingel ausgeschaltet, Rollläden unten, Briefkasten bis zum Anschlag voll mit Rechnungen. Ich ging einmal ums Grundstück und sah, dass die Terrassentür einen Spalt geöffnet stand. Danni rauchte von drinnen nach draußen und das hochschwanger. Jedenfalls konnte ich eintreten und sie meinte: "Er ist im Comic-Zimmer". Tatsächlich, Tommi saß da und zockte am Computer irgendein Ballerspiel. Da die beiden auch selbst Nuff-Hefte verkauft hatten, blieben ein-zwei Rechnungen offen. Schriftlich gab es nichts, soweit ich mich entsinne. Ich lud die verbliebenen Kisten ein und zog meiner Wege.

Tommi und Danni waren zuvor sehr aktiv im Internet gewesen, z.B. im Comicguide-Forum und bei einer Seite mit angeschlossener Superhelden-Datenbank. Diese Aktivitäten hatten sie gänzlich eingestellt. Schade, dass alles so endete. Denn auf den Börsen hatten wir viel Spaß und zischten das eine oder andere gemeinsame Bierchen. Finanziell war es ein Verlust und menschlich eine Enttäuschung. Vielleicht war das auch ein Mitgrund, warum der zeitliche Abstand zwischen Das sagte Nuff! Nr. 11 und 12 letztlich so groß ausfiel.

Ich bin den beiden schon lange nicht mehr böse und hoffe, dass sie irgendwie noch die Kurve gekriegt haben. Immerhin ist das Ganze mittlerweile zehn Jahre her. Einen Kontakt möchte ich nicht, auch wenn es schön wäre, über die alten Zeiten zu plaudern. Zumindest über den Teil, der lustig war.

Teil 31
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Dienstag, 12. Februar 2019

Wie alles begann… Das beste Marvel Fan-Magazin der Welt!

Teil 29 - Das Layout
Vor allem die ersten beiden Hefte von Das sagte Nuff! fielen sehr textlastig aus. So kam ich auf die Idee, freigestellte Figuren, Symbole und anderes in Hellgrau hinter den Text zu platzieren. In der ersten Fassung, zumindest im schwarzweißen Prototyp, war hinter dem Editorial-Intro Spider-Man vom Cover der 100. US-Ausgabe zu sehen. Im endgültigen Druck hat es irgendwie die Ebenen verhauen, so dass die Zeichnung von John Romita sr. verschwand. Erst auf dem Titelbild von Das sagte Nuff! Nr. 6 konnte ich die Abbildung präsentieren.

Zwar beschwerte sich der eine oder andere Leser, dass durch den grauen Hintergrund der Text teilweise schlecht zu lesen sei, aber es hatte auch den Vorteil, dass man ihn nicht so einfach kopieren konnte. Auch habe ich am Anfang vieles in der Größe nicht angepasst, sondern im Format belassen, so dass abgebildete Panels über die Seitenmitte hinausragten und dafür Buchstaben und Lauftexte verrückt werden mussten.

Schon in Nr. 2 mit den Fantastischen Vier sind die Abbildungen im Hintergrund weniger und gleichzeitig heller. In der dritten Ausgabe tauchen sie nur in der Daredevil-Checkliste auf und ab der Nr. 4 verzichtete ich ganz darauf. Um es noch lesefreundlicher zu gestalten, passte ich fortan wo es ging, die Bilder der Spaltenbreite des Texts an. Nicht umsonst schrieb Comic-Laden-Inhaber Thomas Kovacs aus der Schweiz von "ausgeklügeltem - dabei lächerlich simplen! - Layout".


Während heutzutage aus Kostengründen meist auf Lektoren und Lektorat verzichtet wird, fand man früher kaum Tipp- und andere Fehler in Tageszeitungen, Zeitschriften oder Büchern. Dass der Fehlerteufel auch vor Das sagte Nuff! nicht Halt machte, zeigt die Auflistung von kleinen Vertippern und anderem aus den bisherigen Ausgaben in der 9. Nummer.

Sammlerecke und X-Comics gaben ihre Tauschanzeigen (eine Seite im Magazin gegen eine Seite in deren Katalogen und Versandlisten) komplett fertig ab. Bei anderen "Kunden" musste ich teilweise selbst kreativ werden: Intercomicshop, Comiczeit Verlag. Auch Comixene und Panini waren mit eigenen Anzeigen vertreten. Kleine Improvisationen bei Amazing und Comic-Galerie oder die Vorschau auf den Treffer lockerten das Ganze auf. Manches wie die Comic-Börsen von Veranstalter PeKa baute ich einfach mit ins Layout ein.

Großartige Experimente gab es jedenfalls nicht mehr. Nur wenn die Verteilung auf zwei Spalten je Seite nicht passte, wie z.B. in Das sagte Nuff! Nr. 7 beim Thema Sammelbände, gab es kleine Änderungen. Im Gegensatz zu anderen Zeitschriften richtete sich das Layout grundsätzlich nach dem Textumfang. Der Inhalt war wichtiger und die Abbildungen nur zur Illustration oder Verdeutlichung gedacht. In "normalen" Redaktionen gibt es eine genaue Zeichenvorgabe und das Layout steht bereits, ehe überhaupt eine Zeile Text verfasst wurde.

Nicht ganz einfach gestaltete sich die Cover-Idee, die ich vorab für Das sagte Nuff! Nr. 6 im Kopf hatte. Die Williams-Hefte ab der Nr. 1 im Hintergrund und vorne drauf Spider-Man von John Romita sr. Die Abbildungen mussten so breit sein, wie der rosa Balken und bis zur Beschnittkante reichen. Es dauerte, bis das exakt passte. Beim Einfügen gab es dann noch einen Kopierfehler in der dritten Zeile, weshalb Spinne Nr. 15 fehlt und die 33 zweimal abgebildet ist. Und irgendwo muss beim Farbwechsel von RGB (Monitordarstellung) in den CMYK-Modus (für den Vierfarbdruck) ein Teil des Magentas im Signet-Balken verlustig gegangen sein, weshalb dieser etwas heller ausfällt als bei allen anderen Nummern.


Mit der 6. Ausgabe änderte ich auch, zunächst kurzfristig, den Obertitel, frei nach den Fantastic Four und Stan Lees Großspurigkeit in: "Das beste Marvel-Fan Magazin der Welt!". Denn, wer wollte das Gegenteil beweisen? Und immerhin erschien es als einziges Fan-Produkt neben Comixene und Reddition oder Sprechblase in einer Nominierungsliste für "Beste Comic-Sekundärliteratur 2007".

Teil 30
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Sonntag, 10. Februar 2019

Wie alles begann… Ab in den Keller

Teil 28 - zusammen und getrennt
Da die Wohnung meiner damaligen Freundin und jetzigen Ehefrau näher an meiner Arbeitsstätte lag, verbrachte ich die meiste Zeit, auch die langen Mittagspausen, bei ihr. Irgendwann fiel dann der Entschluss, zusammenzuziehen. Meine zweite, eigene Bude war eine kleine Maisonette-Wohnung mit Wohnbereich unten und Schlafbereich oben gewesen. Im Gegensatz zur vorherigen Dreizimmer-Dachgeschoßwohnung war die Aufteilung schwieriger. Mir fehlte das Arbeitszimmer. Mehr als eine Nische mit Schreibtisch und PC neben dem Bett war nicht drin.

Deshalb verteilten sich die Comics über beide Stockwerke und hauptsächlich auf zwei Regalwände, aber auch in Stapeln auf dem Boden. Mir war bewusst, dass ich keinesfalls alles in die neue, gemeinsame Unterkunft mitnehmen können würde. Meine bessere Hälfte verzichtete auf ihre Schuhsammlung, ich auf einen Teil meiner Comics. Unsere beiden Schallplattensammlungen legten wir zusammen. Durch den ähnlich gelagerten Musikgeschmack hatten wir sehr vieles doppelt. Das alles hatte nun keinen Platz mehr.

Ein paar Wochen lang versuchte ich zumindest die Vinyl-Sachen über Ebay loszuwerden. Einiges ging für gutes Geld, das wir in die Wohnungsausstattung steckten, an Käufer aus Russland und Brasilien. Mir war nicht bewusst, was wir teilweise für begehrtes Zeug unter den Platten, Originalkassetten und CDs hatten. Von einer australischen Thrash Metal-Kapelle z.B. besaß ich die zweite Scheibe als LP und CD. Seit 1989 nie wieder nachgepresst, ging das Teil bei Ebay durch die Decke. Keine Riesensumme, aber immerhin knapp dreistellig. Das hatte ich nicht erwartet. Zumal Vinyl zu diesem Zeitpunkt völlig "out" war, der Hype kam erst Jahre später auf.

Einzeln einstellen, verkaufen, verpacken und versenden nahm zu viel Zeit in Anspruch. Auf einem großen Stadtflohmarkt fragten wir deshalb einen Schallplattenhändler, ob er nicht Interesse an einer riesigen Sammlung hätte. Wenn er alles nähme, würden wir Stückpreis 1 EUR machen. Am Abend kam er tatsächlich und wir wurden uns handelseinig. Seine Tageseinnahmen inklusive Wechselgeld in bar blieb bei uns, dafür war sein VW-Bulli aber wieder schön voll.

Wir waren froh, denn einiges hätten wir im Internet ohnehin nicht anbieten können. Zu viele Bootlegs, sprich nichtautorisierte Live-Aufnahmen. Anderes waren seltene und limitierte Sammlereditionen mit Schnickschnack wie Kettchen und ähnlichem. Aber auch eine große Kiste mit Vinyl-Singles aus den 1980er Jahren, viel Neue Deutsche Welle und so. Da der Händler auf Schallplattenbörsen von Deutschland bis runter nach Italien unterwegs war, hatte er für die nächsten Monate, wenn nicht Jahre, ausgesorgt.

Von den Comics behielt ich den Hauptteil der Sammlung und schickte ein paar große Pakete mit Marvel Material bestehend aus Hardcover-Omnibus-Editionen, ausländischen Marvel Heften, haufenweise US-Sekundärliteratur und Fanzines an Gerald "maxithecat" Berse. Bei ihm war es nicht nur besser aufgehoben, ich konnte mir auch vorstellen, dass er es in seiner Behausung unterbringt. Interessant ist, wie viel er von dem internationalen Marvel-Material in seine Datenbank einpflegte. Gerald vertickte die Sachen nach und nach über comicmarktplatz.de.

Manches landete auch im Altpapier, aber nicht so viel wie später beim Umzug in Richtung Norden. Einerseits tut es gut, sich von Dingen zu trennen, andererseits kommen irgendwann die Nachwehen. Aber soweit waren wir noch nicht. Zu unserer neuen Wohnung gehörten eine Garage und ein separater trockener Kellerraum mit Brandschutztür. Letzteren hatte der Vormieter mit Teppichboden ausgelegt, zudem gab es ein Fenster und eine Stromversorgung. Das war das neue Comic-Zimmer und gleichzeitig zweiter Arbeitsplatz mit einem alten, ausgemusterten PC. In der Wohnung selbst reichten ein Laptop, Scanner und Drucker.

Ironischerweise pries unser Vermieter später eine Dreieinhalbzimmer-Wohnung in den örtlichen Kleinanzeigen an. Der Gauner hatte den Kellerraum einfach dazugerechnet. Wir hatten uns noch gefragt, wo denn bitte das halbe Zimmer sein sollte. Einer der Vorteile der neuen Bleibe war auch der riesige, überdachte Balkon über die komplette Breite des Wohnzimmers. Diesen nutzten wir ausgiebig als eine Art zusätzliches Esszimmer, sofern die Außentemperatur es zuließ.

Jahrelang hatte ich mich geweigert, mir die teuren Comic-Short-Boxen zur Aufbewahrung zuzulegen. Mittlerweile kam ich nicht mehr drumherum. Im Nuff-Keller baute ich eine Regalwand, die genau darauf abgestimmt war. Diese bestand aus mehreren Regal-Bausätzen, die ich so miteinander verschraubte, dass sie in sich stabil blieben und schwere Papierlasten aufnehmen konnten, ohne durchzuhängen. Das war nicht im Sinne des Erfinders, aber funktionierte bestens. Die einzelnen Regalböden setzte ich um 90 Grad gedreht ein und benötigte nur zwei Drittel der mitgelieferten Schrauben. Nichts für den Normalgebrauch, aber perfekt für meine Zwecke.

So waren die Comics ausgelagert und ich hatte gleichzeitig einen Rückzugsort, wo ich mich ausschließlich mit dem Machen des Fanzines beschäftigen konnte.

Teil 29
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Samstag, 9. Februar 2019

Wie alles begann… Raus aus der Falle und gleich wieder rein

Teil 27 - vorübergehend ausgehartzt
Im zweiten Nuff-Jahr kam ich mit meiner heutigen Ehefrau zusammen. Und die besorgte dem gesunden jungen Mann, der ich war, erstmal einen Job. Zwar nicht als Grafiker, aber immerhin bezahlte Arbeit ohne staatliche Unterstützung. So arbeitete ich im selben Betrieb wie meine Frau. Sie als Assistentin der Geschäftsleitung in der Chefetage, ich im Tiefparterre in der Produktion.

Beim Vorstellungsgespräch wurde mir von den Chefs eine Befristung auf zwölf Monate versprochen. Warum sie mir bei der Einstellung kurz darauf stattdessen einen Sechsmonatsvertrag vorlegten, konnte ich nicht nachvollziehen. Trotzdem unterschrieb ich, schließlich wollte ich raus aus der Hartz 4-Falle. Fortan baute ich nach technischen Zeichnungen pneumatisch-elektronische Versuchsstationen für angehende Mechatroniker. Klingt kompliziert? War es die ersten sechs bis acht Wochen auch.

Bezahlt wurde nach gefertigten Stück. Auf Tempo kam ich erst im dritten Monat, die ersten beiden mit Grundlohn fielen sehr karg aus. Immerhin konnte ich meinen VW Golf zuhause stehen lassen und mit meiner neuen "Arbeitskollegin" mitfahren. Das ersparte schonmal die Spritkosten. Während mein Verdienst stieg, mokierten die alteingesessenen Kollegen in der Produktion, dass man in diesem Betrieb zu wenig verdienen würde.

Ich hätte wohl besser meine Klappe gehalten, denn ich war zufrieden. Stolz nannte ich die Stückzahl, die ich im vergangenen Monat gefertigt hatte. Den Rest konnten sich die missmutigen Kollegen ausrechnen. Nach dem Motto, der macht uns den Akkordlohn kaputt, sorgte die etablierte Mannschaft dafür, dass mein Vertrag nach den sechs Monaten nicht verlängert wurde. Die damalige Personalchefin steckte meiner Frau noch, dass die "Alten" da etwas gesagt hätten.

Mann, war ich sauer. Zurück zur Peter Hartz-Gemeinde, das waren die Aussichten. Denn Arbeitslosengeld gab es erst nach zwölf Monaten Beschäftigung. Als Grund nannten die Chefs, dass ich als gelernter Mediengestalter kreativ unterfordert gewesen sei und sie deshalb befürchteten, ich könnte mich wegbewerben. Eine völlig falsche Denke. Ich hatte einen mittlerweile gut bezahlten Job von morgens 7 Uhr bis ca. 15:30 Uhr und war zufrieden. Auf die Idee, mich als Grafiker wegzubewerben kam ich gar nicht.

Denn grafisch tobte ich mich in meiner Freizeit aus. Die war zwar deutlich weniger geworden durch Job und Beziehung, aber durch die Vorproduktion lagen Das sagte Nuff! Nr. 5 und 6 bereits fertig in digitaler Form vor. Es fehlten nur "Kleinigkeiten" wie Anzeigen oder ähnliches. Das war kein Problem.

Wie lange ich wieder Kunde der Jobbörse, das ist die schönere Bezeichnung für "Sozialamt" wurde, weiß ich heute nicht mehr. Ich schätze, es waren weniger als zwei Monate. In der Vergangenheit hatte ich immer wieder als "Ferienhelfer" in einer diakonischen Behinderteneinrichtung gearbeitet. Das war damals noch gut bezahlt, aber auf maximal 2-3 Monate befristet. Also bewarb ich mich dort und mit Hilfe eines Freundes war ich schnell für den Gruppendienst eingeteilt.

Da die Diakonie eigene Regeln hat, man muss sich das wie eine abgelegene Insel vorstellen, hatte ich als ungelernte Kraft durch Einweisungsseminare und dazugehörige Zertifikate schnell eine Art Personenbeförderungsschein für Fahrzeuge bis 7,5 t, also Kleinbusse, durfte Medikamente verabreichen und bei Diabetikern sogar Insulin spritzen. "Draußen" in der normalen Welt undenkbar.

Durch geteilte Dienste mit bis zu drei Stunden oder mehr Mittagspause und Betreuung an den Wochenenden wurde meine Freizeit allerdings richtig knapp. Das sagte Nuff! Nr. 7 und 8 entstanden deshalb in "Nachtschicht". Und ausgerechnet die 7. Ausgabe bedurfte einer immensen Arbeit bis sie druckreif war. Viele Leser sehen diese Nummer als das Highlight der Serie an. Ich selbst bin besonders stolz auf den über zwei Seiten verteilten Hulk, gezeichnet von Todd McFarlane. Da war ich mir nicht sicher, ob es klappt, dass er so zwischen den Seiten hervorlugt, wie er es tut.

Teil 28
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